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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 112)

2.72

sondere jener französischen, die man mit dem Namen des Bibliophilen

Grolier bezeichnet. Die Originalbeispiele in der Wiener I-Iofbibliothek

haben verschiedentlich als Muster und zum Studium gedient. Die Feinheit

 und Genauigkeit der Handarbeit hält diese Leistungen auf einem

verhältnissmässig hohen Preis, wenn dieser auch bei weitem hinter den

englischen zurücksteht, und dazu fehlen uns leider heute die Bücherfreunde,

 die auf kostbaren Einband Werth legen. Es dürfte sich daher

vielleicht für unsere Verhältnisse empfehlen, die künstlerische Art beizubehalten,

 aber das Verfahren, wenn möglich, zu vereinfachen, um den

Preis zu erniedrigen.

Die zweite Stufe nimmt die Decoration des Leders mit Metall und

Email ein, doch bleibt bei ihr immer noch das Leder als Grundlage in

gewisser Bedeutung. Dieses Genre, mit Feinheit durchgeführt und in

einem gewissen Masse gehalten, eignet sich vor Allem zur Hülle solcher

Schriftstücke, Diplome u. dgl., denen ihr Besitzer einen besonderen Werth

beilegt. Einer Anzahl solcher Gegenstände, künstlerisch entworfen, mit

Vollendung durchgeführt und von entsprechendem Elfect, sämmtlich neue

Arbeiten seit der Weltausstellung, sehen wir in der Collection von Leopold

 Groner, den wir als den hauptsächlichsten Repräsentanten dieser

zweiten Stufe zu betrachten haben. Die Zeichnungen dazu von der Hand

des Architekten Anton Groner geben ihnen allen gemeinsame künstlerische

 Charakterzüge.

Auf der dritten Stufe verschwindet das Leder gewöhnlich unter der

wuchtigen Hülle der vergoldeten Bronze. Dieses Genre, das insbesondere

mit reichen Gegenständen durch August Klein vertreten ist, war noch

vor wenig Jahren von höchst rohem und gewöhnlichem Geschmack. Die

Wirkung lediglich, man möchte sagen in brutaler Weise, nur in der

Vergoldung suchend, haschte es nach Gedanken, von denen ihm gewöhnlich

 nur die unglückseligsten und abgeschmacktesten in den Sinn kamen.

Noch heute ist es nicht frei davon, aber die besseren Arbeiten gehen doch

auf reinere und edlere Elfecte aus. So ist es erfreulich zu sehen, wie

sehr - und mit vollem Recht - das Email dabei in Aufnahme gekommen

 ist und insbesondere das Limosiner gemalte Email. Bei der Eröffnungs-Ausstellung

 des Oesterreichischen Museums mit einem einzigen Stück,

dem ersten überhaupt von der Hand Mach ts vertreten, ist es heute,

wie die Klein'sche Collection erkennen lässt, auf dem besten Wege, zu

bedeutsamer Anwendung zu kommen. Macht, hisher allein, steht nicht

mehr vereinzelt. Doch auf eines haben wir aufmerksam zu machen. Die

Emails der Klein'schen Ausstellung in Limosiner Art sind alle zu weiss.

Das Zuviel dieser Farbe macht die Zeichnung undeutlich und kalt, und

verhindert den schönen harmonischen Ton der echten Limosiner Vorbilder.



Neben den drei besprochenen Firmen ist aber noch eine vierte nicht

zu übersehen, die gleichfalls die Lederarbeiten in sehr glücklicher und
            
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