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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 112)

726i,

wisse, wenn auch gelinde Kritik geübt worden, und um diejenigen zu

ermuthigen, welche Lust und Neigung zu besseren, vorragenden Arbeiten

fühlten, wurde das Diplom des Museums in Aussicht gestellt, über dessen

Zuerkennung eine Jury zu urtheilen hatte. -

Nehmen wir nun in Betracht, einmal die ausgesprochene Absich

selbst, mehr einen Bazar als eine Musterausstellung zu veranstalten, andererseits

 die Ungunst der Zeiten, die dem Hervorbringen des Neuen

und der Betretung neuer Wege nicht minder hinderlich war, wie der

Vorrath des Unverkauften, den uns die Weltausstellung hinterlassen hat,

so werden wir vorsichtig und weise nicht mit hochgestellten Ansprüchen

an diese Ausstellung hinantreten. Dämpfen wir aber unsere Erwartungen,

so werden wir vielleicht mehr und Besseres finden, als wir vermuthet

haben, wir werden selbst auf Neues, vollkommen Neues stossen und

endlich nicht ohne Befriedigung die Ausstellung wieder verlassen.

Wenigstens ist das der Eindruck, den sie uns macht.

Es versteht sich wohl von selbst, dass eine Ausstellung mit solcher

Absicht, so entstanden und als ersten Versuch sich darstellend, weder in

ihrem Inhalte, noch in ihrem Arrangement ein systematisch gegliedertes

Ganzes bilden kann. Zu letzterem waren schon die Räume, soweit sie

das Museum zur Verfügung stellen konnte, ungeeignet; nur zwei Säle

standen vollkommen frei und bereit, und diese nicht einmal neben einander

 und in demselben Stockwerk. Was sie nicht fassen konnten, musste

wohl oder übel in den Nachbarräumen untergebracht werden. Auf diese

Weise ist es gelungen, Raum zu schaHen für etwa 140 Aussteller, deren

Ansprüche zum Theile nicht gering waren. Diese 140 zählen unter sich

mit die besten Namen, bewährte Freunde und Anhänger des Museums

und viele andere, die zum ersten Male in seinen Räumen erscheinen.

Wollte man sie aufzählen, so würde man sehen, wie sehr der Zufall' obgewaltet

 hat.

Unter diesen Umständen kann auch unser Bericht keine systematische

Besprechung sein, die ohnehin nach den ausführlichen Referaten bei der

Weltausstellung wenig am Platze wäre. Wir lassen das Unbedeutende

völlig dahingestellt und greifen das Neue und Wichtige heraus oder dasjenige,

 woran sich etwa lehrreiche Bemerkungen anknüpfen lassen. Es

ist aber mancherlei, was sich uns in dieser Weise willkommen darbietet.

So machen wir an den gewebten Stoffen - um zunächst von

diesen zu reden - zwei interessante Wahrnehmungen. Die eine betrifft

das leinene Damastgewebe für den Tisch und das Haus, die andere die

MöbelstoEe.

Die Leinwand zählt nur Einen Aussteller, Regenhart 81 Raymann,

 aber diese Fabrik überrascht uns mit einer wirklichen Neuheit,

die oft besprochen und gewünscht worden, mit farbig decorirtem Tafeltuch

 und Handtüchern. Seit zwei Jahrhunderten ist das weisse, blos

weiss gezierte Leinenzeug einzig und allein in Gebrauch und Mode ge-
            
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