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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 113)

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Wir kommen nun zu jenem Theile des Institutes, welcher die Lehre zu besorgen

 hat.

Die Lehre kann durch das lebendige Wort und durch die Anschauung vermittelt

werden; zum Anschauungsunterricht wird aber durch die Sammlungen Gelegenheit geboten.

Man hat früher haui-ig technische Museen so eingerichtet, dass man möglichst viele

mustergiltige Gegenstände aufstellte und meinte, die Gewerbetreibenden sollen nur die

Sachen ansehen. Das ist ein falsches Princip, denn von dem blassen Ansehen lernt man

sehr wenig, wenn die ausgestellten Objecte nicht als Kunstproducte, sondern als technische

 Froducte aufzufassen sind. Wenn ein solches Institut kein kunstgewerbliches ist,

so kann man sich von der Anschauung nur dann einen erheblichen Nutzen versprechen,

wenn dieselbe unterstützt wird durch eine zweckrnassige Art der Aufstellung und durch

den Unterricht. '

I-leute sagen wieder gewisse vorgeschrittene Fachmänner: w-Gar keine Sammlung

nützt; die Museen sind ganz zwecklosnt

Das ist das andere Extrem und ebenso falsch. Es gibt gewisse Formverhaltnisse

und Anordnungen von Werkzeugen und Maschinen, die höchst wichtige Fortschritte des

Betriebes darstellen, und Formverhaltnisse kann man nur durch Sehen und Messen heurtheilen.

 -

Ich brauche hier wohl nicht weiter auszuführen, dass die Aufstellung von Sammlungen

 eines Gewerbemuseums nur nach dem Principe der vergleichenden Technologie

 und nicht nach dem Recept: i-für iedes Gewerbe einen Schranke vorgenommen

werden darf; für eine solche Beschränktheit können wir uns nicht erwärmen.

Sobald die neue Gewerbeordnung votirt sein wird, wird der letzte Schatten der Abgrenzung

 der Gewerbe nach den einstigen lnnuogsbegriifen geschwunden sein, wir werden

ihn nicht in den Schranken des Gewerbemuseums wieder aufleben lassen.

Eine Sammlung von vorzüglichen Werkzeugen, die nach den Arbeitsbegriffen,

denen sie dienen, zusammengeordnet sind. von Apparaten und Maschinen in natura, Modell

oder Bild in richtiger Auswahl und Zusammenstellung, bildet immer eine vortreffliche

Grundlage für technologische Erläuterungen, die ohne dieses Material unverständlich bleiben.

Neben dieser ständigen, stets zu erweiternden Sammlung, dem eigentlichen

Gewerbemuseum, müsste eine wechselnde, sich erneuernde Ausstellung von

neuen RohstoEen, neuen activen und passiven Hilfsmitteln technischer Verfahrungsweisen

 (Musterlager) und alljahrlich eine mehrere Wochen wahrende internationale

Special-Ausstellung veranstaltet werden. So konnte z. B. einmal eine Ausstellung

von Oefen, ein anderes Jahr eine solche von Stühlen, eine weitere von Fenster- und

Thürverschlüssen, von typographischen Maschinen oder dgl m. inscenirt werden. Dabei

müsste, wie bei vielen anderen Angelegenheiten , immer im Einvernehmen mit dem

Oesterr. Museum für Kunst und Industrie vorgegangen werden.

Neben einem so eingerichteten Museal-Institute im engsten Sinne des Wortes

müssen Specialcurse für Gewerbetreibende und Fachlehrer veranstaltet

werden, und zwar wird man hier nichts Besseres thun können, als nachzuahmen, was

das Conservatoire des arts et metiers in dieser Richtung gethan hat. Es ist unbegreiflicherweise

 von dem Conservatoire schon ziemlich geringschätzend gesprochen worden; -

das Conservatoire des arts et metiers ist das einzige von allen Instituten, welches ich als

dasjenige bezeichnen wurde, das wir in vieler Beziehung nachahmen sollten, unter Anderen

 in Bezug auf die Organisation des Unterrichtes, in Bezug auf die Einrichtung

der Specialcurse der mechanischen und chemischen Technologie.

Wenn wir von dem, was Manner wie Chevandier und Wertheitn, Poyen, Morin,

Tresca, Persnz, Trelat, Bondement, Pouillet, Rondelet, Poncelet, Alcan u. A. m. geleistet

haben, nur den fünften Theil in 30 Jahren an dem zukünftigen Gewerbemuseum erreichen

würden, so ware es genug.

Ich möchte hier noch erwähnen, dass eine Zeitschrift herausgegeben und eine

Bibliothek angelegt werden konnte.

Im Hinblick auf die erstere ist zu bemerken. dass die Zeitschrift ein Bulletin

für das Museum und das Organ, durch welches die technischen Arbeiten veröffentlicht

werden sollen, darstellen müsste, nicht aber eine Vermehrung jenes ohnehin schon übermassig

 wuchernden technologischen Zeitungswesens, das von Reproductionen lebt.

Bei der Bibliothek liesse sich nach dem Vorbild von Riga, wo die Büchersammlungen

 und die diesbezüglichen Budgets der Borsen-Deputation, des technischen Vereines

und des Polytechnicums unter Wahrung der bezüglichen Eigenthumsrechte vereinigt sind,

eine ähnliche Centralisation für das Gewerbemuseum und den Gewerbeverein durchführen.

Die für das Athenaum projectirte Sammlung von Patentacten ist im Gewerbemuseum

nicht an ihrem Platze, vielmehr ist eine zeitgemasse Reform des Patentamtes anzustreben.

So wie dieses Patentarchiv wird noch eine Reihe anderer Ideen, welche theils von anderen

 Gewerbemuseen schon fallen gelassen wurden, oder zu den naturgemassen Aufgaben

 anderer Institute (Furtbildungsschulen, Arbeiterbildungs- und Fachvereine) gehören,
            
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