Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 113)

r 292

Diese in Gegenwart des ersten österreichischen constitutionellen Ministeriums ausgesprochenen

 Worte haben einen grossen Eindruck gemacht, und keine zehn Jahre sind in's

Land gegangen bis zur gesetzlichen Einführung des Metermasses in ganz Deutschlgnd

und Oesterreich.

In einem ähnlichen Falle befinden wir uns mit dem Gewerbemuseum. Es ist uns

um den Erfolg unserer Bemühungen nicht bang; die Agitation Einzelner zerschellt machtlos,

 besonders dann, wenn persönliche Motive erkannt werden, aber rdie berechtigten

 Wünsche einer aufgeklärten Bevölkerung müssen die Regierungen

erfüllen!" -

Gutachten der n. ö. I-landela- und Gewermkallmer über eine höhere Wobarelacllnle

n an.

Das k. k. Handelsministerium hatte die Kammer um ein Gutachten über die Frage

der Errichtung einer höheren Webereischule in Wien, verbunden mit einer Lehrwerkstatte

 zur praktischen Erlernung der mechanischen Weberei, ersucht. Einem Antrage der

2. Section gemass genehmigte die Kammer am 2. Decbr. v. J. nachstehende Aeusserun z

wBei der überwiegenden Bedeutung, welche die Weberei gegen andere Industriezweige

 allgemein behauptet, und angesichts der tief eingreifenden Umwandlung, die sich

auf dem weiten Gebiete der Textil-Industrie durch den Uebergang von der Handweberei

zur Maschinenarbeit unaufhaltsam vollzieht; in Berücksichtigung der Reformen, zu welchen

die Weberei durch die Fortschritte der Technik gedrängt wird, und in Erwägung, dass

Oesterreich bei sorgsamer Pflege seiner Kunstweberei nicht blos den inländischen Markt

mit den eigenen Erzeugnissen befriedigen, sondern in Folge der hier gegebenen Productionsverhaltnisse

 auch einen ansehnlichen Export erzielen konnte, nahm die nied. 0st.

Handels- und Gewerbekammer schon sehr oft Gelegenheit, die Nothwendigkeit eines

theoretisch-praktischen Unterrichtes für die Weberei hervorzuheben und zwar in doppelter

Richtung: einerseits nämlich, um der grossen Zahl bildungsiähiger Arbeiter in Oesterreich

 eine volle Fertigkeit in ihrem Fache zu verschaßen, andererseits, um Fabrikanten,

Fnbriksleiter und Werkführer, die auf der Hohe ihrer technischen Aufgaben stehen, für

die Grossindustrie zu erhalten.

Ausser der nur schwach dotirten und mangelhaft eingerichteten Webereischule,

die seit einigen Jahren im Vl. Bezirke in Wien besteht, dann der höheren Webereischule

 in Brunn, deren Programm aber auch nicht das ganze Gebiet der Weberei umfasst,

 war in unserer Monarchie keine Vorsorge getroffen, und erst der Initiative und

dem besonderen Wohlwollen Sr. Excellenz des gegenwarti

Dr. Banhans für die Ausbreitung des gewerblichen Fachunterrichtes danken wir es,

dass in den letzten Jahren noch einige elementare NVebereischulen in Oesterreich errichtet

worden sind.

Allein so nützlich auch diese Lehranstalten für die Heranbildung guter Arbeiter

wirken, entsprechen sie doch nur einem Theile des Bedürfnisses, weil sie ihrer Organisation

 nach einen höheren Unterricht nicht gewähren können, um vorzügliche Industrielle

und Werksleiter so wie - was ebenfalls von höchster Wichtigkeit ist - geeignete Lehrkräfte

 für die Webereischulen minderer Kategorie, deren eine allmälig in jedem Webereibezirke

 zur theoretischen und praktischen Unterweisung der Arbeiter gegründet werden

sollte, zu entwickeln.

Dieser Mangel macht sich immer schwerer fühlbar, weshalb die Kammer mit der

innigsten Befriedigung die in dem Erlasse kundgegcbene Absicht Sr. Excellenz des Herrn

Handelsministers begrüsst, dem Bedürfnisse durch die Errichtung einer höheren Lehranstalt

 in Wien, wo in sämmtlichen Zweigen der Hand- und der mechanischen Weberei

so wie in allen einschlägigen l-lilfskenntnissen ein gründlicher Unterricht ertheilt werden

würde, wirksam und dauernd abzuhelfen.

Ein solches höheres Fachinstitut, welches auf dem neuesten Standpunkte der Technik

eingerichtet, mit einer Lehrwerkstatte verbunden und mit gediegenen Lehrkräften ausgerüstet

 ware, müsste nach der Ueberzeugung aller Sachverständigen die inländische

Textilindustrie bedeutend heben und die verwendeten Geldmittel durch reichliche Erfolge

 lohnen.

Die Kammer knüpft hieran den lebhaften Wunsch, dass die projectirte Lehranstalt.

recht bald ihre hoEnungsvolle Wirksamkeit beginnen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.