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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 123)

der Erstürmung einer Minneburg durch wilde Manner hervor. Man erblickt den König

und die Konigin der Waldleute im Zelte, die ansprengenden Krieger auf phantastischen

Reitthieren und die Burg der Jungfraulichkeit mit Lilien gegen die Rosengeschosse der

Angreifer vertheidigt. Schriftbander mit süddeutschen Reimzeilen erklären die Vorstellung,

welche auf Teppichen, geschnitzten Elfenbeinküstchen, Spiegelgehäusen u. dgl. im Mittelalter

 nicht selten vorkommt und mit einer ganzen Richtung der Minnepoesie jener Zeit

im Zusammenhange steht.

Von Herrn Hofrath Dr. Ernst Birk in Wien erhielt die Gypsmodellsammlung die

Abgüsse von vier Büsten aus dem Triforium des St. Veitdomes in Prag zum Geschenk.

Der Besitz dieser Reproductionen, deren Originalen durch die neuesten Restaurations-Vorgänge

 eben kein sehr günstiges Schicksal lächelte, ist von besonderer Wichtigkeit für

die Vervollständigung unserer Collection.

Ferner wurden die Abgüsse der Plafondstuccaturen aus dem Sternschloss in Pra

erworben, Schöpfungen der späteren Renaissance von überraschend decorativem Geschick,

unerschöpflich an Phantasie und launigen Erfindungen.

Herr Lobmeyr schenkte derselben Abtheilung den Abguss eines antik-römischen

Glnsgeßisses aus dem Mainzer Museum für romisch-germanische Alterthümer. Es ist

intnglioartig ausgeschlißen und in dieser Weise mit Figuren geziert.

Die Aufstellung der beiden Grabmaler vom St. Stephansdome in Wien ist beendet.

Das grossere stellt den Pfarrer J. Keckmann vor dem die Messe celebrirenden h. Martinus

vor und gehört der österreichischen Bildhauerschule an, welche im ersten Viertel des

16. Jahrhs. an die Thätigkeit des Niclas Lerch anknüpfte; das andere mit dem Abschied

Jesu von seiner Mutter zeigt bereits die Einflüsse Dürefscher Composirionen.

(Bronze-Industrle-Gesellschaft.) Die am 8. November abgehaltene General-Versammlung

 der Bronze-Industrie-Gesellschaft eröffnete der Vorsitzende, Graf Edmund Z i chy,

indem er mit Befriedigung constatirte, dass die Bemühungen des Ausschusses um die Förderung

 des Kunstgewerbes nicht auf unfruchtbaren Boden gefallen seien. Der Bericht des

Vorsitzenden erwähnt zunächst einer Petition der Gesellschaft an die Ministerien und an

einflussreiche Persönlichkeiten mit dem Ansuchen, die Hof- und Staatsverwaltung möge

Auftrage für die Bronze-Industrie ergehen lassen. Diese Petition wurde dem Fürsten Hohenlohe,

 dem Grafen Wrbna, den Ministern Lasser und Chlumecky und den Architekten

Hasenauer und Semper überreicht und der Wunsch der Gesellschaft begegnete überall

geneigter Aufnahme und dem besten Willen, ihm nachzukommen. Von den Architekten

Hasenauer und Semper - der Bauleitung der Hofmuseen und des Hofschauspielhauses --ist

 diesfalls auch ein Schreiben an die Gesellschaft gelangt mit der Zusicherung, dass für

dle kunsthistorischen Museen noch in diesem Jahre eine nicht unbedeutende Bestellung in

Bronze-Arbeiten gemacht werden würde. Weiter wurde von der Gesellschaft eine Eingabe

an das Handelsministerium gerichtet des lnhalts, es mögen die Interessen der Bronzelndustrie

 beim Abschlüsse neuer Handels- und Zollvertrage gewahrt werden, und, wie

der Vorsitzende bemerkt, sei bei dem gegenwärtigen Stande der Zellfrage alle Aussicht

vorhanden, dass den Wünschen der Gesellschaft entsprochen werden wird. Der Vorsitzende

theilt weiter mit, dass die von der Gesellschaft ausgeschriebenen Concurrenzen vom besten

Erfolge begleitet waren. Um den Arbeiterpreis für Ciseleur- und Treibarbeiten concurrirten

 lO Arbeiter mit 21 Arbeiten, um den Modellirpreis 4 Bildhauer und um den Schüleroder

 Zichy-Preis für Schüler der Kunstgewerbeschule t5 Schüler mit 35 Arbeiten. Den

ersten Arbeiterpreis, aoo 8., erhielt Herr Stephan Schwartz (Atelier für Ciseleur-Arbeiten).

 Der zweite. Preis, too 6., wurde zuerkannt für eine Kanne und Teller, von Rudolph

Gross gezeichnet, von Muhlhauser und Batsche gedrückt und von dem Ciseleur Anton

Kolbinger ausgeführt; den dritten Preis, So 6.. erhielt Herr Martin Jan ka, Ciseleur bei

Herrn Karl Haas. Da der Modellirpreis keinem der Bewerber zuerkannt werden konnte,

so wurde beschlossen, noch zwei weitere Preise von je 50 H. für Ciseleurarbeiten zuzuerkennen,

 und zwar dem Metallbildhauer Eduard Frank und Herrn Gustav Saute r, Ciseleur

 bei Herrn Hollenbach. Die Schülerpreise erhielten endlich die Schüler der Kunstgewerbeschule,

 Leopold Bosenbeck, Herrn. Klein, Herm. Berkau und Franz Gruher

 - drei aus der Schule des Professors König, einer aus der Schule des Professors

Storck; auch die Herren St. Schwartz und E. Frank sind aus der Kunstgewerbeschule

hervorgegangen. Die Concurrenzarbeiten wurden mit den Namen der Preisgekronten durch

drei Wochen im Sitzungssale des Museums ausgestellt, allwo auch Sonntag den 14. Novbr.

to Uhr Vormittags, die feierliche Preisvertheilung stattfand. Das Programm für die künftige

 Preisausschreibung wird der nächsten Monatsversammlung vorgelegt werden. Die Versammlung

 bestimmte schliesslich den Jahresbeitrag in der bisherigen Höhe von to H.

Hierzu als Beilage: Verzeichniss der Aussteller der Weihnachts-Ausstellung

 im k. k. Oesterr. Museum. '

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