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wie sie bei keinem anderen Puuzenarbeiter vorkommt. Die Schatten werden
nämlich durch parallel laufende punktirte Linien gebildet, welche, von
dem Contour der Zeichnung kräftig ausgehend, sich gegen das Ende zu
allmälig verjüngen. Diese Art von Schattirung ist nur Flynt eigen, und
seine Arbeiten dadurch von denen anderer Meister leicht zu unterscheiden.
Auch kann ich nicht unerwähnt lassen, dass diese Eigenthümlichkeit sich
schon bei den ersten, in Wien herausgegebenen Blättern vorfindet, welche
hier einzig und allein in Betracht kommen könnten, und sich während
seiner langen künstlerischen Laufbahn gleicbmässig erhält. Letzter Umstand
ist um so bemerkenswerther, da dieser Künstler in seinen Werken
wie kein zweiter den Wandlungen des Geschmackes seiner Zeit unterworfen
ist. Während nämlich die älteren Arbeiten, besonders die Wiener, noch
ganz im strengen Geist der Renaissance gehalten sind, sind seine späteren
Werke des 16. Jahrhunderts, mit Ausnahme der Pokale. die er nach Jamnitzer
und gewiss auch noch nach anderen Meistern copirte, schon etwas
barock und die dem 17. Jahrhunderte angehörenden tragen den Verfall
der Kunst in dieser Zeit deutlich zur Schau. Die Hohlkehlen sind übermässig
gestreckt, aus Viertelstäben werden Theile einer Ellipse, ja diese
unverhältnissmässige Dehnung und Streckung macht sich auch bei den
Knöpfchen, Masken, ja selbst bei den Ornamenten fühlbar.
Nach all dem Gesagten ist also bei unseren Blättern an P. Flynt
nicht zu denken. Halten wir an der Eigenthümlichkeit derselben, als in
Contourmanier ausgeführter, fest, so können wir auch weder Bernhard
Zan noch den Meister I. S. vom Jahre 1582 als ihren Urheber annehmen,
da von beiden Künstlern nur schattirte Arbeiten bekannt sind, von letzterem
überdies nur iigurale Compositionen. Endlich müssen wir noch
einen unbekannten Meister erwähnen, der eine nurnerirte Folge von 18 Bl.
Bechern mit Köpfen und Grotesken, Frucht- und Blumen-Festons und
Trophäen in Ornamentwerk herausgab. Allein dieser bedient sich eines
viel gröberen Punzens und die Ornamentik weist auch schon auf das
letzte Decennium des 16. Jahrhunderts hin.
Fassen wir nun Alles zusammen, so sehen wir, dass die hier veröffentlichten
Muster keinem der uns bekannten Künstler zugeschrieben
werden können. Die Ornamentation lässt uns dieselben nicht über 1580
heraufrücken - sie gehören somit jedenfalls zu den ältesten bekannten
Punzenarbeiten. Da aber die der Zeit nach ihnen am nächsten stehenden
Werke, die Bernhard Zan's und des Meisters l. S. vom Jahre 1582, bereits
schattirt sind und die Entwicklung der Punzenmanier wohl den naturgetnässen
Gang vom Einfacheren zum Schwierigeren, d. i. von contourirten
zu schattirten Darstellungen genommen haben dürfte, so werden
wir kaum fehlgehen, wenn wir in dem Künstler unserer Blätter ihren Erfinder
vermuthen. Gegen diese Schlussfolgerung wird vielleicht der Einwand
erhoben werden, dass es doch kaum denkbar sei, dass die vollkomrnensten
Arbeiten zugleich die ersten in einer neuen Manier ausgeführten