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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 127)

untersuchen die heutige Lage der Kunstgewerbe theils izom Standpunkte 
der Kunstwissenschaft, theilweise vom volkswirthschaftlichen Standpunkte, 
von beiden Seiten aber wird bestätigt , wie gut man in massgeben- 
den Kreisen bei der Gründung des Museums gethan hat, beide Gesichts- 
punkte gleichmässig zu berücksichtigen , nicht einseitigen ästhetischen 
Liebhabereien nachzugehen oder einseitig blos volkswirthschaftliche Gesichts- 
punkte zu pHegen, und auch dasjenige, was gegenwärtig im Oesterr. Mu- 
seum vor sich geht, ist wesentlich bedingt durch die beiden Voraussetzungen, 
auf welchen das Institut aufgebaut ist. Die zahlreichen literarischen und 
künstlerischen Publicationen, die aus dem Schoosse des Museums hervor- 
gegangen sind, bezeugen, dass alle Mitglieder desselben bestrebt sind, den 
Anforderungen der heutigen Kunstwissenschaft gerecht zu werden und 
den Samen der Belehrung und guter Grundsätze in weiten Kreisen zu 
verbreiten. Eine stattliche Literatur ist vom Museum ') ausgegangen, 
theilweise direct, theilweise durch die Vorlesungen, welche im Museum 
regelrnässig gehalten wurden. Diesmal aber wenden wir uns vorzugsweise 
volkswirtlyschaftlichen Fragen zu, die im Museum zur Lösung kommen, 
und da sind es gegenwärtig i. die chemisch-technische Versuchs- 
anstalt des Herrn Kosch, 2. die Ciselirschule des Herrn Schwarz 
und 3. die Bronzeindustrie-Gesellschaft, welche unsere Aufmerk- 
samkeit fesseln. 
Die chemisch-technische Versuchs-Anstalt des Herrn Re- 
gierungsraths Kosch erwartet in den nächsten Tagen ihre Statuten, und 
tritt dadurch auch in eine feste und gesicherte Organisation. Die Auf- 
gaben, welche an dieses Institut gestellt werden, sind wesentlich prakti- 
scher Natur. Die Versuche, welche dort angestellt werden, sollen die 
der Krisis, seien an den Kunst-lndustriellen nicht nutzlos vurübergegangen; auch seien 
die materiellen Erfolge nicht ausgeblieben. Eine genaue Analyse der in den ofliciellen 
Handelsausweisen publicirten Handelsergebnisse führe zu dem Resultate, dass Oesterreich 
allerdings mehr Rohproducte und Halbfabricate ein- als ausführe, dagegen im abgelaufenen 
Jahre 1875 für 58 Millionen Gulden mehr Ganzfabricate aus- als eingeführt. Redner ist 
übrigens durch eine Vergleichung der in österreichischen ofüciellen Listen verzeichneten 
Ausfuhren mit den in den ähnlichen Listen der Nacbbarstaaten ausgewiesenen Einfuhren 
aus Oesterreich zur Ueberzeugung gelangt, dass ein Passiv-Saldo in der österreichischen 
Waarenbilanz überhaupt gar nicht mehr existiren könne, und dass der Activ-Saldo im 
Fabricatenhandel mindestens 7c bis 80 Millionen Gulden betragen müsse. Was speciell 
die Erzeugnisse der Kunst-Industrie anbelangt, so sei beispielsweise der Export von feinen 
und feinsten Glaswaaren, Thon- und Porcellanwanren, feinsten Holzwaaren (Möbel) und 
Metallwaaren seit 1873 urn n: Percent, nämlich von 19., auf 42 Millionen Gulden ge- 
stiegen. Es zeige dies deutlicher als alles Andere, in wie energischem Fortschreiten die 
österreichische Kunst-Industrie begrilTen sei, und man dürfe auch hoffen, dass der wachsende 
Ruf, den sich diese im Auslande erwarb, auch den anderen Industrien zugute kommen 
-werde. Man müsse nur das Vorurtheil brechen, welches leider bisher von den Industriellen 
selbst so haufig genährt wurde, dass österreichische Erzeugnisse mit den ausländischen 
nicht zu concurriren vermöchten, d. h. theurer oder schlechter seienm 
') Siehe die literarische Beilage.
	        

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