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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 133)

(Die Weltausstellung von 1878 und die deutsche Industrie.) Die Berliner

v-Tribünen veröffentlicht folgenden Artikel mit dessen Conclusionen wir uns vollstandig

einverstanden erklären: vEine ziemlich lebhafte Agitation scheint in den Kreisen der

deutschen Industriellen uml Kunstgewerbetreibenden im Gange zu sein, welche darauf

gerichtet ist den Entschluss Deutschlands herbeizuführen: sich an der nächsten grossen

Pariser Weltausstellung gar nicht zu betheiligen. Die Münchener Kunst- und kunstgewerbliche

 Ausstellung hat uns in erfreulichster Weise bewiesen, dass wir auf dem rechten

Wege sind, durch dessen rüstige weitere Verfolgung ähnlich abfallige Urtheile über die

deutsche Production, wie sie neuerdings in Philadelphia laut geworden sind, künftig gegenstandslos

 und unmöglich gemacht werden dürften. Aber trotzdem glaubt man annehmen

zu müssen, dass die deutsche Industrie und speciell das deutsche Kunstgewerbe unfähig

sein würden, bereits 1878 in einen irgend Erfolg verheissenden Wettkampf mit den

französischen einzutreten, welche sicher gerade zu dem Zweck und in der bestimmten

Absicht den Deutschen die eclatanteste Niederlage zu bereiten, alle ihre reichen Mittel

und Kräfte noch starker als sonst anspannen werden. Ihrerseits Aehnliches zu thun, ist

die deutsche Industrie und Kunst in der gegenwärtigen, fur sie so kritischen, trüben

Periode weniger in der Lage als je zuvor. Bedeutende, glänzende Leistungen, Ausstellungs-Etfectstücke,

 wie sie für die grossen Wirkungen in diesen internationalen Wettkdmpfen

 unentbehrlich und für den Erfolg entscheidend sind, vermag, so sagt man, unser

Gewerbe innerhalb der nächsten 18 Monate, die ihm noch bis zur Pariser Weltausstellung

bleiben, unmoglich mehr hervorzubringen. Es auf eigene Gefahr hin, aus eigener Initiative,

mit eigenen Mitteln zu thun, sieht es sich schon ökonomisch unfähig. Dass aber derartige

Bestellungen seitens der Regierungen und der Privaten dies ermöglichten, dafür ist nicht

die geringste Aussicht vorhanden. Die deutsche Industrie wie das Kunstgewerbe sehen

sich mithin darauf angewiesen, die bereits in Wien und die jetzt in München ausgestellten

Hauptstücke auch wieder nach Paris zu bringen. Das aber verbiete sich eben von selbst.

Unter diesen Umständen lasst sich das Entstehen jenes Gedankens der freiwilligen Enthaltung,

 welcher in München unter den dort versammelten Fachmannern und Autoritäten

sehr vielen Anklang fand, wohl verstehen. Man führte ferner zu seinen Gunsten an, wie

unvergleichlich ergiebiger und fruchtbarer jene ungeheueren Summen, welche den Regierungen

 und den einzelnen Ausstellern die Beschickung dieser Weltausstellungen und die

Vertretung auf denselben kosten, zum Wohl des deutschen Gewerbefleisses angewendet

werden könnten, wenn man sie unsern so kräftig aufbluhenden, aber meist noch so mittellosen

 und stiefmütterlich behandelten technischen und kunstgewerblichen Unterrichtsanstalten

 zu gute kommen liesse. Schon der dritte oder vierte Theil jener Summen ware

für diese ein unberechenbarer Segen. Aber wenn man das alles auch zugeben muss, so

erscheint andererseits jene freiwillige Selbstausschliessung von diesem Felde des gewerblichen

 Wettkampfes aller Culturnationcn doch so bedenklich für Deutschlands gewerblichen

Ruf, sieht der Feigheit oder der bescharnendsten Erkenntniss eigenen Unwerths so ähnlich,

ist so schwer vor den anderen Völkern und vor dem zur Betheiligung einladenden Frankreich

 genügend zu motiviren, dass wir es kaum für möglich halten, jenen Entschluss zum

Reichstagsbeschluss erhoben werden zu sehen. Viel eher wünschten wir, dass jene andern

durchdrängen, welche gerade die iussersten Anstrengungen und selbst das Darbringen der

grossten materiellen Opfer seitens der Nation und der Regierungen dringend empfehlen,

damit das Reich in Paris mit Ehren bestünde und das deutsche Gewerbe die Scharte von

Philadelphia dort am Marielde wieder auswetzem

Kunstlager-Katalog.

Ein reichhaltiges Verzeichniss von Werken der KunÄt-Literatur. Auf Verlangen

 gratis und franco.

Mannheim. J. Bensheimefs Antiquariat.

Hierzu als Beilage:

Katalog der Bibliothek des k. k. Oestem Musgums. 1876.

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