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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 137)

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Leuchter, Glocken und Anderes, wie der treffliche getriebene Weinkühler

von Lind - legen Zeugniss ab eben so wohl von dem Empfindungsgeiste

 wie von der sorgfältigen Ausführung bis auf die letzte Ciselirung.

Hier tritt mitwirkend ein die Ciselirschule des Museums unter Schwarz,

so wie der vollendete Guss von Turbain den Ansprüchen des Künstlers

entgegenkommt.

Aber est ist nicht mehr die Fachschule des Museums allein, welche

diesem und verwandten Zweigen der Industrie helfend zur Seite tritt.

DieWeihnachts-Ausstellung verschafft uns auch die Bekanntschaft anderer

jüngerer Kräfte unter den Bildhauern, welche gerade diese Lücken der

Kunstindustrie ausfüllen oder auszufüllen im Stande sind. Man wird mit

Vergnügen die kleinen Terracottengruppen J. Beyers betrachten und

macht in August Schwenzer die Bekanntschaft eines neuen, höchst beachtenswerthen

 Talentes von durchgebildeter Schule. Seine leider nur in

Gips ausgeführte Statuette der Psyche ist ein Figürchen von sympathischem

Reize, eben so fein wie anmuthig, während ein weiblicher Portraitkopf

mit seiner zarten und individuellen Behandlung ganz an die florentinischen

Künstler der Früh-Renaissance erinnert. Wer sich z. B. eines lange im

österreichischen Museum befindlichen Marmorkopfes von Desiderio da

Settignano (Eigenthum des Hofes) erinnert, der wird hier eine verwandte

Künstlernatur begrüssen. _

Während man in der Bronzeindustrie, so sehr sie durch die Krisis

quantitativ gesunken ist, doch bereits die bestimmten Richtungen zu erkennen

 vermag, welche den Rahmen der Aufgaben auszufüllen haben, ist

das bei den Gold- und Silberarbeiten, bei der eigentlichen Bijouterie, viel

weniger der Fall. Hier giebt es Aufgaben zu lösen, die kaum angerührt

worden sind. Man hat sich z. B. schon viel um grosse, imponirende

Tafelaufsätze, mächtige Fruchtschalen, armreiche Candelaber bekümtnert

und hat in dieser Beziehung viel Verfehltes und auch schon Gelungenes

geschaffen. Auch die Ausstellung zeigt in dieser Art ein paar trefflich

ausgeführte, in den oberen Theilen jedoch mehr als in den unteren gelungene

 Girandolen aus der Berndorfer Fabrik von Schöller 8! Cornp.

Um das Geräth aber, welches man auf der Tafel in die Hand nimmt, um

Messer, Gabel und Löffel, hat sich eigentlich noch kein Künster bemüht,

kein Industrieller den Versuch gemacht, hier anderen als geschäftlichen

oder herkömmlichen Gesichtspunkten zu folgen. Was bei uns davon gemacht

 wird, ist alles Schablone. Die Aufgabe ist auch nicht leicht: erstens,

weil, wenn irgendwo, hier das Handliche, die Zweckmässigkeit der erste

Gesichtspunkt ist, und zweitens fehlt es fast ganz und gar an brauchbaren

Vorbildern aus der Vergangenheit. Die Ursache ist, dass die feinere

Tischsitte erst in neuerer Zeit ausgebildet worden, und mit der Sitte

stehen Form und Gebrauch in engster Verbindung. Niemand ist so streng

und formell bei Tische wie die Engländer, und sie haben die Sitte so

zur Etiquette gemacht, dass sie sich gar nicht denken können, Andere
            
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