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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 137)

dann mit Glasur belegt und das Stück auf's neue und stärker als vorher

gebrannt, doch immerhin nur schwach im Vergleich mit Steingut oder

Porcellan. Sie gestattet deshalb eine reiche Palette und ist in der Form

wenig beschränkt. Unter den ausgestellten Gegenständen sind grosse reichfarbige

 Krüge, Vasen, Töpfe, Jardinieren, sodann auch Figürliches, wie

ein allerliebst entworfener nicht zu grosser Springbrunnen mit Schwänen

und Knabeniiguren, der den Mittelgang des Hauptgebäudes ziert. Das

Werk fesselt ungemein. Es waltet über ihm jene Poesie des abgelegenen

stillen Schattenplatzes im Park, wo die Wasserstrahlen nur leise rieseln

dürfen, um die Stille nicht zu unterbrechen; der Farbenton schmilzt mit

Moos und Fels und Taxus zusammen, gleich als ob ein halbes Jahrhundert

 her alles so gewesen wäre wie jetzt.

Näher noch als die Fayence steht dem gesundesten einfachsten Gefühl

 das Steingut, das gute alte, das von der Mutter Küche her uns bekannt

 und lieb ist, die Grund- und Unterlage unseres ganzen Topfgewerbes.

 Denn das steinfeste, man möchte sagen, felsenhart gebrannte

Steingutgeschirr ist unempfindlich gegen die grimmigsten Säuren und andererseits

 frei von Einwirkung auf die zartesten Essenzen. Was nun aber

Doulton aus dem simplen Steinzeug, nach ihm Doultonwaare genannt,

gemacht hat, und zwar fast also erst seit der Wiener Ausstellung, übertrifft

 geradezu jede Vorstellung. Ein nicht enden wollender Reichthum an

Formen von Krügen; Schüsseln, Humpen, Kannen, Platten u. s. w. und

ein ebenso grosser an Ornamentik, der sich darüber crgossen hat. Wir

erfahren zugleich die merkwürdigsten Dinge über die Herstellung. Sämmtlicbe

 Steingutgeschirre Doultonis werden mit der Hand auf der Töpferscheibe,

 die von Dampf getrieben wird, geformt; keine Presse, welche

mechanisch wiederholt, ist angewandt; jedes Ornament ist von Hand aufgelegt

 oder eingeritzt, oder mit dem Modellirholz aufgehöht u. s. w. Jedes

Geschirr ist demnach ein Unicuml Ich füge gleich hinzu, dass ein beträchtlicher

 Theil der leichteren Decorationsarbeit von Mädchen ausgeführt

wird, die unter der Leitung der ebenfalls praktisch thätigen Künstler arbeiten,

 die ihrerseits an der Südkensigtonschule oder deren Filialen ausgebildet

 sind. Eine gewisse Classe von Verzierungen, eingeritzte kleine

Zeichnungen, die entweder die Steinfarbe behalten oder auch mit Farbe

eingerieben werden, rühren ausnahmslos von der Hand einer Dame her,

deren kunstgeübte leichte Hand eine Reihe reizender Schöpfungen geliefert

 hat. Für diese Radirungen wird das Gefäss ganz leicht vorgebrannt,

so dass die Oberfläche nur eben diejenige Festigkeit bekommt, welche das

sichere und klare Einritzen ermöglicht. Alsdann wird mit der Stahlnadel

die Zeichnung eingegraben. Man sieht der letzteren die Sicherheit und

Frische, das unmittelbare Concipiren beim Arbeiten selbst an, was gerade

der Steingutwaare so vorzüglich ansteht. Die technische Behandlung der

Geschirre im Ofen, die Färbung, welche manchmal nur ein leichter bläulicher

 Hauch, manchmal eine regelrechte Musterung von Blau und Grau,

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