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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 140)

Um so mehr Aufmunterung verdienen die bis jetzt noch vereinzelten Versuche der

Wiederbelebung des Sgrafi-ito. Dieses Decorationsminel ist auch unter unserem Himmelsstriche

 vollkommen wetterbestandig, wie zahlreiche Beispiele beweisen. Dasselbe zog mit

den Kunstformen der Renaissance über die Alpen und bürgerte sich insbesondere in Südwestdeutschland

 und den österreichischen Staaten einschliesslich Ungarns und Schlesiens

ein, und die allen Unbilden der Witterung ausgesetzten, auch übrigens in keiner Weise

geschonten Malereien haben sich an vielen Orten Jahrhunderte hindurch trefflich erhalten.

Das Sgraflito ist ferner wenig kostspielig und bedarf zur Ausfü hrung nicht einer Künstlerhand,

 sondern nur eines geübten Zeichners, welcher getreu die Vorlage vom Papier auf

die Wand überträgt. Es ist geeignet, die Wandtiachen anmuthig zu beleben, wirkt coloristisch

 und doch immer massvoll, bei stylvoller Anwendung niemals bunt oder unruhig.

Der Hauptvorzug desselben liegt aber darin, dass es seiner Natur nach streng stylistisch

ist und bleiben muss. ln dieser Richtung konnen die Werke aus der Blüthezeit der

italienischen Renaissance durchaus als Muster aufgestellt werden. Da kommt nicht die

Verbindung von plastischem und SgraffitoVOrnament vor, welche die Wirkung beider

beeinträchtigt, das letztere wird nicht etwa als Füllung der Felder zwischen Pilastern

oder Karyatiden u. dgl verwendet, sondern breitet sich über die ganze Mauerflache aus,

an welcher höchstens die einzelnen Stockwerke auch äusserlich durch Gesimse gekennzeichnet

 sind. Für Friese und Lisenen wird ein freies und reiches, figurales und Pßanzen-Ornament

 gewählt, während die Felder haufig mit einem aus einfachen geometrischen

Formen zusammengesetzten Muster bedeckt werden. Und eben so wenig wie mit der

Plastik wird das Sgraffito mit dem Fresco verbunden, noch auch das erstere zur Decorirung

 von Innenräumen benützt, für welche der entschieden farbige Schmuck immer vorzuziehen

 sein wird.

Ueber die Technik des Sgraftito liegen verschiedene schriftliche Documente aus

älterer Zeit vor, nach denen aber nicht gearbeitet werden kann; wahrscheinlich sind die

Vorschriften nicht ganz vollständig, jedenfalls aber auf andere klimatische Verhältnisse

als die unsrigen berechnet.

ln Wien wurde zur Herstellung von Sgraffiten nachstehendes Verfahren mit dem

besten Erfolge angewendet.

Alle Flachen, welche decorirt werden sollen, erhalten vorerst einen rauhen Anwurf

von grobem Mörtel, welcher vollständig hart und trocken werden muss, bevor man weiter

vorgeht. An dem Tage, an welchem die Ausführung der Sgrafüten begonnen werden soll.

wird mit feinerem weissen Mörtel in der Dicke von r Centimeter ein so grosses Stück

bewerfen, als der Maler an einem Tage mit der Zeichnung zu bedecken gedenkt. lst

dieser Anwurf vollendet, so wird, so lange derselbe noch nass ist, der dunkle Mortel in

der Dicke von 4 bis 5 Millimetern aufgezogen und ohne Verzug reine oder mit Ocker

gebrochene Kalkmilch mittelst eines grossen Pinsels dreimal aufgestrichen.

Nach Verlauf von wenigen Minuten kann bereits die Zeichnung mittelst einer

durchstochenen Pause aufgetragen werden und die Arbeit des Malers beginnen.

Die Contouren werden mit eisernen GritTeIn verschiedener Grösse so tief eingegraben,

dass der dunkle Mortelgrund zum Vorschein kommt. Zum Herausheben der grösseren

Flachen werden breite, am unteren Ende gezahnte Eisen verwendet.

Zur Herstellung des dunklen Mörtels wird nach Angabe des Altmeisters Dr. Gottfr.

Semper anstatt des Sandes [gestampfte Steinkohlen- oder Schmiedeschlacke dem Kalke

beigemengt; hierzu kommt noch Pllanzenkohle undgelbes oder rothes Eisenoxyd.

Nach Vasarfs Angaben wird der gefärbte Mörtel unmittelbar auf den ersten groben

und trockenen Verputz aufgetragen. Die ltaliener führen die Arbeit am liebsten im Winter

(d. h. zur Regenzeit) aus. In unserem nordischen Klima, in welchem wir nur das Frühjahr,

 den Sommer und Herbst zu ähnlichen Arbeiten verwenden können, wurde die

gefärbte dünne Mortelschichte zu rasch trocknen und die Ausführung der Sgraffiti,

namentlich bei Ostwind, unmöglich machen, wenn nicht die Unterlage von frischem

weissen Mörtel das zu schnelle Trocknen verhindern wurde.

KLEINERE MITTHEILUNGEN.

(Spitzenlndusu-ie.) Die "Wiener Abendpostu vom 27. März schreibt:

Ihre Majestät die Kaiserin geruhte Freitag, den 23. d. M., Herrn Richard

Ritter v. Dotzauer, den Obmann-Stellvertreter des in Prag zur Beförderung

 der Erwerbsthätigkeit der böhmischen Erz- und Riesengebirgsbewohner

 gebildeten Centralcomite, huldreichst zu empfangen und von demselben

 einen Bericht über die Thätigkeit dieses Comitä entgegenzunehmen.
            
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