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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 143)

wissenschaften in den Schulen blos als allgemeine Lehrsätze kennen lernten,

ohne über deren Zusammenhang und die Anwendbarkeit für ihre Kunstübung

 sich klar geworden zu sein. Er war daher bestrebt, in seinem Werke

auf einzelnen Gebieten eine engere Verbindung zwischen der Wissenschaft

und dem künstlerischen Wissen herzustellen. Unseres Erachtens ist ihm

der Versuch ausgezeichnet gelungen und auch sein weiterer Wunsch in

Erfüllung gegangen, nämlich dem Laien, der unbewusst an der Entwickelung

 und an dem Verfalle der bildenden Künste mitarbeitet, ebenfalls

verständlich zu sein. Darin besteht der eminente Vorzug des Buches,

dass selbst seine rein mathematischen Abschnitte keine trockene Aneinanderreihung

 von Lehrsätzen enthalten, die weniger gründlichen Lesern

das Studium verleiden könnte. Stetiger Hinweis auf das Wissen früherer

Jahrhunderte, besonders auf den trattato della pittura von Lionardo, wechselt

 mit Beispielen der Anwendung auf bekannten Gemälden grosser Meister.

Reiche Belehrung ohne viele Mühe können Kunstjünger und Liebhaber

aus jenen Abschnitten schöpfen, welche von der Wahl des Augenpunktes,

von der Luftperspective und der Beleuchtung beim Malen eines Portraits,

_einer Landschaft u. s. w. handeln. In kurzer und doch sehr klarer Weise

werden die Vortheile des Ober- und des Seitenlichtes in Galerien gegen

einander abgewogen, und wegen des allgemeineren lnteresses dieser letztern

Frage bringen wir diesen Theil von Brücke's Buch im Folgenden zum

Abdruck.

Die Beleuchtung von Oelgemälden.

"Bekanntlich wird fortwährend darüber gestritten, ob man Bildergalerien

 und Ausstellungsräume rnit Oberlicht oder mit Seitenlicht einrichten

 soll. Es ist also nicht überflüssig, die Vortheile und Nachtheile

jeder dieser beiden Beleuchtungsarten zu erörtern.

Die erste Anforderung, die man zu stellen hat nächst der, dass das

Bild überhaupt beleuchtet sei, ist die, dass sich das Bild von einem passenden

 Standpunkte ausbetrachten lasse, ohne dass es spiegelt. Welcher

Standpunkt ist nun ein günstiger? Strenggenommen gibt es für jedes

Bild nur einen richtigen Standpunkt. Dieser einzig richtige Standpunkt

liegt stets in einer geraden Linie, welche man sich im Augenpunkte senkrecht

 auf der Bildfläche errichtet denkt. Der Augenpunkt ist nicht immer

leicht zu erkennen, der Laie in der Perspective findet ihn überhaupt nicht;

da er aber in der Regel nicht sehr weit von der Mitte des Bildes, oder

doch nicht ganz am Rande liegt, so stellt man sich, so lange man den

Augenpunkt nicht ermittelt hat, dem Bilde gerade gegenüber und versucht

empirisch nach der Wirkung und nach den vorläufigen Anhaltspunkten,

welche das Bild gibt, seinen Standpunkt zu verbessern. Von Genauigkeit

ist ohnehin keine Rede, da wir das Bild nicht mit einem Auge, sondern

mit zwei Augen ansehen. Ebenso wenig hält man genau die richtige Entfernung

 ein. Im Bilde selbst ist oft schon ein Widerspruch zwischen Zeich-
            
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