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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 146)

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reicht. In der Hauptachse des Gebäudes sind die beiden Langseiten des 
Corridors durch einen 3'154 Meter breiten Gang verbunden, an dem sich 
linksseitig die einzige Treppe des Gebäudes, rechtsseitig Dienerräume und 
Aborte anschliessen. Durch diesen Einbau bilden sich im Innern des 
Gebäudes zwei Höfe, welche diesen, sowie die Corridore hinlänglich 
erleuchten. 
Der Fussboden des Erdgeschosses ist um 0'9S Meter gegen das Strassen- 
niveau erhöht. 
Das Gebäude hat drei nahezu gleich hohe Geschosse von 5'5 Meter 
Höhe. Ausserdem ist ein Theil der Souterrain-Localitäten für Zwecke der 
Schule verwendet; und zwar befinden sich im Souterrain die für die 
chemisch-technische Versuchstation erforderlichen, für hohe Hitzegrade ein- 
gerichteten Muflelöfen. 
Im Parterre sind die Bildhauer- und die Ciselirschule, die chemisch- 
technische Versuchsanstalt, nebst den Localitäten für die künstlerische Ver- 
Wendung chemischer Präparate, sowie der grosse V0rlese- und Zeichensaa] 
nebst einem Assistenten- und einem Dienerzimmer, endlich noch die 
Portiers-Wohnung untergebracht. 
Im ersten Stock befinden sich die Directoratsräume, die Facbschulen 
für Architektur, figurales Zeichnen und für Blumenmalerei, sowie die 
Ateliers der Professoren nebst einem Dienerzimmer. 
Der zweite Stock enthält die Räumlichkeiten für decorative Malerei, 
den Lehrerbildungscurs und den Actsaal; endlich die Wohnung des Secretärs, 
als administrativen Leiters der Schule und eines Dieners. 
Der Bau ist zwar mit grösster Oekonoruie, aber durchwegs auf das 
Solideste ausgeführt und machen sich bei dem Baue einer Kunstgewerbe- 
schule auch die ästhetischen Anforderungen geltend. 
Der nachbarliche Bau des Museums war gleichfalls für das Aeussere 
der Kunstgewerbeschule bestimmend. Der Ziegelbau war damit schon vor- 
geschrieben. Während derselbe dort auf die Flächen beschränkt blieb 
und die Gliederungen aus Stein ausgeführt wurden, empfahl es sich hier 
die sämmtlichen Glieder in Backstein und Terracotta auszuführen und 
die Anwendung des Steines blieb auf den untersten Sockel des Gebäudes 
beschränkt. 
Die gleichmässige Benützung sämmtlicher Räumlichkeiten gestattete 
auch die Durchführung eines einzigen Motives in den Fassaden. Bei der 
geringen Ausladung, welche die Gesirnse in diesem Materiale nur haben 
können, war es hingegen geboten, die Haupttheilungs-Gesimse durch über- 
leitende Wandglieder zu verbinden. So ergab sich ein an und für sich 
eigentlich reiches Fassadenmotiv, das aber in einfachster Prohlirung durch- 
geführt, durch Anwendung von zweierlei Thonfarben einen erhöhten Reiz 
und eine stärkere Betonung der functionirenden Theile erhielt. Ein noch 
wirksameres Decorationsmittel, die Glasur, war dem Architekten aus
	        

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