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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 147)


Frankreich erreicht hat, eine Jury gewählt, welche über die Zulassung der einzelnen Obiecte

 zu entscheiden, beziehungsweise den Ausstellern mit Rathschlagen an die Hand zu

gehen hat. Wie schon bei der Monchener Ausstellung, soll auch in Papisyum die ausgestellten

 Ge enstande zur vollen Wirkung zu bringen, die Herstellung vollstandi er Appartements

 durc geführt werden. Wegen Betheiligung der Mitglieder der Graveur ranche an

der Ausstellung der Bronzeindustrie wurden erfolgversprechende Verhandlungen eingeleitet.

Der Bericht erwahnt weiter, welch' ehrenvollen Platz die österreichische Bronzeindustrie

bei der Ausstellung in Amsterdam eingenommen, indem die zwei ersten und ein zweiter

Preis an österreichische Firmen, die zu den Mitgliedern der Gesellschaft zählen, verliehen

wurden. Die Gesellschaft zählt gegenwärtig 90 Mitglieder. Der Jahresbeitrag wird in der

bisherigen Höhe von ro f]. bestimmt. Der Bericht theilte sodann die Resultate der diesjährigen

 Preisausschreibung für Modellir-, Treib- und Ciselirarbeiten, sowie für Graveurarbeiten

 und Entwürfe von Zeichnungen mit, und der Präsident nahm die Vertheilung

der von der Jury invdem zweiten diesjährigen Concurse zuerkannten Preise vor. Es erhielten:

 den zweiten Preis für Ciselirarbeiten per rno H. der Gehilfe Carl Valenta; den

dritten Preis per So fl. der Schüler der Kunstgewerbeschule Gustav Lind, den Modellirpreis

 per 300 H. Eduard Mayer, Schüler der Kunstgewerbeschule; die drei Graveurpreise

die Graveurgehilfen A. Pollhammerylosef Wechtl und Wilhelm Kluge, und zwei

Zichy-Schülerpreise der Kunstgewerbeschuler Ludwig Jünger. Ausserdem genehmigte

die Versammlung den Vorschlag der Jury, wonach noch ein zweiter Preis für Modellirarbeiten

 per 2.00 fl. dem Ciseleur Stefan Schwnrtz verliehen und aus dem nicht vertheilten

 Ciselirpreis von 200 H. der Betrag von So tl. ausgeschieden und mit demselben

eine Arbeit des Graveurgehilfen Franz Krebs prämiirt wurde. - Hofrath, von Eitelbergcr

 gab am Schlussc die Anregung, dass die für die Pariser Ausstellung bestimmten

Gegenstände von den Mitgliedern der Gesellschaft vorerst durch drei Wochen in den

Räumen des Oesterr. Museums für Kunst und Industrie ausgestellt werden mögen.

(-Das polyohrome Ornament- von A. AndiL) Der Hauptzweck dieses Werkes

ist die Herstellung eines Lehrmittels für den Zeichenunterricht an Mittel-, Gewerbe- und

lndustrialschulen, mit Hilfe dessen das ornamentale Zeichnen, insbesondere das Zeichnen

des polychromen Flachornamentes, in diesen Schulen systematisch und mit gutem Erfolge

gepflegt wird. Das Werk soll daher ein Mittel für das Verstandniss der ornamentalen

Formen, für die Erzielung eines guten Geschmackes bei der heranwachsenden Generation

 sein.

Zu diesem Zwecke wird das Vorlagenwerk 80 Tafeln im Folioformate und einen

ausführlichen Text bieten. Die ersten r7 Tafeln (I. und ll. Heft) enthalten die Elementarformen

 des Flachomamentes: die Ranken, die stylisirten Blattformen und Blumen. Die

übrigen Tafeln werden, in systematischer Reihenfolge geordnet. auserlesene Muster polychromer

 Flachornamente der besten Kunstepochen enthalten. Diese Muster werden in

grösserem Maßstabe ausgeführt und derart dargestellt sein, dass man an ihnen zugleich

den ordnenden Gedanken, den Aufbau, kurz gesagt. die Construction, die einem jeden

Muster zu Grunde liegt. wahrzunehmen im Stande ist. Dies ist ein wichtiger Umstand,

der bisher bei nrnamentalen Vorlagen für öffentliche Schulen wenig berücksichtigt wurde.

Die Muster werden gross, deutlich und correct, kurz für Schüler vollends entsprechend

 ausgeführt werden. Bei dcr Wahl der Muster wird die Verzierungsweise der Hellenen

 und Römer, der Renaissance, des Mittelalters, insbesondere aber die Verzierungsweise

 der Araber ins Auge gefasst werden, denn die Letzteren haben uns am besten

gezeigt, worin das KVesen einer schönen Flächenverzierung besteht, sie haben uns

die Principien gelehrt, die wir bei der Darstellung neuer deccrativer Formen zu beobachten

 haben.

Zweiunddreissig Tafeln enthalten Muster der hcllenischen, pompeianischen und der

decorativen Kunst der Renaissance; ncunundzwanzig Tafeln enthalten die besten Beispiele

der Kunst der Araber, einige davon des christlichen Mittelalters und die Tafel 80 enthält

 das System zur Erklärung der Farbenharmonie und die Schemata der Pigmentmischungen.

 Die Muster der sammtlichen Tafeln sind so ausgeführt, dass der Lernende

sets gemahnt wird, sein Hauptaugenmerk auf die Darstellung richtiger, reiner und schöner

Umrisse, auf die Beobachtung schöner Proportionen und harmonischer Farbenzusnmmenstellungen

 zu richten.

Die Vorlagen sollen alle die ewig giltigen Principien der ornamentalen Formengebung

 zur Anschauung bringen, Principien, die in den besten Kunstepochen stets beobachtet

 und befolgt wurden. Dabei werden die Vorlagen, vom Leichteren zum Schwierigeren

(in jeder Kunstepoche für sich) fortschreitend, geordnet sein.

Einen wesentlichen Theil des KVerkes wird aber auch der Textband (Xll. Heft)

bilden. Der Text wird folgende Punkte behandeln und zwar: das Wesen des Ornamentes,

seine Beziehungen zur Architektur und zum Kunstgewerbe; - allgemeine Stylbedingungen

der ornamentalen Formen; - die Quellen der formalen Schönheit (Propnrtionalität, Sym-
            
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