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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 147)


Das neue Kunstgahäude in Pest.

Die ungarische Kunst hat in diesen Tagen eine Heimstätte gefunden.

Am 8. November wurde das neue Gebäude, welches ihr der Enthusiasmus

der Kunstfreunde lediglich aus Privatmitteln errichtet hat, feierlich eröffnet

und seiner Bestimmung übergeben. Dieser Entstehung muss man Rechnung

 tragen, wenn uns das Gebäude klein, die Räume beschränkt und

eng erscheinen. Wer wünschte nicht der Kunst hohe, lichte, weite Hallen,

die schon durch sich selber imponiren! Aber sie stehen nicht immer zu

erreichen, und wenn sie nicht entsprechend auszufüllen sind, ist es immer

noch besser, in hübschen bescheidenen Räumen sich gute Werke drängen

zu lassen, als in grossen unter dem hurror vacui zu leiden.

Die Stadtgemeinde hatte dem ungarischen Landesvereine für bildende

Künste einen Platz zu diesem Gebäude gegeben, der, was die allgemeine

Lage betrifft, vortrefflich situirt erscheint, denn er liegt mitten in der

grossgedachten breiten Radialstrasse, die einmal den Corso von Pest bilden

wird. Auch seine Nachbarschaft ist wohl angemessen, denn zur einen

Seite liegt ein zweiter interessanter Bau, der ebenfalls der Kunst gewidmet

ist, die vom Architekten Rauscher im Florentiner Palastbaue aufgeführte

Zeichenschule, auf der anderen Seite wird der Musikakadernie ein Gebäude

 errichtet werden, das zugleich in seinen oberen Räumen eine Anzahl

 Malerateliers enthalten soll.

Diese Vereinigung zu einer Gruppe wird dem Ganzen eine Anziehungskraft

 gewähren, welche jedem einzelnen Gebäude und seiner Bestimmung

 wieder zu Gute kommt, und so mag die Lage von Vortheil sein.

Aber sie ist es nicht, wenn man die Zwecke des Kunstgebäudes oder des

Künstlerhauses, wie es kurzweg genannt wird, im Auge hat. Wenigstens

erschwert sie ihre Erfüllung. Diesem blieb in der Mitte ein schmaler

Raum, dessen Langseiten geschlossen sind, dem nur an den Stirnseiten

ein directes und gutes Licht gesichert ist. Auf diesem schmalen Raume

sollte nun verschiedenen Bestimmungen genügt werden, die zur ersten

Bedingung lichtvolle Gemächer haben. Das Gebäude sollte die Ausstellungssäle

 des Kunstvereines enthalten, es sollte das Kunstindustriemuseum

aufnehmen und endlich noch den Künstlern und ihren Freunden als Versamrulungsort

 dienen. Sah sich der Architekt diesen Anforderungen gegenüber

 schon in Verlegenheit, wenn er- die einfache Frage der Unterbringung

 bedachte, so war er es doppelt, wenn er daran ging, alle Räume

zweckmässig zu beleuchten. Wer gewohnt ist, solche Fragen zu bedenken,

der musste sich sagen, dass überhaupt keine absolut, sondern nur eine

relativ günstige Lösung möglich ist.

Bei diesen Schwierigkeiten und unter dieser Beschränkung darf die

Lösung durch den Architekten Adolph Lang, welcher in der Concurrenz

den ersten Preis gewonnen hatte, als eine gelungene betrachtet werden.

Es ist ein schöner Bau, aber auch insofern ein praktischer. als er den
            
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