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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 153)

heraldischen auch ein artistisches und kunsthistorisches lnteresse; nicht weniger als oben

stammt gleichfalls hier eine' ganze Partie von Sehenswürdigkeiten aus den reichen Collectionen

 Sr. Exc. des Grafen Edmund Zichy, welcher überhaupt die Zwecke des Ausstellungs-Comitäs

 unermüdet in liebenswürdigster und erfolgreichster Weise zu fördern

wusste. Da fehlt es nicht an Silbergürteln und Goldgeschmeide mit Schmelzwerk (die

Juweliere Edmund Braun, mit verkäuflichen heraldischen Busennadeln, und Karl Waschmann,

 beide in Wien), an Glasuntersatzen, Löffeln (eine Garnitur von Herrn Ratzersdorfer,

 verkäuflich), Dosen, Uhren und Ringen, an silbernen Anhingseln und goldenen,

emaillirten Schaumfmzen, an goldenen Ehrenketten zu tragen bestimmt. Wenn Etnailplatten,

 päpstliche Fischerringe, Manschettenknopfe, Stöcke mit Wappen, Dolche und

Ochsenzungen auch anderwarts zu sehen sind, so gehören doch gewisse Dinge dieser

Abtheilung zu den allerseltensten Dingen, wie: der messingene Patrontaschendeckel mit

dem YVappen der Grafen Csaky, die grosse Stahlscheere mit dem kaiserlichen Adler, der

Briefbeschwerer von Silber des Herrn v. Göckingk, mndellirt und ausgeführt vom Bildhauer

 Kuntzsch, die in byzantinischer Manier emaillirten Wappenschalen Sr. Exc. des

Grafen Hans Wilczeck, das messingene Astrolabium des Herrn Miller von Aichholz, der

kleine Dreieckschild mit dem emaillirten Wappen der Montmorency für den Fuss eines

Jagdfalken, die Bronze-Gürtelschnalle mit dern Wappen von Jerusalem, der Schlüssel des

Antiquars Henderik de Kuyp in Amsterdam, mit dem Wappen dieser Stadt (lo Mark) u. s. f.

Die strahlende Suite von geschnittenen Wappen aus der Sammlung des Freih. von Linstow

in Berlin schliesst den Tisch in würdiger Art ab.

Der vierte Schrank, den Arbeiten in Holz, Bein, Horn, Elfenbein, Bernstein, Perlmutter

 und Meerschaum gewidmet, enthält Briefbeschwerer, in Oberammergau für die

Exposition geschnitzt, mit den Wappen Lohkowitz, Auersperg, Zichy, Dachenhausen;

Kastchen mit den Wappen Napoleods l. (bei Waterloo erbeutet, mit zahnärztlichen:

Necessaire von Gold, Baron Rothschild gehörig), eine Cassette mit dem Khevenhüllerschen

 Wappen, Blasebälge, Medaillons, Facher, Portraits, Jagdhörner, Pulverhörner, Holzwappen,

 Druckerplatten mit österreichischen Landerwappen, Buchdeckel, einen ganz in Elfenbeinarbeit

 steckenden Dolch, Rehhörner mit dem altbemalten Wappen der Ritter von

Goldegg in Tirol und eine Reihe von älteren Meerschaum} Pfeifenköpfen aus den Sammlungen

 Zichy und Apör.

Der fünfte Schrank dient zur Ausstellung der gewebten und gestickten Heraldik

und der Lederarbeiten ;_ Gobelin- und blasonirte Tapetenmuster, Fahnenbander, Tücher und

Spitzen, Servietten und Leinendamast, Kissen, Handschuhe, Briefrepositorien und gestickte

Wappenblatter, sowie heraldisclie Stickmusterkarten sind die hier zunächst in's Auge

fallenden Objecte. Der grössere Theil derselben ist von Herrn Hofkunststicker Giani in

Wien; die verkäuflichen Handschuhe von Herrn Franz Klomser eben hier; das blaue

Kissen von der Gräfin Arlotti-Crollalanza in Pisa, das andere mit dem polnischen Wappen

Topor (ein Beil) von Frau von Miedzygörze Zaklika in Wien, die schönen XVappenblatter

bekannter österreichischer Geschlechter sind von der Hand der Frau von XVeittenhiller

gestickt; auch das Oesterr. Museum und eine hiesige Kunststickerin Frl. Therese Davidek

(Wappen von Baiern) haben Mehreres hieher geliefert. Rückwärts linden wir eine Ledercassette

 der Stadt XVien, goldgepresste Büchereinbände, meist vom Antiquar Rosenthal in

München, das heraldische ABC-Buch von Dr. Karl_Ritter Meyer von Mayerfels, München

i856, welches den grossen wissenschaftlichen und künstlerischen Umschwung in dergHeraldik

 bewirkte, ausgestellt von dem berühmten Herrn Verfasser und plastisch auf dem

Deckel mit seinem Wappen (zwei Metallsterne, einen schrägen Balken mit Eisenhütlein-Veh

 begleitend) auf rothem Leder geschmückt, bemalte Einbände des Museums und

Aehnliches.

Der sechste und letzte Schrank umschliesst die orientalische, d. i. die sarazenische

und japanische Wappenkunst. - An japanischen Gegenständen der verschiedensten Art

ist eine bedeutende Menge ausgestellt: Helme, Säbel, Theetischchen mit Service, Dosen

mit Darstellungen in geschnittenem Metall, Siegel in Bronze und Stein, Wappenbücher

und Rollen, Porcellan-Figuren und Vasen, Lackcassetten u. s. w., sämmtlich mit den sich

oft wiederholenden heraldischen Bildern der namhaftesten Familien des Reiches versehen,

bilden hier ein originelles Ensemble. Hauptaussteller irn japanischen Fache ist die Firma

Trau (Theehandlung) in Wien, deren Inhaber mit grosser Bereitwilligkeit und Liebenswürdigkeit

 ihre seltensten Gegenstände exponirten. Auch Se. Durchlaucht Fürst Montenuovo,

 Graf Zichy, Herr von Heyer und Andere (iguriren hier unter den Eigenthümern.

Die der sarazenischen Gruppe angehörenden Gegenstände, den Herren RudolfGrafen Hoyos,

Baron Warsberg und dem kdn. bairischen Nationalmuseum in München entlehnt, gehören

zu den auserlesensten und werthvollsten Stücken; so ein famoser Leuchter grossen Kalibers,

 ein persischer Helm, ein Säbel, eine Cassette, Schalen und Gefasse; sammtlich

bestimmt und kurz beschrieben von dem als eminenten Fachmann bekannten Herrn

k. k. Universitätsprofessor Dr. Josef Karabacek.
            
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