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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 153)

Ecke des Zimmers steht eine silberne Münzschüssel mit 27 Gold- und 155 Silbermünzen

des Hauses Schwarzenberg, beginnend mit dem Grafen Adolf und reichend bis zum

Fürsten Johann; dabei stehen zwei schon gearbeitete alte Silbertypare des Grafen Ludwig

v. Sulz und des Fürsten Ferdinand zu Schwarzenberg. An den Wänden sind Stammbäume

 und Ahnenproben mit den dazu gehörigen Wappen aufgespannt und oberhalb von

einer aus Gravüren und Lithographien bestehenden Portratgalerie gekrönt.

Aus dem Schwarzenbergschen Archiv gelangt man unmittelbar in den Waffensaal,

sonst der Sitzungssaal des österreichischen Museums, jetzt ein Glanzpunkt der heraldiscben

Ausstellung. Die hier vereinigten seltenen Kunstschatze sind grosstentheils der zweiten

Gruppe der kunsthistorischen Sammlun en des A. h. Kaiserhauses, der kaiserlichen Hof-Gewehr-

 und Sattelkammer und dem eughause der Stadt Wien entlehnt. Von Privat-Ausstellern

 müssen namentlich Se. Exc. Herr Graf Hans Wilczek und Herr Franz Thill

genannt werden. Wenn man, in den Saal eingetreten, sich umwendet, zeigt sich die

ganze eine Langenseite von Helmen und Schilden eingenommen, und zwar dergestalt,

dass zu unterst eine reiche Serie von sogenannten Sctzschilden steht, welche theils der

Stadt Wien, theils Herrn Thill und Ritter v. Goldegg gehören. Darüber ist eine gleiche

Anzahl von bemalten Holztartschen mit den Wappen der altösterreichischen Provinzen aufgehangt

 und über jede Tartsche wieder der dazu gehorige Helm (von vergoldetem Leder)

mit seinem Kleinod (Helmfigur) gesetzt. Diese Schilde und Helme stammen aus dem

15. Jahrhundert und wurden bei den Leichenfeierlichkeiten des Erzherzogs Albrecht Vl.

1463 und des Kaisers Friedrich lll. 1493 in Wien zum Vortragen gebraucht. (Siehe die

Beschreibung und Abbildung derselben im dritten Jahrgang der heraldischen Zeitschrift

des Vereines "Adler: 1873: -Original-Prunkhelme und Schilde aus dem XV. Jahrhundert

von Friedrich Freiherrn NValdbott v. BQSSEHhCJITLI) Ausser dem heraldischen und historischen

 lnteresse, welches diese supcrbe Fronte bietet, verdient der Umstand ausdrückliche

 Erwähnung, dass die Tartschen, Helme und Kleinode, obwohl ihrer Zeit nur für

decorative Zwecke angefertigt, dennoch in Bezug auf Grösse und Darstellung genau solche

Verhältnisse zeigen, wie sie bei den wirklich in Verwendung gewesenen Turnierstücken

üblich waren; deshalb sind sie hier auch ungefähr in derselben Weise angeordnet und

aufgestellt, wie dies bei der iedem Turnier vorausgehenden Helrnschau stattgefunden hat.

Schwerlich wird sich noch an einem zweiten Orte eine so ausserst merkwürdige und

instructive Serie finden, wie sie sich dem Beschauer hier prasentirt.

Machen wir nun eine halbe Wendung nach links, so dass wir die eine Schmalseite

 des Saales mit dem Kamin in der Mitte vor uns haben, so sehen wir eine womöglich

 noch kostbarere. geradezu unvergleichliche Zusammenstellung von Originalhelmen

und Eisenhüten heraldischer Form. Die Perle davon ist der rothe Topfhelm im Centrum,

mit vergoldeten, an der ausseren Langenseite je mit einem Silberkamm besteckten Büffelhornern

 als Kleinod, einst einem Ritter aus dem steierischen Geschlechte der Prankher

angehorig, nun vom Herrn Fürstbischof von Seckau der WVaEensamu-ilung des A. h. Kaiserhauses

 gewidmet. Dieser Original-Topfhelm vom Ende des 13. Jahrhunderts mit volla

kommen conservirter Helmzier ist der einzige seiner Art, der bisher in Oesterreich auf?

gefunden wurde. und es durfte schwer sein, selbst im Auslande irgendwo ein würdiges

Pendant zu Gesicht zu bekommen. Daneben steht ein stark verrosteter Topfhelm

(Graf Hans NVilczek), beschrieben und abgebildet im ersten Jahrgang der heraldischen

Zeitschrift 1871 von Friedrich Freiherrn Waldbott v. Bassenheim, ein interessantes Stück,

dessen Echtheit übrigens schon vielfach in Zweifel gezogen wurde; dann ein prachtiger

 Stechhelm und auf der anderen Seite zwei Rosthelme für das Kolbenturnier, der

eine kleinere aus der Sammlung Sr. Excellenz des Grafen Hans Wilczek, der andere

grössere aus der ersten Gruppe der kunsthistorischen Sammlungen des A. h. Kaiserhauses,

in Farbendruck wiedergegeben und beschrieben in der eben erscheinenden und gleichfalls

exponirten Monographie "Der Helme von Gustav Freiherrn v. Suttner. Auf dem unteren

Absatz des Kamins stehen mehrere Schaller (auch Schalen oder Salade genannt), zwei

ausgezeichnet schone Eisenhüte und ein precioser sogenannter uHundskopf-w. Diese Helmaufstellung

 wird beseitet von je einer completen Rüstung des Kaisers Maximilian l. und

je einem Stechzeug in den Ecken des Saales. Von den oberhalb an den Wänden aufgehängten

 Gegenständen sei noch ein vorzüglich erhaltener prächtiger Setzschild mit dem

heiligen Georg und eine Armbrust sammt Kocher, beide mit Wappen geschmückt, err

wähnt. Die entgegengesetzte Schmalseite enthält über der Thüre in das Schwarzenbergsche

 Zimmer die Tartschen und Helme des h. Römischen Reiches, von Niederösterreich

wd Oesterreich mit dem Bindenschild; darunter Trophäen und Rüstungen mit eingeätzten

uppen.

(Fortsetzung folgt.)
            
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