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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 4)

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Malerei. Sie decorirte, es ist wahr, aber wenig in einem wahrhaft religiösen

 Sinne.

In Italien war wenigstens das Material der ornamentalen Decoration

ein solides, und der Nordländer staunt nicht wenig, wenn er die ganze

Innenarchitektur der Kirche mit farbiger Marmorincrustation überdeckt

sieht. Die Entstehung dieser Technik der Wandbekleidung ist uralt und

führt uns in die Zeit Alexanders des Großen und seiner Nachfolger

zurück, da die reichen Hellenisten des Orients ihre Gemächer und Hallen

in dieser Weise verzierten. Ihrem Beispiele folgten die Großen Roms,

und von Rom ging diese Technik in die christliche Kirche hinüber, wo

sie allerdings von der Glasmosaik in Schatten gestellt wurde, welche der

Marmormosaik nur die unteren Flächen zur Verzierung übrig ließ, so

die Sockel, die Schranken und Geländer. In Byzanz wurde diese Kunst

mit besonderer Feinheit und Geschicklichkeit-geübt und zu überaus zierlichen

 geometrischen oder verschlungenen Mustern verwendet. Byzanz

lehrte sie den Arabern, welche den Marmor durch glasirte Fliesen

ersetzten. Von solcher feinen byzantinischen Art aus dem frühen Mittelalter

 gibt das Innere von San Miniato auf der Höhe bei Florenz noch

ein ausgezeichnetes Beispiel. Derber, doch auch hierher gehörig, ist die

Art, wie z. B. das Innere des Domes von Pisa abwechselnd mit horizontalen

 Streifen von schwarzem und weißem Marmor geschmückt ist. Eine

Specialität solcher. lncrustation ist diejenige, welche sich nach der Mosaicistenfamilie

 der Kosmaten benennt und farbige Glaspasten mit Marmor

und Halbedelsteinen verbindet. Sie umzieht in zierlicher geometrischer

Zusammenstellung vorzugsweise die gewundenen Säulen der Kreuzgänge,

wie San Giovanni im Lateran noch ein schönes Beispiel zeigt.

Als im fünfzehnten Jahrhundert die Malerei zu ihrer Höhe und

Vollendung emporstieg, da trat diese doch einigermaßen mühsame und

zugleich kostbare Art der Verzierung zurück. Die Malerei, auch die ornamentale,

 zeigte sich erfolgreicher und entsprach mehr dem Zeitgeschmack-Denn

 nun, mit dem Wiederauffinden antiker Wanddecorationen auf

römischem Boden, drang auch die ganze Fülle antiker Ornamentmotive,

die geflügelten Genien, die phantastischen Menschen- und Thierbilder,

nackte Gestalten, Embleme und Instrumente in die Malerei.

In der Kirche spielt sie dann gar oft eine höchst merkwürdige,_und

auffallende Rolle. Wenn wir sie in der berühmten Galerie des Vaticans

erblicken in Verbindung mit jenen christlichen Bildern, welche man die

Bibel RafaeYs zu nennen pßegt, nun, wir denken, das ist in einem

Palaste, dessen Wände Schmuck verlangen, und wir nehmen nicht viel

Anstoß, wenn in der Nähe der biblischen Gegenstände allerlei wirkliches

und phantastisches Gethier sein Wesen treibt. Anders und mindestens

doch höchst sonderbar ist es z. B. in jener hochberühmten Capelle von

San Domenico in Siena, welche Sodoma mit seinen Bildern aus dem

Leben der heiligen Katharina ausgeschmückt hat. Nichts kann ergrei-
            
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