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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 4)

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Verbindung mit der Kirche, wenn sie auch in den Kirchen oder vielmehr

in den Capellen derselben ihre bevorzugte Stätte noch eine Weile behielt.

Die nächste Folge des Naturstudiums war es, dass das Porträt in

das religiöse Bild eingeführt wurde, nicht das Porträt der Kirchenfürsten,

wie das in der alten christlichen Kunst der Fall gewesen war, sondern

das Porträt zeitgenössischer Persönlichkeiten. Man gab den heiligen Personen

 oder dem begleitenden Volke die Köpfe seiner Freunde, der Angehörigen

 derer, welche die Stifter der Gemälde waren, oder sonst beliebiger

 Personen, die eben interessant und brauchbar erschienen. Es ist

zwar nicht zu leugnen, dass gerade in diesem Porträtartigen, in dem

menschlich Wahren und ihrer treuen Darstellung ein Hauptreiz der

Meister der Frührenaissance liegt, der sie uns so anziehend macht und

so mitempfinden lässt, andererseits kann man aber auch nicht in Abrede

stellen, dass damit ein weltliches Element in die religiöse Kunst hineinkommt.

 Zu dem Porträt gesellt sich dann als weitere Consequenz das

zeitgenössische Costüm, und da dieses damals reiche Farben und excentrische,

 bizarre Formen liebte und an Glanz und Schimmer sich erfreute,

so kam mit dem Costüm Liebe an Prunk und Luxus, worin alsbald die

Maler zu schwelgen begannen, ohne Zweifel zum Vortheil der Kunst,

zum Vortheil einer pittoresken Darstellung. Dem Costüm folgte das

Geräth, die Architektur, die Landschaft, in welcher der Künstler lebte,

und so wurde das religiöse Gemälde, statt von allem Zeitlichen frei zu

sein, ein Bild aus der Zeit und dem Leben Italiens im fünfzehnten

Jahrhundert.

In dieser Richtung nun ist Masaccio der Führer. Wenn er in der

Einfachheit und Ruhe der Compositionen noch auf Giotto zurückweist,

so ist er andererseits in der Darstellung des Lebens, in der realen Wahrheit

 der Begründer der nachfolgenden Kunst, der eigentlich florentinischen

Schule. Er vereinte, was seine Vorgänger und Zeitgenossen leisteten, er

betrieb und vervollkommnete das anatomische Studium und die Behandlung

 des Nackten, darin seine Bilder einen großen Fortschritt bedeuten;

er urnhüllte seine Gestalten mit Luftperspective; mit jugendlichen Feuer

leitete er zu jener Kühnheit und Kraft der Zeichnung, welche die florentinische

 Schule auszeichnet. Wie seine Gestalten Leben und Wahrheit

hatten, so wusste er auch den Männern Würde und Größe und den

Frauen Anmuth und Schönheit zu geben. So wurde er auch darin ein

Führer, in jener Richtung der italienischen Kunst, welche die Schönheit

der menschlichen Gestalt zum Ziele hatte, die körperliche Schönheit der

Männer wie der Frauen.

So kam Masaccio fast der Vollendung nahe. Den letzten und

höchsten Schritt aber auf diesem Wege einer realen, nach Schönheit und

Wahrheit zugleich trachtenden Kunst, ohne noch, gleich Rafael, in das

Ideale hinüber zu schreiten, that ein halbes Jahrhundert später Domenico

Ghirlandajo. Auch diesem großen, aus den zahlreichen Zeitgenossen her-
            
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