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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 5)

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und die Vorzüge der künstlerischen Empfindung waren in ihm mehr

entwickelt, als jene der künstlerischen Willenskraft. Und so kam es, dass

er in seiner Wirksamkeit nicht vorwärts treibend, nicht stark impulsiv

war, aber dafür die zarteren Gefühlsregungen der Frührenaissance inmitten

 der durch seine anderen Kunstgenossen eingeleiteten Sturm- und

Drangperiode bewahrte und hütete. Während im Uebrigen der große

Hauptzug der Kunstbewegung in die Zukunft strebte, verstand er es,

zwischen Vergangenheit und Gegenwart ein vermittelndes Band zu

knüpfen, und den besten Theil des seelischen Inhaltes der ersteren bei

aller Befreiung der Form in das neue Kunstalter hinüber zu retten.

Wenn wir in Brunellesco schon einen Bramante vorgedeutet finden,

wenn Donatello auf Michelangelo hinweist, und in den Fresken der

Capelle Brancacci von Masaccio beinahe schon die Cinquccenro-Malerei

im ersten Umriss vorskizzirt erscheint: so ruht das Gemüth Luca della

Robbia's und der Seinigen mit aller Liebe auf dem wohlerworbenen

Besitz und Hausstand der eigenen Art und Kunst und strebt denselben

in sich zu mehren, doch nicht über ihn hinauszugehen. Meister Luca,

sein Neffe Andrea und die übrigen Haus- und Werkstattgenossen, welche

die gleiche Kunstweise pflegten, waren mit Herz und Hand, nach Auffassung

 und Technik die echten, conservativen Quattrocentisten - und

die spätere Robbia-Schule trug noch in die volle Blüthezeit, über

die ersten drei Decennien des 16. Jahrhunderts die fast unveränderte

Quattrocento-Gesinnung hinüber, bis endlich ihr Kunsthetrieb wegen

Mangel an fernerer Fühlung mit dem Zeitalter sich auslebte.

Das Charakteristische der eigenartigen Kunststellung der Robbia ist,

wie Jedermann weiß, die Bildnerei in Thon, mit mehr oder weniger

Zuthat von Farbe und dem Ueberguss der Form durch die Glasur.

Dies wäre ein technisches Verfahren, welches durch die gleichartige Methode

 der Erzeugung und der dabei zu beobachtenden KunstgrifTe die

Werke, welche so zu Stande kommen, an der scharfen Grenze von freier

Kunst und mannigfach bedingter Kunstindustrie festhält. Zur Würde der

ersteren erhebt jene Erzeugnisse die Beseelung und der freie bildnerische

Zug, während die Procedur der Herstellung und ihre mechanischen Beihilfen

 sie wieder in's Bereich des Kunsthandwerks verweisen. Darin liegt

aber der eigenthümliche Reiz der glasirten Thonsculpturen, dass sie eben

an der bezeichneten Grenze stehen: daher erklärt sich auch das Geheimniss

 ihres constanten, vor Irrungen und Abschweifungen gesicherten

Stilcharakters.

Luca della Robbia selbst, der geistige Patriarch der Schule, beherrscht

gleich Donatello und Ghiberti das ganze Darstellungsgebiet der Sculptur;

er weiß seine plastischen Gedanken in Marmor wie in Erz auszudrücken.

Aber indem er weiterhin nach wiederholtem Nachsinnen und Probiren die

Technik der Maiolikaplastik durchbildet, bahnt er zugleich aus der großen

Kunst einen Weg in die allerdings mit höheren Kräften schaffende Ku nst-
            
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