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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 5)

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mit großem Aufwande hergestellten Neubau bis zur Vertreibung der Deutschen aus demselben

 durch die Regierung des wKonigreiches Italien: im Jahre 1806. Die Baugeschichte

anbelangend ist zu erwähnen, dass der Verfasser für die Autorschaft des Girolamo

Todesco eintritt gegen Cmwe, welcher diesen Architekten verdrängt werden lässt, bevor

er hatte an die Ausführung des Werkes gehen können. Uebrigens werden die kunsthisturischen

 Beziehungen, welche sich an den Fondaco knüpfen, von Simonsfeld nur

gestreift; um so reicher ist die culturgeschichtliche Ausbeute. Wenn auch die gewaltsame

 Zerstörung des merkwürdigen Institutes nur dem l-linsterben an Altersschwäche

zuvorkam, bleibt es immerhin auffallend, dass dieses eine Waaren- und Einkehrhaus für

die Handeltreibenden einer einzigen Nation alle ähnlichen mittelalterlichen Einrichtungen

so lange überlebt hat. Der Verfasser findet den Grund hiefnr eben darin, dass der Fondaco

 nicht Eigenthum der Fremden, wie die deutschen Kaufhöfe in Nnwgorod und

London, sondern des Staates war, dass die Fremden nur ein geringes Maß von Selbstverwaltung,

 keine eigene Gerichtsbarkeit besaßen, sich auch in inneren Angelegenheiten

der Entscheidung der venetianischen Behorden unterwerfen. Denn der große Werth,

welchen dieses Bindeglied zwischen Italienern und Deutschen (denen in handelspolitischer

Beziehung auch die Schweizer, Westslaven, Ungarn und die Unterthanen des Herzogs

von Savoyen zugezahlt wurden) für alle Betheiligten hatte, indem für die eingeführten

nordischen Erzeugnisse italienische als Rückfracht genommen werden mussten, Venedig

ferner die Hochschule für die jungen Kautieute aus Deutschland war, und aus anderen

Gründen mehr - der war ja durch den Umschwung in politischen und Verkehrsverhältnissen

 langst sehr vermindert worden. Von hohem Interesse sind auch die Darstellung

des inneren Lebens im Fondaco, der Rangstreitigkeiteu und Eiferstlchteleien, welche

zwischen verschiedenen Handelsplätzen nicht ausblieben, der Verkehrswege, der einoder

 ausgeführten Wuaren, dann der Nachweis der von Deutschen in Venedig betriebenen

 Gewerbe (Backer, Schuhmacher. Weber stehen in erster Linie, dann Paternosterrnacher,

 ein Goldschmied, Buchdrucker etc.), endlich die Abbildungen den Fondaco von

1500 und 1828. B.

-v_-Handarbeit.

 Vortrag, gehalten in der volkswirthschaftlichen Gesellschaft

zu Berlin am 12. März 1887 von Julius Lessing. (ln erweiterter

Form.) Berlin, Leonh. Simion, 1887. 8". 34. S. M. r.

Mit der gesteigerten Actualitat, welche die Fragen in Bezug auf Handarbeit im

Gegensalze zur maschinenmäßigen Erzeugung bis jetzt errungen haben, mehren sich in

progressiver Weise die Streitschriften, welche von den verschiedensten Standpunkten

aus versuchen, Licht und Klärung in jene noch lange nicht zur Gänze begriffenen Verhältnisse

 zu bringen, die ihren Ursprung im Kampfe des Handwerks mit dern fabriksmäßigen

 Gewerhehetriebe haben.

Bei verschiedenen, in ihren sonstigen Anschauungen völlig auseinandergehenden

volkswirrhschaftlichen Fractionen mag am gleichmäßigsten vielleicht nur die Thatsache

zur Erkenntniss gelangt sein, dass ein kleines, der Handarbeit noch festen Boden gewährendes

 Gebiet nur mehr dort zu suchen sei, wo es sich um Leistungen handelt, welche

mit Rücksicht auf das Bedurfniss des Einzelnen oder auf den vorgesteckten künstlerischen

Zweck von der Massenarbeit ausgeschlossen sind. Dieses Gebiet in's Auge fassend ist

auch Lessing zunächst zu dem Punkte gelangt, nan welchem das Studium der Kunst- V

und Culturgeschichte Fnhlung bekommt mit dem Studium der Volltswirthschaft und sich

die Aufgabe stellen muss, das eigenthumliche Verhaltniss zwischen Handarbeit und Maschinenarbeit

 naher zu bestimmenl. ln der That liegt auch hier das punctum saliens,

aus dem sich auf's Neue ein lebenskraftig organisirter Gewerbestand entwickeln kann.

Ohne die Schwierigkeiten zu verkennen, welche sich einer solchen Wiedergeburt

entgegenstellen, sieht Lessing doch im Ganzen und Großen optimistisch der Entwickelung

der Dinge entgegen. Die industrielle Fruchtbarmachung ästhetischer Bedürfnisse, wie wir

das Princip der ltunstgewerblichen Masaenerzeugung wohl nennen möchten, soll nach

Lessing's Anschauung, wenigstens in gewissen Fällen, in sich selbst schon ein Correctiv

tragen. Die wohlfeilen, vorgeblich zur Befriedigung des Schbnheitssinnes dienenden

Waaren, welche in Unmassen allen, auch den unbegnterten Ständen der Gesellschaft zur

Verfügung gestellt werden, sollen nach den Ausführungen Lessings den Luxus in gewisser

Art fördern und dessen Forderungen allmälig zu Bedürfnissen umgestalten; dabei soll

bei dem Umstande, ndass in der menschlichen Seele der Widerstand gegen das Seelenlose

 der Maschine lebendig bleibtu, der Werth der Handarbeit, welche ader Maschinenarbeit

 gegenüber in einer fast religiösen Heiligkeit erscheinn, zu erneuter, ja durch

den vermehrten Luxus gesteigerter Geltung gelangen.

Die beste Förderung des Handwerkes erhofft Lessing von der Elektricitat als

neuer Triebkraft, welche den Einzelnarbeiter in Stand setzen kann, sich durch Hilfs-
            
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