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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 6)

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Künstler Italiens meistens auch scharfe Rechner; der Erwerbssinn war

in ihnen stark entwickelt, wie im Italiener überhaupt - und warum hätte

er es nicht sein sollen? War doch ihre Arbeit eine Meisterarbeit und

ihres Lohnes vollauf werth. Aber der bloße Trieb nach Lohn und

rascheren Verdienst wird nicht lediglich der Beweggrund gewesen sein,

weshalb der Meister im weiteren Verlaufe seiner Klinstlerlaufbahn vorzugsweise

 Thonbildner wurde. Es gibt auch rein artistische Entschließungen

 - und eine solche hier vorauszusetzen, haben wir

allen Grund.

Er war in seinem ersten, frühen Marmorwerk, in dem Musikfest der

Kinder für die Orgelbalustrade mit einem fröhlichen Erfolge in die höhere

Künsllerlaufbahn getreten. 15 Jahre darauf machte ihm der Auftrag

für die ernsten kirchlichmepräsentativen Reliefs in Bronze offenbar viel

Sorge; es war für ihn eine allzu monumentale Aufgabe, die ihn belastete

-- er nahm dieselbe mehr schwer als groß, und hatte trotz ausgiebiger

Beihilfe mit ihr bis auf seine letzten Lebensjahre zu schaffen. Lorenzo

Ghiberti brauchte für die Thüre mit dem Leben Jesu am Baptisterium,

welche ihm im Wetlkampfe mit Brunellesco zugetheilt wurde, 21 Jahre

(1403-1424); das Wunderwerk der anderen Hauptthür mit den alttestamentarischen

 Bildern - jener von Michelangelo mit Recht bewunderten

 Eingangspforte für die ganze Scnlptur der Renaissance - vollendete

 er in 25 Jahren (1425-1450). Unser Meister brachte seine weit

bescheidenere Erzthür (allerdings unter nicht aufgeklärten Hemmnissen) erst

in 28 Jahren fertig. Der sonst so emsige, erfindungsreiche Künstler, dem

auch das Modelliren schnell von der Hand ging, scheint sich hier absichtlich

 nicht beeilt zu haben, weil er den Druck dieser Arbeit fühlte.

Er schaffte sich Erholung und neuen Aufschwung in anderer Arbeit und

construirte unermüdlich seine Oefen um, in welchen er seine Thonwerke

brannte und glasirte, bis er endlich die richtige Zartheit der Glasur

herausbrachte, die auch dem leiseren Drucke der Modellirung ohne

störendes Aufquellen der Formen und Contouren sich anschmiegte. In

die lange Dauer seines zögernd fortschreitenden monumentalen Bronzewerkes

 fallen nun die zahlreichen, technisch wie künstlerisch immer vollkommeneren

 Majolikareliefs, die auch gegenüber den ersten, würdevoll

aber schwerer componirten Tympanons über den Sacristeipforten im Dom

einen weiteren, ungleich freieren Forschritt bezeichnen. Man möchte

sagen, dass Luca als Bildner in Thon die Herrschaft über die Form, die

Lieblichkeit und flüssige Lebendigkeit des Ausdrucks, welche er im Marmor

der Orgelbalustrade im ersten genialen Wurf mühelos gefunden hatte,

auf einem anderen, neubetretenen Wege wiedergewann, nachdem er in

der Erzbildnerei fast Gefahr lief, dieselbe einzubüßen.

Wir müssen nur ernstlich versuchen, seine Kunststellung uns nachträglich

 ebenso klar zu machen, wie sie in einem entscheidenden Momente

der Selbstprüfung ohne Zweifel ihm selbst klar wurde. Meister Luca
            
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