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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 6)

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hätte weder mit der Fülle der Figurengruppirung und dem Comp0sitionsreichthum

 eines Ghiberti, noch andererseits mit Donatello's Energie und

charakteristischer Kraft in den beiden Monumentalstolfen des Erzes und

Marmors für die Dauer wetteifern können. Und doch war er in seiner

Art ein ebenso voller und ganzer Künstler. Aber seine Formgebung war

bei edelstem Stilgefühle, zu dem sich ein liebenswürdiger Naturalismus

gesellte, nicht kraftvoll, sondern Hießend weich; sie hatte mehr Seele als

Muskel, mehr Schmelz der Empfindung als zusammengefasste Kraft. Die

Psyche dieser Form, welche im Marmor nicht völlig heimisch war, im

Erz noch weniger, suchte sich ihre entsprechende Verkörperung und fand

dieselbe in dem überglasten Thon mit seinem milden, bescheidenen Glanz-Als

 Luca diesen wichtigen Fund gethan, war er erst im Staude, das

schlichte, reine Wesen seiner künstlerischen Gedanken ganz direct auszusprechen.

 Die Majolicasculptur hat diesen großen Vortheil: sie glasirt

das Modell selbst und gibt ihm als solchem die Weihe des Kunstwerkes,

während sonst die plastische Vorarbeit des Modells erst in ein anderes

Material nachbildend übertragen werden muss. Was der technische Process

des Glasirens der Form an Präcision benimmt, wird reichlich durch die

erste Frische der Empfindung aufgewogen, die in dem Werke ungetheilt

beisammen bleibt.

Obgleich die beiden Tympanon-Reliefs über der Sacristei des Domes

unter den Terracottawerken des Meisters arn frühesten urkundlich datirt

sind, so waren sie gewiß nicht seine ersten Versuche in dieser Kunstgattung.

 Auf bloße Versuche hätte sich auch die Dombauverwaltung

nicht eingelassen, welche sich nur an das künstlerisch Bewährte hielt,

aber freilich ebenso begierig nach dem sich bewährenden Neuen griff.

Wo wäre nun die Probestätte der ersten Leistungen der neuen

Kunstart? Höchst wahrscheinlich in der Cappella Pazzi, diesem ersten

Probe- und Modellbau der neugeborenen Renaissance-Architektur (begonnen

um 1420). Luca della Robbia stellte sich da dem großen Bau-Reformator

Brunellesco zur Verfügung, und verlieh der ersten jungfräulichen Schöpfung

 defrinascita den Jungfernschmuck aus seiner Werkstatt- sowohl in

decorativer wie in plastischer Ausstattung. Von ihm und seinen Gesellen

stammt die Cassettenzierde in glasirter Terracotta in der Tonnenwölbung

der Vorhalle; ebenso die Decoration der Vorkuppel aus tellerartigen,

vertieften Rosettenscbeiben, welche mit den abgerundeten Rändern zusammentretfen

 und mit ihren rothbraunen und grünen Farbentönen im

Sonnenlichte den Eingang des kleinen Heiligthums gefällig überschimmern.

Aber auch beseelten Inhalt bringt die Werkstatt Luca's hinzu. Aus der

Lunette über der Tbür blickt die Gestalt Gottvaters herab; die Medaillons

in den Zwickeln der inneren Kuppel enthalten die vier Evangelisten in

colorirten Reliefs; dazu kommen an den Wänden des Capellenraumes

die zwölf Apostel, weiß auf blauem Grund. Auch später noch stellten

Luca della Robbia und die Seinigen die neu errungene Technik in den
            
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