Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 3)

321

der anderen einen hohen Stab haltend - steht ein schöner Knabe mit

hoch aufgerichteten Flügeln. A. Mau deutet die Gruppe sinnvoll auf

Aphrodite, Peitho und Eros; ich glaube in ihr abermals nur eine Verherrlichung

 der Herrin, gleichsam das Idealbild ihrer Toilette zu erblicken

 - und wenn sich dieselbe im Bilde mit der Göttin selbst identificirt

 hätte, so war dies nach römischen Begriffen nichts Ungewöhnliches.

In den äußeren Seitenfeldern stehen abermals jene schlank aufgeschossenen,

 weiblichen Figuren über Knollengewächsen und Blumensternen,

 wie wir sie wiederholt in diesen Räumen gefunden haben. Es

sind die wfleurs animeesn der hellenistischen Ornamentpoesie. Hier ist

das ornamentale Bild durch je zwei Panther bereichert, die aus seitlichen

Blumenkelchen emporwachsen, und von der Mittelfigur links aus Pateren,

rechts aus Rhytons getränkt werden. In der Haltung der Arme, in der

Bewegung der Thiere, zeigt sich in den beiden Motiven die schönste

eurhythmische Contrastwirkung; aus der phantastischen Kopfbedeckung

der Frauengestalten sprießt noch einmal die ornamentale Triebkraft nach

aufwärts. - In der Attica darüber, treffen wir wieder auf jene Schlafgemachscenen,

 die früher im Zusammenhang besprochen wurden.

Eigenartig ist aber hier ihre Fassung durch offene Laden, die an

leichte Randstäbe angesetzt und zu beiden Seiten aufgeschlagen erscheinen.

Zwischendurch finden wir in derselben Reihe, aber in anderer Einrahmung

(nächst der großen Mittelnische) zwei Bilder, die sich auf Poesie und

theatralische Darstellung beziehen: ein Schauspieler, welcher zwei

Frauen seine Maske- zeigt, die sich darüber zu verwundern scheinen;

dann abermals ein Schauspieler, der pathetisch declamirend vor dem

Dichter Probe spielt, indess eine Frau hinten die Kithara stimmt. (A. a. O.

vol. XII. tav. XXII. z. 3.)

Von der obersten Wandpartie der Längswand des Zimmers 2

gilt das schon vordem Bemerkte - nur mit einer kleinen Modification.

Die Randstücke zu beiden Seiten mit ihren Ornamentrahrnen stellen sich

einfach als Fortführung der unteren Wände nach aufwärts dar; dagegen

eröffnet sich gegen die Mitte hin ein Ausblick mit Säulenprospecten, so

dass man hier, dem malerischen Eindruck nach, eine weiter zurückgestellte,

überragende Hinterwand anzunehmen hat.

Von diesem schönsten Zimmer des Farnesinahauses hat sich außerdem

 eine Decoration an der Eingangsseite erhalten. (Mon. ined. vol.

XII. tav. XXV. rechts.) Den Rest nahm die Thür ein; die Oberwand

über dieser ist nicht mehr vorhanden. Der Decorator schlägt da eine

andere Melodie an, nachdem er die frühere ausreichend variirt hat. Sockelornamente,

 Feldereinfassungen, Bindegliederungen, dies Alles zeigt die

zarteste Detaillirung; eine ganz eigene Specialität sind die beiden Zierquadrate

 der Attica mit Kreisen in Perleneinfassung darin, welche die

niedlichsten bediademten Maskenköpfchen enthalten.' Und nun noch ein

neues, reizendes Gebilde! Ein fein gestieltes, pocalförmiges Rundgestell
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.