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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 3)

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der anderen einen hohen Stab haltend - steht ein schöner Knabe mit 
hoch aufgerichteten Flügeln. A. Mau deutet die Gruppe sinnvoll auf 
Aphrodite, Peitho und Eros; ich glaube in ihr abermals nur eine Ver- 
herrlichung der Herrin, gleichsam das Idealbild ihrer Toilette zu er- 
blicken - und wenn sich dieselbe im Bilde mit der Göttin selbst identi- 
ficirt hätte, so war dies nach römischen Begriffen nichts Ungewöhnliches. 
In den äußeren Seitenfeldern stehen abermals jene schlank auf- 
geschossenen, weiblichen Figuren über Knollengewächsen und Blumen- 
sternen, wie wir sie wiederholt in diesen Räumen gefunden haben. Es 
sind die wfleurs animeesn der hellenistischen Ornamentpoesie. Hier ist 
das ornamentale Bild durch je zwei Panther bereichert, die aus seitlichen 
Blumenkelchen emporwachsen, und von der Mittelfigur links aus Pateren, 
rechts aus Rhytons getränkt werden. In der Haltung der Arme, in der 
Bewegung der Thiere, zeigt sich in den beiden Motiven die schönste 
eurhythmische Contrastwirkung; aus der phantastischen Kopfbedeckung 
der Frauengestalten sprießt noch einmal die ornamentale Triebkraft nach 
aufwärts. - In der Attica darüber, treffen wir wieder auf jene Schlaf- 
gemachscenen, die früher im Zusammenhang besprochen wurden. 
Eigenartig ist aber hier ihre Fassung durch offene Laden, die an 
leichte Randstäbe angesetzt und zu beiden Seiten aufgeschlagen erscheinen. 
Zwischendurch finden wir in derselben Reihe, aber in anderer Einrahmung 
(nächst der großen Mittelnische) zwei Bilder, die sich auf Poesie und 
theatralische Darstellung beziehen: ein Schauspieler, welcher zwei 
Frauen seine Maske- zeigt, die sich darüber zu verwundern scheinen; 
dann abermals ein Schauspieler, der pathetisch declamirend vor dem 
Dichter Probe spielt, indess eine Frau hinten die Kithara stimmt. (A. a. O. 
vol. XII. tav. XXII. z. 3.) 
Von der obersten Wandpartie der Längswand des Zimmers 2 
gilt das schon vordem Bemerkte - nur mit einer kleinen Modification. 
Die Randstücke zu beiden Seiten mit ihren Ornamentrahrnen stellen sich 
einfach als Fortführung der unteren Wände nach aufwärts dar; dagegen 
eröffnet sich gegen die Mitte hin ein Ausblick mit Säulenprospecten, so 
dass man hier, dem malerischen Eindruck nach, eine weiter zurückgestellte, 
überragende Hinterwand anzunehmen hat. 
Von diesem schönsten Zimmer des Farnesinahauses hat sich außer- 
dem eine Decoration an der Eingangsseite erhalten. (Mon. ined. vol. 
XII. tav. XXV. rechts.) Den Rest nahm die Thür ein; die Oberwand 
über dieser ist nicht mehr vorhanden. Der Decorator schlägt da eine 
andere Melodie an, nachdem er die frühere ausreichend variirt hat. Sockel- 
ornamente, Feldereinfassungen, Bindegliederungen, dies Alles zeigt die 
zarteste Detaillirung; eine ganz eigene Specialität sind die beiden Zier- 
quadrate der Attica mit Kreisen in Perleneinfassung darin, welche die 
niedlichsten bediademten Maskenköpfchen enthalten.' Und nun noch ein 
neues, reizendes Gebilde! Ein fein gestieltes, pocalförmiges Rundgestell
	        

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