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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 3)

stehen auf schlanken, äußerst zierlichen Gestellen in der Form von

Doppelbechern, unten cannelirt, oben umblättert, ein Motiv, das auch an

der palatinischen Tablinumswand vorkommt. Ueber den Candelabern

bilden sich - dem Fries und Gesims entsprechend - halbrunde, kräftig

geränderte Ausladungen, als Gestelle für die Figuren der Oberwand,

welche sich als Karyatiden an die Ecken des oberwärts aufgesetzten

Säulenbaues mit geschwungenem Gebälke stellen. ln der Attica finden

wir wieder die bekannten Schlafgemachscenen und abermals die aufgeschlagenen

 Laden an den aus Stäben zusamrnengefügten Rahmen. Zu

äußerst am Rand kleinerer Bilder: geflügelte Kinder, die auf Vögel jagen.

Die folgende weiße Wand, die zunächst unser Interesse erregt (Mon.

ined. vol. XII. tav. XXIV), ist eine der vollendetsten decorativen Compositionen

 des Farnesinischen Hauses '). Sehr schön baut sich vor

Allem die mittlere Aedicula auf. Das Blatthülsenmotiv an den Säulen,

wieder in neuer Spielart behandelt, ist von einem feinen Perlenband

unterfasst; die innere Bogenüberspannnng des unkenntlich gewordenen

Mittelbildes wird von dem schönsten ornamentalen Saum garnirt. Ueber

dem Tabernakelbau bildet sich ein Ziergiebel von prächtiger Erfindung,

völlig verwandt dem entsprechenden Motiv der mehrfach erwähnten

palatinischen Tablinumswand. (Vergl. Mon. ined. vol. XI. tav. XXll.)

An den Ecken sitzen, nach auswärts schauend, geflügelte Sphinxe; aus

ihren Köpfchen sprießen leichte Blattkelche und Blüthenstengel bis zum

obersten Gesims hinan. Aus den Schwänzen der Sphinxleiber entwickeln

sich unmittelbar die schön geschwungenen Giebelschenkel, die Mitte

darunter nimmt ein bekriinzter, jugendlicher Bacchuskopf ein. - Von

der angeblich äußeren Abtheilung der Längswand von Zimmer 5 weist

ferner die Tafel XXV der Monumenti inediti (links) ein nicht minder

interessantes Probestlick auf. Hier beginnt bereits die Alleinherrschaft

der Candelaberstäbe, die an den vorher besprochenen Diecorationen

nur erst untergeordnet, neben den Säulen auftraten. Und demgemäß

geht der ganze decorative Formentrieb fortan in's gefällig Leichte und

Schlanke. Wir haben hier abermals den doppelten Sockel. lm

unteren Sockelband tritt ein leicht hingezeichneter Mäander auf mit dazwischen

 gestellten Rosetten; im oberen Sockel aber meldet sich als

neuer Gedanke ein Stück Miniaturplastik der anmuthigsten Art. Kleine

Stützfigürchen sind unter den Candelaberstäben placirt, eine von

') A. Mau bezeichnet sie als eine der Seitenwände des lnnenraumes. Dies

befremdet uns insofern. als wir in den Cabineten z und 4 die entsprechenden seitlichen

Alkovenwande in der Decoration mehr subordinirt behandelt finden, ohne das große

Bild in der Mitte; die in Rede stehende Wand hat aber vermüge ihrer Architektonik-und

des pompös eingefassten Mittelbildes völlig den Charakter eines Hauptprospectes, in ganz

ahnlicher Weise wie die Schmalwande tav. XVll und XVlll. Ich weiß nicht, ob nach

dem Ausgrabungsbefund die Stellung der fraglichen Wand mit Sicherheit zu bestimmen

ist, sonst wlre es wahrscheinlicher, dass sie als hinterer Abschluss einem der nächst

belegenen (nicht numerirten) Cabinete angehörte.
            
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