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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 3)

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ihnen sitzt, oder kauert vielmehr: die andere einfüßig, auf der bereits 
bekannten Vogelklaue, spielt die Syrinx. Die fein urnsäumten weißen 
Wandspiegel enthalten übrigens in ihrer Mitte aufrechte Einzelfiguren, 
von leicht linirten Quadraten eingefasst, ohne die sonst übliche Um- 
rahmung. Es ist dies bereits der Uebergang zu der pompejanischen 
Weise, Figuren in der Wandmitte anzubringen. - - 
So ergibt sich denn aus unserer bisherigen Wahrnehmung, dass in 
der Casa Farnesina der größte Aufwand der Decoration gerade auf die 
Schlafcabinete verwendet worden sei; auch ist die Häufung derselben 
an dieser Stelle bemerkenswerth, die wohl jenseits, in der nicht aus- 
gegrabenen Partie des Hauses ihr Gegenbild gefunden haben dürfte. Die 
Beengung dieser so köstlich geschmückten Boudoirs darf uns nicht weiters 
befremden; auch müssen wir uns stets gegenwärtig halten, dass der 
antike Begriff von Comfort ein anderer war, als der moderne. Die 
Kleinräumigkeit der einzelnen Wohnräume wurde durch die Viel- 
räumigkeit der ganzen Anlage und die Größe der Centralräume aufge- 
wogen; überdies diente eine jede Piece nur einem bestimmten Benützungs- 
zweck, was auch die Mobiliarfrage wesentlich vereinfacht und auf ein 
klares System zurückgeführt haben mag. Die Cabinete 2, 4. und 5 werden 
kaum ein anderes Mobiliar gehabt haben, als jehes, wie wir es in den 
früher besprochenen Schlafgemachsbildern bezeichnet finden; das 
Bett, welches in der inneren Abtheilung querüber stand, zur Seite ein 
rundes Tischchen auf drei schlankgebildeten Thierfüßen mit Klauen, 
darauf ein Waschbecken oder ein Salbgefäß, auch eine Oenochoä mit 
einem Becher für den Schlaftrunk. (Siehe Mon. ined. vol. XII. tav. XIII; 
vergl. dazu tav. XXlll und XXVll, 2, 5.) Die Stellung des Bettes mit 
Kopfseite und Fußende war in den beschriebenen Cabineten jedenfalls 
durch die beiden seitlichen Nischen der inneren Abtheilung markirt, 
welche im Zimmer 2 und 4 nur Rankengebilde und Ornamentfiguren 
enthielten und sich so dem Bildtabernakel im Fond unterordneten. Hinter 
dem Bett blieb in dieser Weise noch ein angemessener Zwischenraum, 
um die schönen Sockelmotive der Hinterwand dem Blicke nicht zu ent- 
ziehen. 
i? 
Nun erst wenden wir uns dem größeren, in der Grundfarbe schwarzen 
Zimmer 3 zu, welches einen Systemwechsel der decorativen Architektonik 
ausdrücklich bezeichnet: die Säulen-Aeclicula , die Charakteristik der 
Mitte ist abgethan - wir sind beim nCandelaberstils (nach der 
treffend charakterisirenden Bezeichnung A. Man's) angelangt, und an 
die Stelle der Concentration der Bildwirkung ist die Ausbreitung der- 
selben in einem rings umlaufenden Fries getreten '). 
') Siehe in den nMonumenli inedilil vol. XI die farbige Tafel XLlV, daiu die 
Detailbläuer für den Pries: XLV-XLVlll. - Der Architekt Adolf Ginzel, dem ich
	        

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