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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 3)

ülö

Farnesina gestattete sich der Decorator nicht die geringste Reduction der

wesentlich baulichen Gliederungen; er nahm nur die möglichst subtile,

verfeinernd zarte Behandlung derselben als sein gutes Decorationsrecht

in Anspruch. Auch bei der äußersten Verkleinerung bewahrt eine jede

der Gliederungen ihren vollen architektonischen Formenwerth.

Das Tabernakel wird an dieser Stelle zu einer förmlichen Aedicula,

und dies durch die volle Entwickelung des Giebels. Trotzdem ist der

Architektureindruck der Giebelform lediglich aus ornamentalen Mitteln

bestritten. Pantherartige Fabelthiere an den Ecken, an deren Rücken sich

Putten mit Thyrsusstäben hinlehnen, bilden die Seiten-Akroterien. Die

Schweife jener Thiere verwandeln sich dann direct in die schrägen Giebel-Schenkel,

 welche die Form von cannelirten Stengeln annehmen. Zu oberst

bilden sich die letzteren abermals um und gehen in ein beiderseits sich

ausschwingendes, ornamentales Geranke über, das die Stelle der Giebelblume

 vertritt; in der schneidigen Gegenbewegung der Ranken kündigt

sich ein echt hellenistischer Rhythmus an. Eine bekleidete Frauengestalt,

nur auf eine Thierklaue gestellt, überschwebt zuletzt mit ausgebreiteten

Schwingen den Wipfel des bekrönenden Ornaments.

Die Gesimse der rothen Wandspiegel gehen in der bekannten Weise

hinter den Säulen des Aedicula hin, als ein lichtes Band sich durchziehend,

 und tragen da ein mit Ornarnentspitzen besetztes Bogensegment

 als inneren Rahmenabschluss des Mittelbildes. Dieses -

unter den Wandgemälden des Farnesina-Hauses eines der schönsten -

stellt die Pflege des Bacchuskindes dar. (Vergl. vol. XII. tav.XX.) Rechts

auf einem Felsblock sitzt die Pflegerin, mit liebender Sorgfalt sich zu

dem kleinen Gotte auf ihrem Schoße neigend; sie scheint den Kranz

von Weinlaub auf seinem Köpfchen zu richten. Nebenan lehnt an der

Mauer der Thyrsusstab. Zwei Frauen in schön drapirten Gewändern

stehen nach rückwärts an einem Thore und sehen mit Antheil zu.

An den Wandsockeln zu beiden Seiten erscheinen abermals jene

halbrunden, korbartigen Ausladungen, wie an der Schmalseite

von Zimmer 4 (vergl. oben Fig. 2), mit ähnlicher, nur ein wenig variirter

Blätterbekleidung und darauf wieder über Thierklauen geflügelte weibliche

Gestalten als Bild träger. Beide Bildungen, die abgerundeten Postamente

und die Tragefiguren gehören zu den ornamentalen wLeitmotivenu des

Farnesinischen Hauses; die letzteren treten aber hier in einer auffälligen

Variante auf. An der Wand von Nr. 4 sind es noch richtige Metallgebilde;

über der Thierklaue der Ansatz einer Candelaberform, darauf (durch

Schnörkel vermittelt) erst die Tragefigürchen, die mit emporgehobenen

Händen, zunächst aber mit dem schneidigen Rand ihrer Bronzedügel die

Bildrahmen stützen. An der Wand, die wir jetzt betrachten, stehen die

weiblichen Figuren - bis zum Gürtel bekleidet - unmittelbar auf der

Pranke, und tragen mit den weit ausgestreckten Armen, nicht mit

den Flügeln. Sie sind nicht mehr so bronzemäßig aufgefasst, und Ge-
            
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