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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 4)

der Decorationsmaler offenbar eine selbständige Compositionsleistung geliefert.

 Ein Auftrag, eine Bestellung ungewöhnlicher Art trat an ihn

heran, für die er aus eigenen Mitteln Rath schaffen musste.

Gar auffallend ist außerdem der so nahe gerückte Contrast in dem

Bilderschmuck der Cabinete 2,4, 5 und des Salons 3. Jene waren wohl

für sehr intimen Gebrauch, für heimliche Stelldicheins bestimmt - der

letztere Raum war hingegen (wie wahrscheinlich anzunehmen ist) ein

Empfangs- und Sprechzimmer für den äußeren Verkehr. Das Bilderprogramm

 dort hat einen weichen, sinnlichen Charakter. Die Tabernakelbilder

 verherrlichen das "ewig Weiblichen im antiken Sinn; einzelne

Bilder nehmen auch auf die Kosmetik Bezug, sowie unter Anderem eine

köstliche Frauengestalt, welche mit feinster Geberde wohl ein duftendes

Oel aus einem größeren Gefäß in eine Ampulla träufeln lässt; die

Atticagemälde mit den zärtlichen Paaren, die am Bettrande kosend, die

Arme übereinanderlegend sitzen, schwatzen endlich das Geheimniss dieser

chambres separees unumwunden aus. Daneben finden sich Darstellungen,

die auf den Bacchuscult Bezug haben; Frauen spielen die Kithara,

Schauspieler agiren und zeigen ihre Masken vor. Wir befinden uns im

Bereich der Sinnenlust, des musikalischen Zaubers und der theatralischen

Anregung. Und inmitten der ernste, schwarze Salon mit der fast drohenden

 lllustratiou gerichtlicher Scenen. Es lässt sich mancherlei dabei

denken Wollust und Schrecken wohnten aber nachbarlich in dem Zeitalter

 des augusteischen Hauses nebeneinander.

Die Decoration des nur theilweise ausgegrabenen, halbkreisförmigen

 Corridors (Nr. 6 des Planes) ist zunächst jener des jetzt

besprochenen Salons verwandt'). Hier ist jedoch der Grund weiß; auch

fehlen die contourirten Landschaften in den Wandspiegeln, finden aber

dafür im Hochfries ihre Stelle. Eine Besonderheit sind die leichten

Rankengebilde unter den Verkröpfungen der Sockelplatte; darauf stehen

die schlanken, candelaberartigen Stäbe, unten mit den herkömmlichen

Blatthülsen, im oberen Theile der Wandspiegel mit becherförmigen Gestellen

 für weibliche Figuren, die auf ihren Köpfen wieder leichte Stabsäulchen

 für die Theilung des hohen Atticafrieses tragen. Die zierlichen

Guirlanden, welche sie in anmuthig wechselnden Stellungen halten, sind

das passeudste, heiter wirkende Decorationsmotiv für eine umkreisende

Wand. Der Hochfries zu oberst enthält eine mit Staffage belebte Landschaft

 in der Mitte, Masken und andere Gegenstände in willkürlicher

Grnppirung zu beiden Seiten. -

Wir haben zuletzt noch einen Blick in den langen Kryptoport i cus

(Mon. ined. vol. Xll. tav. XXVIII.) zu werfen, der am entgegengesetzten

Ende der Ausgrabungsstätte liegt. Die Hauptmotive der Säulendisposition,

wie sie in den Zimmern 2 und 4 in kleinerem Maßstab, aber mit reichster

') Man. ined. vul. XII, tnv. V.
            
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