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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 4)

So hätten wir genaue Umschau in dem Kreis der Motive, in der

kleinen, aber reichen Formenwelt gehalten, die an den Wänden dieser

nun wieder zugeschütteten Räume ihre wechselvollen Reize ausbreitete.

Da dieselbe jedoch bei allem Wechsel zugleich gesetzmäßig und organisch

erscheint, hielt ich es für unerlässlich, auf die Elemente und Ausdrucksmittel

 der decorativen Cumposition in diesem Fall prüfend und zergliedernd

 einzugehen. Bezüglich des Farbensystems mögen folgende Andeutungen

 genügen.

Der bestimmende Grundton ist allenthalben in der Färbung der

unteren Wandflächen angeschlagen; von da aus bedingt sich theils

in Contrastwirkungen, theils in vermittelnden, leiseren Uebergängen die

Farbenscala für die Säulen und Pilaster, die gliedernden Bänder, die

Gesimse und Zierfriese; die feinen Ornamentsäume - mit dem Pinsel

mehr hingezeichnet als gemalt -- legen sich dazwischen in zart vibrirenden

 Linienbewegungen; ganz oben hinan wird es hell und heller,

gleich gemaltem Oberlicht. Das Zinnoberroth der Cabinete 2 und 4,

welche uns wegen ihres decorativen Gehaltes zunächst beschäftigten, ist

von einer eigenartigen Haltung des Tons, sonst nicht specil-isch für diese

etwas vorlaute Farbe. Die Decoratoren grundirten hier wohl schwarz

und legten dann das Roth darüber. Es wurde durch die dunkle Unterlage

 nicht abgestumpft, nur beruhigt, und bekam einen vornehmeren

Charakter. (Vielleicht war dieser Vorgang auch durch die technische

Schwierigkeit des gleichmäßigen Auftrages mit veranlasst.) In der Folgezeit

 der pompejanischen Wandmalerei hat man diese Kunst, die in Flächen

angelegten Farben zu adeln, wieder theilweise vergessen. Sie stellen sich

abermals in ihrer Naturunart neben einander und schreien oft eine in

die andere hinein, ganz papageienhaft.

ln dem farnesinischen Haus ist dies auch sehr bemerkenswerth, wie

sich aus der Hauptfarbe der Wand heraus der coloristische Accord in die

Details, sogar in das Colorit der Bilder hinein harmonisch zerlegt, und

all' dies Einzelne wieder in das Unisono der Haupttönung zurückgeht.

Außer dem Roth der beiden vielbesprochenen Cabinete treffen wir ein

(allerdings zweifelhaftes) Hochgelb im Zimmer 5 an, dann ein reines Weiß

ebendaselbst, und weiter in dem Bruchsück des umkreisenden Corridors 6

und in dem Kryptoporticus t. Aber auch dieses Weiß ist keine leere

Tünche, sondern eine Charakterfarbe, entweder ein Weiß mit Elfenbeinschimmer,

 oder in ein zartes Lichtgrau spielend. Es bedingt wieder nach

dem Gesetz der Farbenharmonie eine hellere Stimmung für die Coloristik

 der formalen Details. Die srnaragdgrünen Säulenschäfte im Kryptoporticus

 sind dadurch völlig motivirt. Und im schärfsten Gegensatz dazu

steht das tiefe Schwarz in Zimmer 3. All" dasjenige, was das Ornament,

die Gliederung, das Bildliche an Detailfarbe braucht. steigt hier nicht

minder überraschend aus dem Dunkel der Grundfarbe heraus, um wieder

einstimmend mit ihr zusammen zu klingen. Wie weich geht das saftige
            
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