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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 4)

gewandten Zeit, oder nach dem Material, in welchem der Gegenstand

ausgeführt werden soll, wünsche. Und würde nicht jeder Versuch einer

solchen Regelung Klagen über bureaukratische Bevormundung hervorrufen?

Zum Schlusse wollte der Redner zeigen, ndass den leitenden Personen

an diesem Museum die Existenzbedingungen dieses Museums und dessen

Aufgaben zum Theile aus dem Gedächtnisse gernthen sindu. Zu dem

Ende erzählte er, dass der Verein der Buchdruckerei-Factore zur Erinnerung

 an den Erfinder der Photo-Galvanographie, Paul Pretsch, eine

Bildnisstafel herzustellen beschlossen und eine zu diesem Zwecke gesammelte

 Surnme in die Casse des Oesterr. Museums niedergelegt habe.

wWenn Eitelberger am Leben geblieben wäreu, fuhr der Redner fort,

nwürde alle Aussicht vorhanden gewesen sein, dass dem Verlangen der

Petenten, der bescheidenen Gedenktafel in den Räumen des Museums ein

Heim zu bieten, wohl entsprochen worden wäre. Nach dern Tode des

Hofrathes Eitelberger hat sich jedoch das Ganze zerschlagen. Die Aufnahme

 einer Gedenktafel für einen österreichischen Erfinder in den

Räumen des Oesterr. Museums wurde von der Leitung dieses

Museums abgelehnt, und es bedurfte dann sogar noch jahrelanger

Bemühungen, um den für diesen Zweck gesammelten Fond wieder vom

Museum zurückzubekommen. Er ist erst nach Jahren in die Hände der

Eigenthümer gelangt, und man war nicht einmal so vorsichtig gewesen, ihn

diese Jahre hindurch fruchtbringend anzulegen, sondern man hat ihn in der

Musealcasse todt liegen lassen. so dass dem Fonde von circa 6000 H.

auch die Zinsen verloren gegangen sindm -

So Herr Wrabetz. In Wahrheit verhielt sich die Sache folgenderrnaBenZ

 '

lm Jahre 1878 sprach die Direction des Museums in Folge eines

Ansuchens des Factorenvereines ihre Bereitwilligkeit aus. die erwähnte

Gedenktafel im Museum aufzustellen, und genehmigte demnächst die

Aufbewahrung des gesammelten Geldes in der Museumscasse. Die Summe

-- allerdings nicht G000, sondern 240 fl. - wurde in Banknoten erlegt,

und selbstverständlich war das Museum in keiner Weise zu einer Convertirung

 befugt, geschweige verpflichtet, für die Verzinsung des Depots

Vorsorge zu treffen. Wohl aber stellte es dem Comite einen Entwurf

für die Votivrafel unentgeltlich zur Verfügung. lm weiteren Verlaufe

beanspruchte das Cornite die Einmauerung der Tafel, während Directorvon

 Eitelberger nur deren Anbringung irn Bibliothekssaale bewilligen zu

können glaubte. Hiervon wurde der (inzwischen verstorbene) lnspector

der Staatsdruckerei Lauter im Jahre 1882 verständigt, im Jahre 1884. aber

das Gremium der Buch-, Stein- und Kupferdrucker ausdrücklich darauf

aufmerksam gemacht, dass der Betrag von 24,0 H. noch immer in der

Museumscasse liege und jeden Augenblick übernommen werden könne.

Es ist mithin eine völlig aus der Luft gegrilfene Unterstellung, dass der

Ausfolgung des Betrages Schwierigkeiten seitens des Museums bereitet

worden seien. Dies Alles spielte sich unter der Direction des Hofrathes

von Eitelberger ab, und wenn das Depot erst 1886 erhoben wurde, so

hatte doch die neue Direction keine Gelegenheit mehr auf die Sache

Einfluss zu nehmen.

Diese actenmäßig feststehenden Daten würden Herrn Wrabetz ohne

Zweifel schon zur Kermtniss gebracht worden sein, wenn er, anstatt nach

üüchtigem Lesen der Festschrift zur Enthüllung der Gedenktafel eine

öffentliche Anklage wegen Anßerachtlassung wder Existenzbedingungen
            
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