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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 152)

ln den zu beiden Seiten jeder Loge eingerichteten Glaipuloen liegen Starnnibnclrer 
des l6. und 17. Jahrhunderts, mit Wappen, Costümbilderrr, Sirenen und Emblemhi; Hol- 
wsppienmaler Krahl, Stift Sauer Florian in Oberösterreich, die kais. Hofsanualungen, das 
Oesterr. Museum, der heraldlsche Verein w-Adler- und. eine Anzahl von Privaten sind 
die Aussteller. AntFsmilienehroniken sehen wir hier Kostbarkeiten ersten Ranges; so des 
Portralt- und Costumbuch der Grafen Emo Capodilisra in Padua, ein im Auftrage Sir. Exr. 
des Grafen Hans Wilczek gemaltes Facsimile der im Stadtmuseum zu Padua befindlichen 
Originalchronik der Familie seiner Gemalin; die spanischen Original-Adelsurkuiüen der 
Grafen Hoyos-Sprinzenstein und andere. An Siegelabgüssen hat die Ausstellung prachtvolle 
Serien aufzuweisen, und zwar aus den Brüsseler Archiven (vom Ministerium des lnnern zu 
Brüssel), die Collection des Marquese Filippo Rsifaeli in Fermo, aus den Privataarnmlungen 
der Herren A. Winkler, k. k. Rittmeister, H. Bergmann, k. k. Oberbaurath, A. Grenser, 
aus dem Oesterr. Museum (Sammlung v. Sava). Ori inalsiegel wurden ausgelegt von 
Dr. v. Harttnann-Frnnzenshuld u. A. ln den Fenstern angen Glasscheiben mit gemalten 
Wappen (Aussteller: Krahl und Prof. Dr. Vincent); die freien Raume sind besetzt von 
einem drehbaren Fächerknsten mit 32 doppelseitigen Glasrahmen, in denen noch zahl- 
reiche Wsppenblstter eingelegt worden sind, und einem Glastiscb mit eingelassenen 
Typaxui in verschiedenem Metall, einer Reihe von Ausstellern angehorig. Zu beiden 
Seiten der Thure in den nächsten Saal sind angebracht: rechts eine Gruppe italienischer 
Bilder, dem -Archivio Vallardi- in Mailand gehörig, das Portrait des Präsidenten der 
Aocademia Araldica ltaliana in Pisa, der Cavaliere Giambattista Crollalanzs, und des 
renommirtesten italienischen Heraldikers des vorigen Jahrhunderts, Conte Ginanni; links 
die aProbe einer heraldischen Bibliothekn, ein g Fuss hoher, 7 Fuss breiter, mit einem Netz 
vornher überzogener Bücherschrank, der die namhaftesten ältesten und neueren heraldisch- 
genealogiach-sphragisriscben Werke (so auch den -Alten- und den -Neuen Siebrnachen, 
letzterer im Verlage von Bauer und Raspe in Nürnberg und noch nicht ganz vollendet) 
enthält. Von den Erzeugnissen der neuesten Zeit sind hier namentlich auch die nieder- 
ländischen und italienischen Arbeiten über Heraldik und Genealogie, und die Publicationen 
der drei grossen heraldischen Vereine: des sAdlBra in Wien, des aHerolda in Berlin und 
der Accademia lraliana in Pisa aufzuführen. Ueber der Thor ist ein Luster des 15. Jahr- 
hunderts, Hirschgeweih rnit weiblicher Büste, welche zwei Wappen von Eichstadt tragt, 
aufgehlngt (R. v. Haidinger). 
Der nnstossende Saal, d. i. der Vorlesesaal des Museums, ist für die artistischen 
und kunstgewerblichen Gegenstände bestimmt; sie sind in eine Anzahl von Hauptgruppen 
geschieden, ohne dass jedoch hiebei allzu ängstlich verfahren worden ware; Keramik, 
Glas, Metall und Edelsteine, Holz und Bein, Textur und Leder sind in fünf langen Auf- 
satzklsten von Eisenconstruction mit Glaswänden untergebracht; der sechste beherbergt 
die orientalische Heraldik, insofern: sarazenische und japanische Wappen auf diversen 
Objecten erscheinen. An den Winden stehen drei vierrheilige Glasschranke von ungewohn- 
lichen Dimensionen, mit Teppichen, Heroldsrocken und japanischen Gewändern angefüllt. 
ln den Fensternischen sind theils schmale Glastische, theils breite Tische postirt; die 
ersteren dienen zur Aufbewahrung für kostbare Säbel (Se. Exc. Graf Zichy) und für die 
werthvollsten Vifsppenbücher, worunter das Sanct Christophorus-Bruderschafrsbuch vurn 
Arlherg und jenes des Baron Scheibler von Hülhoven in Aachen die eminentesten sind. 
Auch das famose Diplom des Herzogs von Ripperda im Besitze des Jonkher van Zwyns- 
bergen, k6n. niederländ. Obcrjagermeisters, ist hier ausgestellt. (Verkauliich) Auf den 
Tischen liegen Gypsabgüsse von zahlreichen Wappen aus dem Atelier des Herrn Stadt- 
baumeisters Wasserburger in Wien, und als Mittelstück ein steinernes Alliance-Wappen 
von vorzüglicher Ausführung: Dürr und Concin, Aussteller Baron Ludwigsdorf. - Dann 
eine Reihe von heraldischen Kacheln, eine Majolikagrotte mit dem Wappen Farnese, 
Herrn Thill gehörig; nebenan steht der imposante Ofen mit den Wappen der alten und 
jetzigen österreichischen Besitzungen und Länder, vom k. k. Hoffabrikanten Herrn Erndl 
dem Hoforatorium der Votivlrirche gewidmet und ursprünglich für die Pariser Weltaus- 
stellung bestimmt, dann aber der heraldischen Exposition überlassen. An passenden Pfei- 
lern befindliche schräge Vitrinen zeigen hcraldische Malereien auf Holz, wie ein Diptychon 
aus dem rß. Jahrhundert mit dem Wappen der Tiroler Familie Fieger, von Herrn v. Goldegg, 
Buchdeckel und runde Tischplatten, Briefbeschwerer u. dgl. moderne Arbeiten; sodann 
vom Herrn k. k. Universitäts-Professor Dr. Karabacek entworfene sarazenische Wappen- 
blatter, durch'welche auf das Schlagendste der Nachweis geliefert wird, dass viele 
unserer alten abendländischen Wappen, wie der österreichische Bindenschild, die fran- 
zösische Lilie, die Mailänder Schlange (Visconti), der Schrägbalken mit den Drachenkbpfen 
an den Enden (Hoyos und Villa-Secca) rein morgenländischen Ursprunges sind. An Möbel- 
stücken finden wir zwei Secretärkasten Sr. Erlaucht des Grafen Schonborn von ganz vor- 
züglicher Schonheit, der eine aus dem 17., der andere kleinere aus dern 18. Jahrhundert; 
einen Waschkasten aus dem I5. Säculum, Herrn Ritter v. Haidinger gehörig, sowie auch 
das oberhalb hängende bemalte Wappen der Nürnberger Patrizier Holzschuher snmmt
	        

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