Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 154)

grbsseren Kreis mit den Forschungsresultaten bekannt zu machen, immerhin willkommen

heissen müssen; ist es doch Aufgabe der Wissenschaft bestimmenden Einfluss auf das

Leben zu nehmen.

Diese Popularisirung bringt zwar auch hier die Gefahr mit sich, dass das angelesene

 kritische Unheil über ein Kunstwerk dem Genuss vorausgeht, ja denselben ersetzen

 muss, wie dies der Dichtung gegenüber schon langst der Fall ist, aber darf über

den Bildungsllunkerern der ernsthaft Erkenntniss Suchenden vergessen werden? - Die

Schöpfungen grosser Kunstepochen bedürfen keines Commentars, um genossen zu werden;

aber jene Werke, welche noch im harten Karnpfe der künstlerischen Intention mit dem

widerstrebenden, von der Technik noch nicht bemeisterten Stoff entstanden sind, fordern

die Kenntniss der Bedingungen, unter welchen sie wurden, um gerechte Würdigung zu

erfahren. Von diesem Standpunkte aus heissen wir die beiden Darstellungen der Geschichte

 der Malerei, die uns Woltmann und Lübke bieten, willkommen.

Woltmann hat sich ein weiteres Ziel gesteckt; er will eine universale Geschichte

der Malerei geben; dabei unternahm es Prof. Wormann die Geschichte der Malerei des

Alterthums zu bearbeiten. - Wörmahn hat sich mit seinem schönen Buche rDie Landschaft

 in der Kunst der alten Völker-i schon als vertraut mit dem ausgebreiteten, sehr angehauften

 archäologischen Material erwiesen; so darf man Vertrauen haben - und das

Vorliegende bekräftigt dies - dass er die übernommene Aufgabe mit Ehre losen wird.

Wilhelm Lübke, der bewahrte Verfasser kunstgeschichtlicher Handbücher, lasst es

sich an einer Darstellung der Geschichte der italienischen Malerei vom 4. bis i6. Jahrhundert

 genügen. Der erste Halbband führt die Darstellung von den ersten Anfangen

christlicher Malerei bis zur Schwelle der Renaissance. - Gewissenhafter Verwerthung

aller wichtigeren Arbeiten auf dem Gebiete der christlichen Archäologie und des bereits

zu Tage geförderten Urkundenmaterials für mittelalterliche und neuere Kunstgeschichte

begegnen wir allenthalben; dazu gesellen sich zwei weitere Vorzüge Lüblte's: pracise

Skizzirung der culturgeschichtlichen Gesammrphysiognomie des betreffenden Zeitraumes

und feines Gefühl Rir den Geist der deutschen Sprache.

Nur beilaufig mochte ich bemerken, dass unter den Meistern, welche den Uebergang

 von der giottesken Malerei zur Renaissance bilden, Bittino von Faenza genannt zu

werden verdient, dessen Meisterwerk sich in S. Giuliano in Rimini befindet (Dat. 1409).

Zu S. 208 bemerken wir, dass die Darstellung des Paradieses von Guariento im Dogenpalast

 nicht zerstört ward, sondern dass Tintoretto seine Riesenleinwand darüber spannte.

Abriss der Geschichte der Baustyle von Dr. Wilhelm Lübke. Vierte,

umgearb. und vermehrte Auflage. Mit 468 Holzschn. Leipzig 1878.

Das bekannte und langst gewürdigte Buch erhielt in der neuen Auflage als wesentliche

 Bereicherungen eine Einleitung und eine Anzahl neuer Holzschnitt-Illustrationen.

Die Einleitung behandelt die vorgeschichtlichen Denkmale der Stein- und Bronzezeit,

Waffen und Geräthe, Geflechte, Gewebe, Pfahlbauten, Schalen und Urnen der ältesten

Zeit aus Bronze und Thon, endlich die Schliemann'schen Funde von Mykena und die

ältesten Bauten in Griechenland. Dieser Einleitung folgt dann die Besprechung der einzelnen

 Style in derselben Anordnung und ohne wesentliche Bereicherung des Textes der

dritten Auflage. Eine Anzahl lllustrationen wurden ausgeschieden, dafür andere in reichlicher

 Zahl und zum Theil nach sehr grossem Maßstabe verzeichnet eingefügt. Hier ist

zuweilen des Guten zu viel und zu wenig geschehen; so steht, um ein Beispiel anzuziehen,

 der grnssen Bereicherung von griechischen Bekronungen (Stelen und Stirnziegel)

das Belassen der fehlerhaft gezeichneten und mangelhaft geschnittenen iunischen und

attisch-jonischen Ordnung (pag. ioo) störend gegenüber.

Das schatzenswerthe Buch hat durch das Uebermass von verschieden grossen und

verschieden behandelten Illustrationen ausserlich nicht gewonnen, wenn auch dem Schüler

dadurch das unerlässliche Nachschlagen grösserer Werke zum Theil erspart wird.

_ Bei der Behandlung des Textes der Renaissance, zumal soweit dies die nicht italienischen

 Versionen des Styles betrifft, durfte man in der neuen Auflage eine grossere

Verbreiterung erwarten. Wir glauben, dass die Berufung Lübke'_s in dessen iüngstern

Vorworte auf den pädagogischen Charakter des Buches das ungleiche Ausmass für die

Behandlung der spanischen, französischen, englischen und deutschen Renaissance auf zusammen

 19 Seiten gegen den Raum, welcher der prähistorischen Kunst auf 25 Seiten

eingeräumt wurde, nicht rechtfertigt.

Der Styl in den technischen und tektonischen Künsten oder praktische

Aesthetilt. Ein Handbuch für Techniker, Künstler und Kunstfreunde

von Prof. Dr. Gottfried Semper. Zweite durchgesehene Auflage.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.