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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 156)

cumentirt, das aber allerdings weit über die Grenzen der Volksschule

hinauszugehen scheint, da mitten unter den Zeichnungen das Bildniss

Richard Wagners sich befindet. Also auch hier, wie bei mehreren der

genannten Schulen macht sich nicht Mangel- an Eifer, sondern Uebereifer

bemerkbar. E. Ch.

Die moderne Kunstindustrie und die Renaissance.

Von J. v. Falke,

Als vor nunmehr fünfundzwanzig Jahren die Reformbestrebungen für

die Kunstindustrie und den Geschmack begannen, stand die Renaissance

durchaus nicht in Gunst und Gnade; sie erfreute sich sehr wenig Anerkennung

 von Seite der Architekten, gar keiner aber von Seite der Industrie.

 Der Kunststyl, wenn man diese Manier so nennen kann, welche

damals in den Schöpfungen der Industrie grassirte, war das abgelebte

Rococo und neben ihm ein roher Naturalismus, der es nur auf gedankenlose

 Copirung der zufälligen Erscheinungsformen in der Natur abgesehen

hatte; local fand auch noch die antike Weise ihre Anhänger, aber mehr

in der Architektur als in der Industrie. Wer, unzufrieden mit der Reizlosigkeit

 alles dessen, was damals geschaffen wurde, wirklich- künstlerische

Ziele in den Dingen des Geschmackes verfolgte, der wendete sich den

Stylarten des Mittelalters zu, vor allen der Gothik. Diejenigen aber, die

es thaten, waren doch mehr archäologische Gemiither, die in gelehrter

Befangenheit es weniger auf Schönheit als auf Stylrichtigkeit abgesehen

hatten; um die Erfüllung praktischer oder moderner Bedürfnisse kümmerten

 sie sich aber wenig oder gar nicht. Der Renaissance, die von den

Anderen mit völlig gleichgiltigen Augen betrachtet wurde, stellten sie sich

sogar feindlich gegenüber und datirten von Raphael an und mit Raphael

den Verfall der Kunst, ,

Und heute trägt fast alles Gute, das auf dem Gebiete der Kunstindustrie

 geschaffen wird, die Formen der Renaissance. Das Rococo ist

verschwunden, der Naturalismus gedämpft, die Gothik in den tiefsten

Hintergrund gedrückt und wo sonst das Griechenthum seinen Sitz hatte,

ertönt jetzt am lautesten das Wort für die Renaissance, ja man predigt

die deutsche Renaissance und betrachtet sie bereits als den nationalen Styl

der Zukunft. Wir können wohl fragen: Wie ist das gekommen und ist

das auch Alles so recht, wie es geschieht?

Wie das gekommen ist? Fast von selber, muss man sagen, ganz

unbeabsichtigter Weise. Diejenigen, welche die Bestrebungen für die

Reform des Geschmackes begannen, dachten zunächst nur daran, die BegrilTe

 von allen diesen Dingen zu reinigen, die falschen Vorstellungen und

Meinungen, die damals aller Orten herrschten, in ihrer Nichtigkeit und

Verwerflichkeit aufzudecken. An die Aufstellung eines bestimmten histo-
            
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