Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 157)

'72?

Bei der Besprechung der übrigen Gruppen der Ausstellung können

wir uns weit kürzer fassen, allerdings aus verschiedenen Gründen. Einmal

sind die meisten nach Qualität und Quantität weit geringer vertreten,

als die Holzschnitzerei und die Möbel, bei anderen braucht hier nicht

mehr viel zu ihrem Preise gesagt zu werden. Wir meinen mit letzterem

die Tiroler Glasmalereianstalt und Mosaikfabrik des Herrn Albert Neuhauser.

 Mit Arbeitskräften wie Director Jehle, Zeichner Schwarzenberger

 und Werkführer Gold ausgerüstet, ist dieselbe auf dem besten

Wege, sich einen Weltruf zu erringen, und was von dort eingeschickt

wurde: Fenster für l-leiligenkreuz und Mosaiken für die Votivkirche, ist

nicht viel, aber ausgesucht trelTlich. Die Idee des Herrn Gold, bei einem

stylisirten Fruchtbaume in einem Glasfenster zur Darstellung der Aepfel

Buzenscheiben zu benützen, ist jedenfalls neu und glücklich.

Zu den quantitativ am schwächsten vertretenen Industrien gehört zunächst

 die Goldschmiedekunst. Nur von Güllich 8t Dennig aus Bregenz

und von Klamer aus Innsbruck liegen Proben ihrer Leistungen vor; von

ersterem neben vieler Marktwaare auch einige sehr gut gearbeitete Medaillons

 mit gelungener Form und Zier, von letzterem sind aus vielem

Mittelrnässigen einige a jour-Fassungen hervorzuheben. Qualitativ schlimmer

 steht es mit den Industrien in unedlem Metall. In Eisen ist blos von

Köllensperger ein nach Art der Gitter in der Hofkirche zu Innsbruck

sehr gediegen in der alten Technik der Durchdringung gearbeitetes Oberlichtgitter,

 und von Kahr ein sehr cxact und rein ausgeführtes Schloss

mit geätztem Ornament zu sehen. Der Salzburg-Tiroler Montangesellschaft

ist es mindestens anzuerkennen, dass sie das Bestreben hat, den Eisenguss

von dem fabriksmässigen Nützlichkeitsprincip auf den Weg des Kunstbetriebes

 hinüber zu leiten. Aus der summarischen Verurtheilung ziemlich

 aller ausgestellten Bronzesachen ist blos das Schreibzeug auszunehmen,

das Unterberger nach der Zeichnung des Herrn Deininger ausgeführt

hat, ein neuer Beweis, dass es den Tiroler industriellen blos an guten

Vorlagen fehlt, um Gediegenes zu leisten. Von einer Ciselirung zeigen

nur wenige eine Spur, obwohl der Guss nicht gerade rein ist.

Das Gleiche gilt von den ausgestellten Glocken des Herrn Grasmeier,

 deren schöner Accord sich wohl recht gut mit einer halbwegs

sorgfältigen Ausarbeitung des Ornaments vertriige. Zum Glücke hat das

Oesterr. Museum in seinem Saale diesen Industriellen in den Arbeiten

der Ciselirschule, der Herren Hanusch und Lux so reiche und treffliche

Muster vor Augen gestellt, dass sie selbst zur richtigen Einsicht gelangen

müssen, wenn sie nur otIenen und der Belehrung zugänglichen Sinn

besitzen. Vielleicht kann ihnen noch einmal eine Specialausstellung in

diesem Fache nachhelfen. Von anderen Metallobiecten fallen noch riesige

Kannen und Kessel von Kupfer auf (das Theeservice der Frau Hütt

wurde es treffend genannt) und ein Blumenständer, der aber auch nur in
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.