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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 159)

Jemand gehört, dass dort in den Schulen ein irgendwie gearteter gewerblicher

 Unterricht ertheilt wird? Hat Jemand gehört, dass dort so grosse

Anstrengungen gemacht werden, wie es in Schwäbisch-Gmünd, in Pforzheim

 - den intelligenten Concurrenzstädten der Gablonzer Industrie-soeben

geschieht?) In Mondsee und in Hallstadt ist man erfreulicherweise schon

auf die Nothwendigkeit einer Verbindung der Volksschule mit der Fachschule

 aufmerksam geworden. Man macht dort schon ganz hübsche Versuche

 die Fachschule mit der Volksschule in angemessene Verbindung zu

bringen, und ich zweifle gar nicht, dass diese Frage in der nächsten Zeit

die Ministerien und die Schulbehörden ernstlich beschäftigen wird. Nur

muss man nicht immer vorzugsweise ideologische Unterrichtspolitik in

der Volksschule treiben, und den Staatsbürger und den Cosmopoliten

darin erziehen wollen. Für den gewerblichen Unterricht in der Volks-,

Bürger- und Mittelschule muss der Erwerb und die Erwerbsfähigkeit vor

Allem berücksichtigt werden. Und wenn schon in der Schule ein gewerblicher

 Unterricht gegeben wird, und es ist heutigen Tages, wo das Zunftwesen

 aufgehoben, die Gewerbefreiheit etablirt ist, dies unerlässlich, so

muss der gewerbliche Unterricht auch so ertheilt werden, dass er zum

Erwerb positiv anleitet. Es ist daher ganz unzweckmässig, wenn vorgeschlagen

 wird, die Arbeitszeit solle in jeder Ciasse höchstens wöchentlich

zwei Stunden sein; es ist unzweckmässig vielerlei Arten zu lehren und

keine ordentlich und keine gründlich, insbesondere dort, wo solche Schulen

sich in lndustriebezirken oder dort, wo Fachschulen sind, sich befinden.

im Unterricht muss alles Spielende und Dilettantische wegfallen, und es

muss schon in die Schule etwas von dem Ernste der Arbeit hineinkommen.

Das ist nach meiner unmassgeblichen Meinung unerlässlich, wenn von

irgend einem volkswirthschaftlichen Erfolge die Rede sein soll.

Wenn aber auch das System der gewerblichen Fachschulen sich noch

weiter entwickelt, wenn es möglich wird diese Fachschulen mit der Volksschule

 in eine angemessene Verbindung zu bringen, indem man eine

Arbeitsschule mit der Volksschule verbindet und wenn es endlich auch

möglich wird, an mehreren Volksschulen eine Arbeitsschule selbständig

zu organisiren, so muss vorzugsweise noch auf eine Schwierigkeit Rücksicht

 genommen werden, die nicht in der Schule liegt, sondern in einem

Theile des Publicums selbst. Es herrscht nämlich in einem Theile des

gewerblichen Publicums das Vorurtheil, dass ein Gewerbsmann am besten

thut, seinem Jungen einen höheren Grad von Bildung beizubringen, und

zwar eine solche, die ihn befähigen soll, sich der Beamtencarriere oder

der Gelehrtencarriere zu widmen, und dass es nicht anständig und gut

ist, das Kind bei dem Stande seines Vaters zu erhalten. Während in

Frankreich in den Familien die Gepfiogenheit herrscht, den intelligenteren

männlichen Nachwuchs für das Gewerbe zu erziehen, weil das Gewerbe

i") Siehe nMillhBilllllgCh des Ocsterr. Museums", Jahrgang 1878, Augustheft.
            
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