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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 159)

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Unheil die Schuld tragt. Da kommt nun das obengenannte Buch zu guter Stunde; in

seinem Titel ist der Inhalt ziemlich vollständig angedeutet. Der Verfasser belehrt uns

in seiner bekannten, streng wissenschaftlichen und doch sehr angenehmen Art darüber,

wie die hohe Entwicklung der französischen Kunst und Industrie und der resultirende

Wohlstand der betreffenden Gesellschaftsclassen das Ergebniss der ununterbrochenen Kunstund

 Gewerbepolitik der französischen Staatsmänner ist, die mit grossem Blick und zielbewusst

 die Zukunft ihres Volkes vorzubereiten wussten, vom 16. bis zum Anfange des

1 . Jahrhunderts. So weit führt uns der Autor in dem vorliegenden ersten Theile seines

ißerkes, dessen Hauptabschnitte in einem Ueberblicke die mittelalterlichen Culturverhaltnisse,

 hierauf die französische Renaissance, den Cnlbertismus, die Organisation der französischen

 Kunst von Staatswegen, die volkswirthschaftliche Bedeutung der exacten Wissenschaften

 und deren Verwendung für Zwecke der Kunstgewerbe beleuchten, Schliesslich

zieht er die Summe aus dem Vergleiche der französischen Verhältnisse mit den gleichzeitigen

 in Oesterreich und Deutschland, und die Nutzanwendung für unsere Zustande

springt von selbst in die Augen. Die Regierung kann sich der Ueberzeugung freuen,

dass der von ihr zur Hebung der Geschmacksbildung und der Industrie durch Museen

und Schulen eingeschlagene Weg wenigstens ein guter Anfang ist; unsere Communen

mögen sich an der thatigen Mithilfe, welche französische Private und Städte durch Gründung

 selbständiger Institute den Absichten der Regierung _entgegenbrachten, ein Vorbild

nehmen und das grössere Publicum möge aus der vorliegenden historischen Darlegung

neuerdings die Einsicht schöpfen, dass bei culturpolitischen Unternehmungen die Früchte

nicht über Nacht reifen. Wir sehen dem zweiten Theile des Werkes, welcher die Gegenwart

 behandeln wird, mit um so grösserem Vergnügen entgegen, als der Verfasser

auch hiezu wie zu dem ersten Theile das Materiale mit ausserordentlicher Mühe und

Sorgfalt in Frankreich selbst gesammelt hat.

Dr. Hub. Janitschek: "Die Gesellschaft der Renaissance in Italien und

die Kunst: Stuttgart, Spemann, 187g. 8.

In der vorliegenden Brochure erfreut der Verfasser das kunstliebende Publicum

mit der Veröffentlichung der vier Vortrage, welche er im verflossenen Jahre im Oesterr.

Museum gehalten hat. Sie sind daher ihrem Hauptinhalte nach unseren Lesern bereits

bekannt. Da sie aber neu bearbeitet mit eingehenden Anmerkungen versehen sind, erscheinen

 sie gewissermassen wie ein neues Werk, das auch für streng wissenschaftliche

Zwecke einen bleibenden Werth behalten wird. Sie enthalten eine Fülle von Nachweisen,

welche Niemand, der sich ernsthaft mit der Geschichte der Renaissance beschäftigt, wird

ungestraft ignoriren dürfen. Sie zeigen die umfassende Belesenheit des Verfassers auf

diesem Gebiete. Die Vorrede motivirt die Umarbeitung der Vorlesungen und das Verhaltniss

 des Buches zu den Arbeiten G. Voigt's und J. Burckhardfs über das Renaissancezeitalter.



M. Eugene Müntiz: Les Arts de la Cour des Papes pendant le XV"

et le XVIC Siecle. Recueil de Docutnents inedits. Premiere Partie:

Martin V., Pie Il. 1417-1464. Paris, Emest Thorin, Editeur.

Bei der Besetzung Roms durch den König von Italien kam mit der Engelsburg

zugleich ein Theil des päpstlichen Archivs, und zwar die Finanzabtheilung in den Besitz

des italienischen Staates, Kaum war dasselbe dem römischen Staatsarchiv einverleibt, als

auch sofort die ungeheuere Wichtigkeit dieser Abtheilung für alle Disciplinen der Geschichte

 erkannt wurde. Und vor Allem für die Cultur- und Kunstgeschichte - wenn

man auch leider schnell die Wahrnehmung machte, dass gerade die Rechnungsbücher

der grossen Renaissancepabste, wie Julius ll. und Leo X., mangelten. Engen Muntz war

einer der Ersten, welcher die Durchforschung dieser Abtheilung des römischen Staatsarchivs

 für kunstgeschichtliche Zwecke unternahm; neben ihm A. Rossi, der mit eifersüchtiger

 Eile seine "Spogli Vaticaniw im "Giornale di Erudizione Artistica- publicirt. -

Von Engen Müntz liegt der erste Band des auf zwei Bande geplanten, geordneten Sammelwerkes

 vor, welches uns die Geschichte der Renaissancekunst in Rom in der knappen,

trockenen, aber widerspruchsfreien Art von Auszügen aus Rechnungsbuchern vorführen

soll. Der erste Band behandelt die Geschichte der Kunst in Rom unter den Papsten:

Martin V., Engen IV., Nikolaus V., Pius Il.

Der Herausgeber zeigt sich dem Stoffe gegenüber fast zu schweigsam; eine Vorrede,

eine Einleitung, die über Plan und Absicht orientirte, gibt er vorläufig gar nicht; die zusammengestellten

 Daten werden mit kurzen PraIiminar-Notizen eingeleitet. - Allerdings,

diese Daten sprechen energisch genug: sie sagen uns, dass die Kunstgeschichte Roms im

fünfzehnten Jahrhunderte durchaus neu zu schreiben ist (dazu fordert ia auch der zweite

Band von Milanesfs Ausgabe des Vasari eindringlich genug auf), werden doch durch die
            
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