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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 159)

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dern von eigentlichen Kunstwerken ganz entblösst sind. Aber es war wahrlich

 sehr gut, dass eine Veranlassung geboten wurde, Tirol über sich selbst

zu orientiren. Es wird jetzt klarer und zielbewusster seinen Aufgaben

gerecht werden können, die es in Zukunft zu lösen haben wird. Wie jung

gewisse Zweige der Industrie in Tirol noch sind, hat die Ausstellung bewiesen.

 Zum ersten Male kam ein Klavier zur Ausstellung, welches im

Lande selbst erzeugt wurde, zum ersten Male kam wieder nach langer

Zeit ein Ofen mit glasirten Kacheln zur Geltung! Wenn irgend eine Thatsache

 das Sinken des Kunstgewerbes bezeichnet, so ist es diese. Tirol

ist voll von schönen alten glasirten Oefen; es unterliegt keinem Zweifel,

dass diese Oefen, welche man in Tirol findet, mit ihrem reichen ornamentalen

 Schmuck und mit reizenden Emailfarben im Lande erzeugt

wurden; wahrscheinlich in Hall '). Wahre Prachtstücke sind im Schlosse

Ambras, das jetzt einer künstlerischen Wiedergeburt entgegen sieht. Die

Baugewerbe, die überall in der österreichischen Monarchie in lebhaftem

Aufschwunge sich befinden, haben in Tirol bisher nur in Herrn Hut er

einen Repräsentanten gefunden, der zum ersten Male die verschiedenen

Baugewerbe in einem grossen Etablissement zu Innsbruck vereint. Die '

Eisenindustrie in Jembach wagt sich erst jetzt an die Lösung künstlerischer

 Aufgaben. Die Kunsttischlerei hat einige gute Arbeiten unter dem

Einflusse der jungen gewerblichen _Zeichen- und Modellirschule geliefert,

die von dem Talente der Tiroler Tischler; Zeugniss geben. Sind diese

Anfänge einer lebhafteren industriellen Bewegung in hohem Grade bemerkenswerth

 und lehrreich, so gibt es aber auch einzelne Institute von

bereits bewährtem Rufe, wie z. B. die Glasmalereianstalt in Innsbruck

(geleitet von Dr. Jele), ein Institut, mit dem sich keine ähnliche Anstalt

im deutschen Reiche messen kann. Ihr schliesst sich würdig die Neuhausefsche

 Anstalt für Mosaik an.

Zwei Materialien sind es vor Allem, welche die Natur den Tirolern

in reichem Masse bietet und welche gewissermassen zu reicherer Nutzbarmachung

 auffordern, nämlich Stein und Holz. Diese beiden Materialien

können und sollen künftighin ergiebige Hilfsquellen des Landes werden.

Auf der Ausstellung war vorzugsweise Trientiner und Laaser Marmor

vertreten. Die Holzschnitzerei war durch die Schulen in St. Ulrich und lmst

und durch Arbeiten aus dem Grödener Thale vertreten. Der Trientiner

Marmor wird industriell am meisten verarbeitet und findet überall Eingang;

 die Marmorbrüche im Vintschgau und Sterziug hingegen, lassen

noch Vieles zu wünschen übrig. Es wäre wohl der Mühe werth, über die

Fundorte für Marmor und Porphyr genauere Nachforschungen anzustellen,

als dies bisher der Fall war und über die verschiedenen Steinarten rück-)')

 Die Beweise für diese Behauptung befinden sich jetzt im Oeslerr. Museum. Es

sind dies Ueberreste von Modeln und Kacheln aus einer Emailöfenfabrik aus dem 16. Jahrhundert,

 die sich in diesen Tagen in Hall gefunden haben.
            
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