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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 163)

die Ministerial-Referenten und andere Fachmänner zum Zwecke des Studiums

 der dortigen Zustände, Einrichtungen und Erfahrungen. Schon vor

drei Jahren begab sich eine solche Commission, vor zwei Jahren sodann

eine zweite nach Oesterreich; im Laufe des letzten Jahres wurde insbesondere

 Frankreich eingehend studirt.

Aus diesen sämmtlichen Vorbereitungen ist nun das Actionsprogramm

der Regierung hervorgegangen, welches in einer "Denkschrift über

das technische Unterrichtswesen" vor zwei Monaten niedergelegt

ward. Wie aus dem Titel zu entnehmen, befasst sich diese Denkschrift

überwiegend mit den Fragen des niederen, mittleren und hohen technischen

 Studiums; doch finden sich einige Stellen, aus welchen hervorgeht,

 dass auch der künstlerische Unterricht systematisch gepflegt und

entwickelt werden soll. Vor Allem wird die Reform des Zeichenunterrichts

 jetzt streng methodisch im gesammten Schulwesen durchgeführt,

das bezügliche Lehrmittel- und Lehrerbildungswesen geregelt, die Zahl

der Zeichenschulen vermehrt werden. Die Errichtung kunstgewerblicher

Fachschulen ist in Aussicht genommen, mit einigen bereits ein Versuch

gemacht. Die Verbindung kunstindustrieller Lehrwerkstätten mit derartigen

 Fachschulen soll nicht principiell ausgeschlossen sein. Doch spricht

sich die Denkschrift über diesen Punkt auffallend reservirt aus, und es ist

zwischen den Zeilen zu lesen, dass die in anderen Ländern gemachten

Beobachtungen nicht darnach angethan sind, zu sehr umfassender Action

nach dieser Richtung zu ermuntern, dass sich vielmehr grosse Vorsicht

bei der Schaffung solcher neuer Institutionen empfiehlt.

Den grössten Theil der Denkschrift nimmt, wie gesagt, die Auseinandersetzung

 des Actionsprogramms bezüglich des technischen Unterrichts

 ein. Wir können an dieser Stelle mit Rücksicht auf den fachlichen

Charakter der "Mittheilungen des Museums-i auf diese Probleme des technischen

 Bildungswesens nicht weiter eingehen; nur das Eine sei uns hervorzuheben

 gestattet, dass die Principien, nach denen die Baugewerkschulen

 und die gewerblichen Mittelschulen in Preussen geregelt

werden sollen, genau dieselben sind, welche vor einigen Jahren der österreichische

 Unterrichtsminister seinen analogen Organisationen zu Grunde

gelegt hat.

Ueberhaupt darfder Oesterreicher bei Betrachtung der ganzen jetzigen

Bewegung in Preussen mit einiger Genugthuung sich sagen, dass in Oesterreich

 schon um ein paar Jahre früher ähnliche Bestrebungen aufgetaucht

und selbst bis zur Legung vieler guter Grundfesten gewerblichen Bildungswesens

 gediehen sind. Aber in dies Gefühl der Genugthuung mischt

sich manche bange Erwägung, wenn man sieht, wie der ursprünglichen

Initiative keineswegs die nothwendige Consequenz und Beharrlichkeit gefolgt

 ist. In unserem gewerblichen Bildungswesen ist so Vieles noch

Fortsetzung auf der Beilage.
            
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