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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 169)

grossen Kunst absolut scheiden lässt und auch ehedem nicht geschieden

werden konnte, so habe ich wiederholt bei mehrfachen Anlässen zur Verdeutlichung

 dieses Satzes Beispiele angeführt, um aus den Analogien auf

dem Gebiete der grossen Kunst jene Nutzanwendung zu ziehen, die für

das moderne Kunsthandwerk in Betrachtung kommen. Ich habe dadurch

allerdings schwer gefehlt. Ich musste mir deshalb von dem anonymen

Wiener Correspondenten der "Augsburger allgemeinen Zeitungu, sowie

von einem Vertreter der Volksschule und von einem Vertreter der Bureaukratie,

 einen Verweis geben lassen, weil ich es versucht habe, Beispiele aus

früheren Jahrhunderten auf die erleuchtete Gegenwart anzuwenden.

Zu der von mir angeführten Behauptung, dass unsere Handwerker

und unsere Kunsthandwerker, sowie unsere Künstler viel zu spät zum

Gewerbe und viel zu spät zur Kunst kommen, meint Dr. Mag-her!

"Dass die Kinder nach absolvirter Volksschule zu spät zum Gewerbe

kommen, ist nach meiner Meinung. weder zu beweisen, noch zu bestreitenm

rEs ist weder das Eine richtig, noch das Anderem Ja, es ist zu beweisen,

dass es für die Kinder bei vielen Gewerben zu spät ist, wenn sie erst nach

zuriickgelegtem 14. Lebensjahre zum Handwerk kommen und zwar in ganz

bestimmter Weise und für einen grossen Kreis von Kunstgewerben. Eben

für einen grossen Kreis von Kunstgewerben können jene Fertigkeiten nicht

mehr erworben werden, die nüthig sind, einen geschickten Arbeiter heranzubilden,

 und das Kunsthandwerk selbst gut zu erlernen. Würden sich die

Herren im praktischen Gewerbeleben etwas genauer unterrichtet haben, so

hätten sie gewiss eine solche Behauptung nicht gemacht. Mit der Kunst

verhält es sich eben so; es, ist allerdings auch zu beweisen, dass grössere

Fortschritte in diesen Kunstgewerben gemacht worden wären, wenn die

Fertigkeiten, die zur Kunst unbedingt nöthig sind, schon in jungen Jahren

hätten erworben werden können.

"ich war seit dem Jahre 185i Docent der Kunstgeschichte an der

Wiener Akademie der bildenden Künste und habe da durch eine lange

Reihe von Jahren das Kunstleben mit der grössten Aufmerksamkeit verfolgt.

 Mehr als ein Vierteljahrhundert ist seit jener Zeit vorübergegangetl,

und ich hatte in dieser langen Zeit Gelegenheit, die Künstlerbildung

sehr genau zu beobachten, viel genauer als es diese Herren je im Stande

sein dürften. Meine in dieser Richtung gemachten Erfahrungen befinden

sich in Uebereinstimmung mit jenen der gewiegtesten Kenner und hervorragendsten

 Lehrer, und von allen fachkundigen Seiten wird mir bestätigt,

dass gewisse Mängel des heutigen kunstgewerblichen Lebens und auch der

grossen Kunst nicht der Artung des individuellen Talentes zuzuschreiben

sind, sondern bis zu hohem Grade dem Umstande, dass die jungen Leute

viel zu spät zur Erlernung jener Fertigkeiten kommen, welche für die Kunst

und das Kunsthandwerk nicht speciell Sache der genialen Begabung, sondern

 Sache des positiven Könnens_sind. Für unsere Kunsthandwerker und

für unsere Künstler ist es viel zu spät, wenn sie erst nach absolvirter
            
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