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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 169)

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Geschlecht gewohnt und eine Kunstthätigkeit geblüht hat, die nun ach!

seit Langem schon gänzlich erloschen scheint. Gearbeitet wird noch so

viel eben gerade das Leben bedarf, aber wo ist die Kunst geblieben?

Wenn man die Kirchen fragtfdie wenigstens ihren Schmuck an geschnitzten

Altären erhalten haben, so scheint etwa mit dem Anfange des 18. Jahrhunderts

 Alles zu Ende zu sein. Aufwärts kann man die gemeisselten

Grabsteine und besonders die Metallarbeiten, wie unseren Archäologen

männiglich bekannt, bis in das früheste Mittelalter verfolgen; herwärts

betrachtet, bieten selbst die zahlreichen Schnitzwerke des 17. Jahrhunderts,

von denen iede kleine Kirche Kunde gibt, obwohl sie im Style entarten,

immer noch 0b ihrer Geschicklichkeit, ihrer Bravour und Wirkung ein

grosses Interesse. Dann ist es auf einmal vorbei.

Wir wollen nicht den Ursachen nachgehen, durch welche die Kunstindustrie

 des österreichischen Gebirges zu Grunde gegangen ist, so sehr,

dass sie vergessen worden, aber wir können die Frage aufwerfen, ob es

nicht möglich ist, dem Lande diese blühende Kunstthätigkeit zurückzugeben

 und mit dieser schönen Thätigkeit zugleich Wohlstand, Bildung,

Menschlichkeit zu heben. Es sind ja die Enkel oder Urenkel derselben

Menschen, welche so vielseitig ihre geschickte Hand, ihre Kunstfähigkeit

erwiesen haben! Wenn die Geschicklichkeit selber erloschen ist, sollte

es im ganzen Stamme auch die Anlage sein, die ja doch unläugbar

eine Bevölkerung vor der anderen auszeichnet? Wir glauben nicht und

vermeinen vielmehr, es genüge ein Blick selbst in das kleinste Dorf, um

zu erkennen, dass ein Sinn für Schönheit, wie schwach auch der Funke

glüht, immer noch vorhanden ist. Jedes Haus ist malerisch. Fehlt die

Kunst, ist die Arbeit roh, so zieht die Hand die Natur herbei, das Haus

zu schmücken. Sie umkleidet es mit Weinranken, die doch nichts gewähren

in diesem nassen Klima als den hübschen Anblick, sie bestellt die kleinen

Fenster mit rothen Blumen und schafft so zugleich mit dem hellen Anstriche

 oder dem dunkelgebräunten Holze ein kleines Bild, das man überall

gleich malen und zeichnen möchte.

Freilich von selber kommt die Kunstindustrie nicht wieder, von selber

kommt der Segen nicht in das Haus und in das Land. Der Funke will

aus der Asche wieder geweckt sein; es kostet Arbeit, Mühe und Mittel,

ihn zur hellen, leuchtenden Flamme wieder anzufachen. Die Ueberzeugung,

dass dem so ist - es gibt heute keinen anderen Weg - hat schon einige

Fachschulen der Kunstindustrie hervorgerufen, die nicht ohne Nutzen an

ihrem Orte wirken. Aber es genügt nicht; es bedarf der Erweiterung, der

wieder- und wiederkehrenden Anregung, es bedarf der Vermittlung zwischen

dem Arbeiter und dem Abnehmer.

Diesem Zwecke soll zu ihrem bescheidenen Theile auch die Ausstellung

 zu lschl dienen, zu lschl, einem Orte, der auf den ersten Blick

befremdend erscheinen mag. Aber das Befremden wird verschwinden, wenn

wir die Sache ruhig überlegen. Wir befinden uns zu lschl an einem Mittel-
            
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