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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 171)

l-Iandwerksfamilie. Anfangs mögen beschränkende Gesetze mitgeholfen

haben; wir linden hier und da Andeutungen dieser Art, später war es

gewiss nicht mehr nöthig. Nicht leicht wird sich Jemand dem entziehen,

was den Kern seiner Existenz bildet, wohin ihn die Arbeit von Generationen

 stellt. Diese Einseitigkeit von Haus aus, die das technische Vermögen

 auf's Aeusserste steigert, freilich auch das geistige Element, die

Freiheit der Anschauung bornirt, ist das Lebensprincip der Kunstindustrie

Japans. Selbst die Malkunst wird zum Handwerk im, eigentlichen Sinne

des Wortes, das künstlerische Bewusstsein zum lnstinct der Hand.

Die erste Notiz über diese Industrie, aber noch nicht ihre äusserste

Grenze, findet sich in einem japanesischen Geschichtsbuche aus dem Jahre

180 vor unserer Zeitrechnung, in welchem von Lackmöbeln die Rede ist.

Aus dem dritten Jahrhundert n. Chr. sollen Gebetbuchschachteln datiren,

die noch gegenwärtig im Tempel von Todaiji in Nara verwahrt werden.

Ein Buch aus dem Jahre 380, Engishiki betitelt, erwähnt schon rothe und

Goldlacke. Ausser diesen führt ein Werk des folgenden Jahrhunderts,

Utsubo Monogatari, noch orangegelbe, mit Goldplättchen bestreute Lackarbeiten

 an, die unter dem Namen Nashiii berühmt waren. Und wenig

später, im Jahre 480, spricht eine bücherschreibende Japanesin auch bereits

von der neuen Erhndung der Perlrnutterincrustation. Damit hätten wir,

zu so früher Zeit schon, den ganzen Apparat beisammen, auf den im

wesentlichen noch heute die Lackdecoration sich beschränkt.

Nach einem längeren Stillstand während des kriegsreichen siebenten

und achten Jahrhunderts nimmt die Production von 910 an einen qualitativ

und quantitativ gleich bedeutenden Aufschwung. Die Lackarbeiten dieser

Zeit bis gegen die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts tragen den Namen

Jidai mono und sind besonders geschätzt. Der Export, bis 1859 allein in

den Händen der Holländer, war höchst unbedeutend. Erst mit der Oetinung

des Hafens von Yokohama gewinnt er grossartige Verhältnisse, erschüttert

aber zugleich, durch das stets wachsende europäische Bediirfniss, die bisher

unwandelbare Solidität der Production. Neuerdings nimmt sich die Regierung

 der gesunkenen Industrie an und es sollen die modernen Arbeiten

schon die besten alten an Schönheit übertrelien. Die vorzüglichsten Lacke

werden in den Städten Tokio, Kioto und Osoka erzeugt.

Die technologischen Ausführungen fügen im Ganzen nichts Neues

zu dem schon Bekannten. Einige kleine Abweichungen und Ergänzungen

seien in Kürze erwähnt. Der reine Firniss heisst Kuro me urushi, wird

als solcher aber nicht verwendet. Er verändert seinen Namen je nach der

Beimischung von pulverisirtem Schleifstein, Oel, Zinnober, rothem Eisenoxyd,

 Auripigment, lndigo etc.

Die Anwendung dieser verschiedenen Firnissarten, verbunden mit

der wechselnden Zahl der aufgetragenen Schichten und der mehr oder

weniger sorgfältigen Politur, bestimmt die Unterschiede der mannigfaltigen

Lackarten. Es werden ihrer zwölf aufgeführt. Die kostbarste und sorg-
            
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