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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 171)

zwischen Frankreich und Italien angeknüpft hatten und den Einzug der italienischen Kunst

in Frankreich vermittelten; zeigte dann, wie die heimische Architektur sich gegen diese

Invasion behauptete und nur der gothischen Construction das Renaissanceornament wohl

oder übel anpasste. Insbesondere wurde die Ausbildung des Pilastemrnaments dargethan,

welches d_ie Aussen- und lnnendecoration beherrscht, bis in der Cartouche, dem immer

mannigfaltiger sich gestaltenden Rahmenwerk, ein neues decoratives Element auftritt. Der

Umstand, dass die Baukunst ausschliesslich in französischen Händen bleibt, trägt natürlich

bei, ihr nationales Gepräge zu erhalten, welches an den zahlreichen Schlossbauten sowohl

im Grundriss wie im Aufriss zu erkennen ist. Aber während z. B. die Anwesenheit

des von Ludwig Xll. berufenen Fra Giocondo, selbst jene eines Lionardo und Sarto in

Frankreich keine erkennbaren Spuren zurücltlasst, gelangt unter Franz l. durch die Schule

von Fontainebleau der italienische Styl in der Malerei und deeorativen Plastik zur Herrschaft.

 Der Vortragende versuchte hierauf, ausgehend von dem alten Kunstcentrum in

Tcurs, die Entwicklung der nationalen Gegenströtnung darzulegen, durch Charakteristik

der Leistungen eines Jean Foucquet, Jean Cousin, Michel Columbe, Jean Gouion, Palissy.

Geolf. Tory, der Limosiner Emailleurschule, der Ornamentstiche eines Etienne de Laune,

Dueerceau u. a. bis zum Siege der nationalen und classischen Richtung in den Bauwerken

eines Lescot, Phil. de Lorme, Bullant und Duccrceau. Es war des Stotfes zu vielfur eine

Stunde und sah sich Custos Chmelarz darum genothigt, die zweite Hälfte s 'nes reichen

Materiales blos andeutungsweise zu behandeln. was eine grosse Ungleichmassigiteit in den

Ausführungen zur Folge hatte. Gleichwohl gelang es ihm, die zahlreiche Zuhörerschnft

weit über die gewöhnliche Zeit hinaus zu fesseln.

Llteraturbericht. _

Schloss Stern. Herausgegeben von der k. k. Centralcommiission zur Erforschung

 und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale. Wien,

Druck und Verlag der k. k. Hof- und Staatsdruckerei t879. Fol.

Die Leitung der Centralcommission bewies bei diesem Werke eine Ausdauer fur

ihre schone Aufgabe, wie sie böse Menschen ihr gar nicht zutrauen wollten. Acht Jahre

musste sie kämpfen, um dem Militararar dieses Bauwerk abzuringen. das Wie eine Perlmuschel

 in unscheinbarer Hülle einen kostbaren Kunstschatz birgt, ein Zeugniss von dem

technischen Geschick und einen neuen Beweis von dem Kunstsinne des Erzherzogs Ferdinand

von Tirol. Denn niemand Anderer als dieser Gründer der Ambraser Sammlungen hat auch

das Schlossf t-zum goldenen Stern-t 1555 erdacht und circulirt, und mit Stuccoornarnenten

der reichen und bizarren Spatrenaissance durch italienische Meister ausgeziert. Der Löwenantheil

 an dem vorliegenden Werke gebührt unstreitig dem Herrn Professor Hracho-'wina

 für seine Radirungen und seine ebenso geschmackvollen als phantasiereichen Randverzierungen

 und Initialen; neben ihm hat Herr Jasper den figürlichen 'l'ltcil derselben

besorgt, Reg-Rath J. v. Falke die vornehm geschriebene Baugeschichte geliefert, und

die Staatsdruckerei die trelfliche und elegante Ausstattung besorgt. Kurz alle Betheiligten

können stolz sein auf ihre Mithilfe bei diesem Werke. so wie wir stolz sind und dankbar

dafür, wieder ein heimisches Kunstdenkmal so würdig dargestellt zu sehen. Die reine

Freude über dieses Unternehmen regt -in uns den Wunsch an, auch das Belvedere in

Prag in ähnlicher Weise durch Bild und Schrift der verdienten Werthschätzung zugeführt

 zu sehen.

Quellenschriften flir Kunstgeschichte, herausgegeben von R. E i telbcrger

v. Edelber g. Bd. XIV. Arnold Houbraltetfs grosse wSchouburghu der

niederländischen Maler und Malerinnen, übersetzt, mit Einleitung und

alphabetisch geordneten Noten versehen von Alfred von Wurzbach.

Bd. l. Wien, 1880. W. Braumüller. 8.

Arnold Houbraken ist der wichtigste und umfassendste Biograph der Blüthezeit

der flämischen und holländischen Schule des siebzehnten Jahrhunderts. lm Jahre tööo

geboren, lebte er noch inmitten der grossen Talente, welche das siebzehntc Jahrhundert

hervorgebracht. Man hat ihn vielfach als Anekdotenltratner abgefertigt. aber es ist

bemerkenswerth, dass gerade in jenen Fällen, in welchen man eine Ehrenrettung in dieser

Beziehung am dringendsten nothwendig hielt, wie beispielsweise bei Jan Stee n, die neuesten

archivalischen Forschungen dargethan haben, dass Houbraken sehr gut unterrichtet

gewesen und eher zu wenig, als zu viel erzählte. Abgesehen hievon basirt die ganze spätere
            
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