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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 162)

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zu erziehen. Für die Erwerbung technischer Fertigkeit bleibt daneben

keine Zeit übrig. Es ist aber Sache der Erfahrung, dass dem Knaben die

Ausübung solcher Fertigkeiten Vergnügen macht, dass er sich, so zu

sagen, spielend Geschicklichkeiten aneignet, dass es ihm fast Bedürfniss

ist, die Hand werkthätig zu beschäftigen, während die Erlernung derselben

Fertigkeiten in späterer Zeit oft zur harten Arbeit wird und nicht mehr

ganz gelingen will, so dass der Mangel solcher früher Schulung durch

das ganze Leben nachwirkt. So beginnt denn heute der Jüngling die Erlernung

 gewerblicher Techniken erst in einem Alter, in welchem er sie

ehedem bereits beherrschte. (Schluss folgt.)

Anton D. Ritter von Fernkorn.

Am 15. November v. J. ist Fernkorn einem langjährigen Gehirnleiden

 erlegen. Er war schon am 28. September 1868 in die niederösterreichische

 Landes-Irrenanstalt gebracht worden, nachdem er durch zwei

Jahre erfolglos die Heilung seines Leidens in einer Privatheilanstalt gesucht

hatte. DieSpuren seiner Krankheit traten schon zu jener Zeit auf, in welcher

. er sich mit dem Engen-Monumente beschäftigte. Der Enthüllung dieses

Monurnentes im Jahre 1865 konnte der Künstler nicht mehr beiwohnen.

Fernkorn wurde im Jahre 1813 in Erfurt geboren und stammte aus

einer katholischen Familie. Er besuchte die Schulen seiner Vaterstadt und

wurde Gürtler. In der Gürtlerwerkstätte lernte er schon von früher Jugend

an die metallurgischen Techniken kennen, für die er bald eine besondere

Neigung an den Tag legte. Seiner Militärpfiicht genügte er in der preussisehen

 Artillerie. Erst später konnte er sich der Kunst widmen, doch kamen

ihm seine Lehrzeit als Gürtler, sowie seine in der preussischen Artillerie

gemachten Erfahrungen in seiner Künstlerlaufbahn sehr zu Statten. Er

gehört zu den wenigen Künstlern, die aus dem Handwerk hervorgegangen

sind, und in ihre Kunstübung die handwerkliche Geschicklichkeit und

Tüchtigkeit mitgebracht haben.

Eine Akademie der bildenden Künste hat Fernkorn nicht durchgemacht;

 daher ihm das eigentliche Studium der Antike fremd blieb. Er

kam nach vollendeter Militär-Dienstzeit im zo. Lebensjahre in das Atelier

Stiglmayers des damals berühmtesten Erzgiessers in Deutschland, der zugleich

 ein hervorragender Techniker war. Während seines Aufenthaltes

bei Stiglmayer erhielt Fernkorn vom Kaiser von Russland den Auftrag die

Statue Schillers von Thorwaldsen zu copiren und nahm bei der Ausführung

 des Max-Denkmals von Thorwaldsen, das in dem Stiglmayeüschen

Atelier gegossen wurde, hervorragenden Antheil. Gleichzeitig mit seiner

Thätigkeit bei Stiglmayer besuchte er auch die Kunstschule Schwanthalers

und hat so das nachgeholt, was er in seinen früheren Verhältnissen zu

lernen nicht die Gelegenheit hatte. Insbesondere bei seinen kleineren Ar-
            
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