Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 162)

Oesterr. Museum für Kunst und Industrie in Wien aus der ehemaligen

Bock'schen Sammlung i").

Wie schon durch die oben beschriebene Textur von selbst bedingt

erscheint, zeigen die Dessins dieses Stoffes nur klein gehaltene Darstellungen

 geometrischer Figuren oder phantasievoller Gebilde aus der Thierund

 Pflanzenwelt, welche auf seine europäischen Imitationen in grösserer

oder geringerer Veränderung übergegangen sind. Mit Beziehung auf diese

Darstellungen, mehr aber noch mit Rücksicht auf die jeweilige Färbung

des Siklätün haben sich später Benennungen abgezweigt, welche, obzwar

sie eine und dieselbe Stoffgattung betrafen, dennoch in ihrem gegenseitigen

Zusammenhang bis jetzt unerkannt geblieben sind.

Die beliebtesten Farben scheinen drei gewesen zu sein: Die tiefazurblaue

 (cueruleus, blaveux vom deutschen blaw, arabisch kühlijj,

persisch kabüd), die pistazienartige (arab. fuxtakijj) a") und die hellrothe

 oder zinnoberrothe (vermeil), mit welcher letztern zumeist auch

Brochirungen in Gold verbunden waren. Diese hochrothe, oft auch metallisch

 in's Gelbe schimmernde, Farbe des Siklätün hat sich im europäischen

 Mittelalter entschieden das Uebergewicht errungen. Nach ihr sind

auch jene Bezeichnungen für dieses Gewebe in Schwung gekommen, welche

bis tief in's 14. Jahrhundert hinein als vpanni de siricou urkundlich nachweisbar

 sind. Man hat bisher allgemein angenommen, diese Sirica seien

entweder syrische Stoffe oder schlechtweg Seidengewebe (serica)

gewesen 33).

Das ist nun keineswegs der Fall. Die Bezeichnung vde siricoi- geht

wie vde oloverou etc. unzweifelhaft auf die Charakterisirung des Farbtones;

 sie entspricht dem gyricum (bei Plinius), mit den Varianten sirjycum,

 siricum, sirucum, ciricum, rnittelgriechisch avpiutiv, aramäisch 11mm

und arabisch qarkün (wovon das spanische azarcon), serikün etc., und

bedeutet soviel als Minium, rothes Bleioxyd M). Die arabische Form

zarktin ist wahrscheinlich das persische ägergün (Feuerfarbe) oder {ergfm

(Goldfarbe), worunter eben ein feuriges, brennendes, glühendes, ziemlich

starkes, Gelb-Roth zu verstehen ist 35), wie denn auch nach einem Manu-")

 Siehe den x-Katalog der ehemaligen Boclfschcn Sammlung von Webereien und

Stickereien des Mittelalters etc.-, Wien 1865, NNr. 4, 5, xo und 57. Das erste Stück

stammt wohl schon aus dem XI. Jahrhundert, die übrigen scheinen rnir jünger zu sein,

als Dr. Bock annimmt. Für die byzantinische Herkunft von 5 und lo spricht nach

meinem Dafürhalten die Musterung allein durchaus nicht entschieden.

") Von welcher Farbe ich im k, k. Oesterr. Museum (Nr. 5 der Bock'schen

Sammlung) einen Stolfüberrest in vorzüglicher Erhaltung aufgefunden habe. (Siehe die

Abbildung.)

") Z. B. Bock, Gesch. der liturg. Gewänder, Ill, p. 55, und A.

") Edrisi", l. c. p. 3x2; Dozy, Glossaire des muts Espagnols et Purtugais derives

de l'Arabe, p. 225; dessen Supplemcnt etc., I, p. 589.

"j Wird doch auch im Persischen irisch Iibds oder dtischin libi: (Feuerltleid) metonymisch

 für rothes Kleid, und surch (rolh) vom Golde gesagt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.