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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 176)

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im Stande, der Geschmacksbewegung zu folgen, so gestaltet sich die Lage

dieser Gablonzer QuincaillerieJndustriellen zu einer beklagenswerthen.

Bei dieser Sachlage hat sich das Bedürfniss herausgestellt, der Gablonzer

Industrie durch Gründung einer Fachschule einen inneren Halt zu geben

und in den Räumen einer Schule die arbeitende Bevölkerung sowohl mit

den Elementen des gewerblichen Zeichnens und Modellirens als mit jenen

metallurgischen Techniken vertrauter zu machen, welche in den Gürtler-Werkstätten

 von Gablonz gepflegt werden.

Am l. Mai d. J. wird von Seite des Unterrichtsministeriums eine

Fachschule für Quincaillerie in Gablonz eröffnet und zwar in den Räumen

der dortigen Btirgerschule. Als Lehrer in dieser Schule werden Herr

Sobota für das Ciseleur- und Graveurfach und iHerr Larch für das

Zeichnen und Modelliren fungiren. Beide sind Schüler der Kunstgewerbeschule

 des Museums, Herr Sobota speciell der Ciselirschule des Herrn

Schwartz; er hat in den Weihnachts-Ausstellungen des Museums und

in der Bronze-Industrie-Gesellschaft sich einen Namen zu machen verstanden.

 Dieser neu gegründeten Schule kommt es sehr zu statten, dass

die k. k. Staatsgewerbeschule in Reichenberg festen Fuß gefasst hat, in

welcher Herr Richter, ein hervorragender Chemiker, als Director fungirt,

dem eine Reihe von erfahrenen Fachprofessoren zur Seite stehen.

Die Gründung einer Fachschule würde nur unvollständig die Bedürfnisse"

 der Gablonzer Industrie befriedigen, wenn nicht gleichzeitig von

Seite des Unterrichtsministeriums jene Maßregeln getrolfen wären, welche

dazu dienen, den Zeichenunterricht in allen jenen Volksschulen

zu heben, welche in dem Bezirke der Gablonzer Industrie liegen. Bei

einer l-Iausindustrie, wie es die Gablonzer im eminenten Sinne des Wortes

ist, spielt die Geschmacksbildung der gesammten Bevölkerung eine hervorragende

 Rolle. Die Fachschule ist an allen Orten, wo eine Hausindustrie

 existirt, an die Mitwirkung der Volksschule gewiesen; je tüchtiger

 und rationeller der Zeichenunterricht in den Volksschulen ertheilt

wird, je mehr die Volksschullehrer schon beim Zeichenunterrichte auf die

Bedürfnisse des gewerblichen Lebens _hinwirken, desto mehr heben sich

die geistigen Grundbedingungen, auf welchen die Quincaillerie-Industrie

ruht. Es ist in hohem Grade erfreulich, wahrzunehmen, dass die Volksschullehrer

 in Gablonz und Umgegend die Bedeutung ihrer Mission, an

der gewerblichen Fortbildung des Volkes mitzuwirken, begriffen haben.

Sie sind mit Freude der Autforderung nachgekommen, an dem Fortbildungscurse

 im Zeichnen Antbeil zu nehmen, welcher für sie im

Auftrage des Unterrichtsministeriums in der Reichenberger Gewerbeschule

{durch den Architekten B r a u s ew e tt e r im Laufe dieses Sommers ertheilt

wird. So wirken diesmal alle Factoren zusammen, um der Gablonzer

Quincaillerie-Schule ein günstiges Prognostikon zu stellen. Da ihre Verbindung

 mit der Volks- und Bürgerschule hergestellt ist, so befindet sich

die Fachschule nicht auf einem lsolirschämel gegenüber den Volks- und
            
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