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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 176)

Collectiv-Benennung "Tusterzjjünv, d. h. die Tusterischen (Fabri- 
kanten) m); denn es war eine Einrichtung in Bagdad , von welcher 
Jäkübi bereits für die Zeit der Gründungsepoche Kunde giebt, dass in 
diesem Handelsviertel die Straßen und Gässen der einzelnen Quartiere 
nach der Herkunft der hier aus aller Herren Ländern angesiedelten Kauf- 
leute und Manufakturisten benannt wurden m). Aus diesem Quartiere 
gierigen endlich mit allmäliger Verdrängung des fremden Concurrenz- 
Namens die schweren SeidenstolTe hervor, deren Pracht selbst der eitelsten 
Prunksucht zu schmeicbeln vermochte und die unter dem obsiegenden 
heimischen Namen der Bagdäder oder Baldachin-Gewebe bis in's 
späteste Mittelalter den Ruhm der tusterischen Pflanzschule über ganz 
Europa verbreiteten. l 
Doch dies gehört an einen andern Ort. Aus der vorstehenden Dar- 
legung ergiebt sich mit historischer Gewissheit die für uns zunächst wich- 
tigste Thatsache einer sehr frühen arabischen Imitation der be- 
rühmten Tuster-Fabrikate, welche in der Geschichte der morgen- 
ländischen Webereien an und für sich zwar nicht vereinzelt dasteht, wohl 
aber vom archäologischen Standpunkte der textilen Kritik festgehalten 
werden muss m). 
Die Concurrenz Bagdäds mit der persischen Seidenindustrie hat, 
wie bemerkt wurde, das Fortblühen Tustefs bis in's XIII. Jahrhundert 
kaum irgendwie beeinträchtigt, obschon sie demselben auf die Dauer ge- 
fährlich werden musste. Manche Kriegsstürme und die mongolischen Völker- 
Huthen waren, alles Leben erstickend, über die blühendsten Landschaften 
Mittelasiens hinweggegangen, ohne dass die chüzistanische Stadt dabei 
empfindlichen Schaden gelitten hätte oder gar in ihrem gewerblichen 
Streben gestört worden wäre. Gegen Ende des XIII. Jahrhunderts galt 
Tuster, laut dem Zeugniss Ibn Challikän's (T 1282), noch als eine "be- 
rühmten Stadt m); berühmt offenbar ihrer textilen Erzeugnisse wegen, 
die bis dahin nach der ausdrücklichen Versicherung Kazwinfs H" 1283) 
einen weitverbreiteten Ruf genossen m). Während des ersten Drittels des 
XIV. Jahrhunderts dürfte sich kaum viel-daran geändert haben, wenig- 
stens schildert Ibn Batüta aus eigener Anschauung Tuster noch als-eine 
'") Jiküt, Mu'dschem el-buldän, I, p. 850. - Dessen Muschlarik, ed. Wüsten- 
feld, p. 81. - Vgl. auch Meräsid, l. c. I, p. 205. - Soiüthi, Lubb el-lubab, ed. 
Vexh, p. 53." 
m) Kitäb dl-buldin, p. 18. Der ganze westliche Hahdelsbezirk Bagdids 
hieß el-Knrch. 
m) Vgl. meine nMerkmale zur Bestimmung sarazenischer Kunst- und 
lndustrie-Denkrnülerc, in den Mittheil. des k. k. Oesterr. Museums für Kunst und 
Industrie, 1875, p. 305. 
m) lbu Chnllikän, ed. Wüstenfeld, n' 62. 
m) Kazwini, Wdschiib el-machlükät, ed. Wüstenfeld, ll, p. x14.
	        
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