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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 174)

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Es darf nicht außer Acht gelassen- werden, dass die äußeren Verhältnisse

 für die Entwicklung der Kunst und Kunstindustrie ziemlich ungünstig

 sind, dass die materiellen Hilfsquellen des Landes in hohem Grade

durch eine sehr umständlich organisirte Bureaukratie, zwei Landesregierungen

 (für Militär- und Civilcroatien) und einen kostspieligen parlamentarischen

 Apparat erschöpft werden, so dass für productive Anlagen um

so weniger übrig bleibt, als die wichtigsten Agenden des Handels und

Gewerbes und der bezüglichen Gesetzgebung in ungarischen Händen liegt,

denen begreiflichermaßen das Hemd näher ist als der Rock.

Wenn also von einem Aufschwung, von einer Kunstbewegung in

Croatien die Rede ist, so ist da der richtige relative Maßstab anzulegen.

Die Kunstbestrebungen in den croatischen Ländern sind zweierlei;

es ist da eine im Niedergang befindliche nationale Hausindustrie und es

ist die kosmopolitische importirte Kunst, welche nebeneinander bestehen.

Für die Pflege und Entwicklung der letzteren ist der Bau der

Diakovarer Domkirche ein entschiedener Markstein, der Erbauer derselben,

 Bischof Stroßmayer, der wichtigste und erste Förderer. Wäre

der Bischofsitz des kunstsinnigen Prälaten von der Landeshauptstadt nicht

so entfernt, so wäre der wohlthätige Einfluss dieses großartigen, von

Roesner begonnenen, von Schmidt fortgeführten Baues ein viel unmittelbarerer,

 größerer gewesen. Trotz der ungünstigen Umstände wirkte

das Beispiel aber doch, und der vom Vaticanum bekannte große Redner

verschrnähte es nicht, selbst zur Feder zu greifen und zu wiederholten

Malen zur Erhaltung und Restaurirung der im Lande vorhandenen Denkmäler

 der Vorzeit zu mahnen. Es wurde auf diese Anregung hin beschlossen,

 die Agramer Pfarrkirche, einen schönen gothischen Bau, zu

restauriren. Die Arbeit wurde dem Dornbaumeister Schmidt aufgetragen

und geht unter dessen Leitung der Vollendung entgegen. Der Agramer

Cardinal-Erzbischof Mihalovio und das Agramer Domcapitel blieben

nicht zurück; Dombaurneister Schmidt erhielt den Auftrag, für die Restaurirung

 der schönen alten gothischen Domkirche die Pläne zu entwerfen,

welche acceptirt wurden. Die betreffenden Arbeiten sind, wie ich das in der

Lützow'schen nZeitschrift für bild. Kunstu meldete, bereits begonnen; in der

Steinmetzhütte wird fleißig gearbeitet, und im nächsten Frühjahr soll der

erste Stein feierlich versetzt werden. Um die Domkirche herum sind noch

die alten Befestigungsmauern und Thürme erhalten, welche vor der Front

der Dornkirche weggebrochen werden sollen. Vor dem Portal, welches

dem bekannten in S. Jak sehr ähnlich ist, wird schon im nächsten Frühjahr

 ein Monumentalbrunnen, ebenfalls nach Schmidfs Entwürfen, errichtet

 werden, der mit fünf Statuen von Fernkorn geschmückt werden

soll, die vor mehreren Jahren von der Gemeinde erworben wurden. -

Durch diese Veränderung wird der malerische Capitelplatz zum künstlerischen

 Mittelpunkt der Stadt werden.
            
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