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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 8)

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Dieses Werk wäre ein lehrreiches Beispiel von dem Zopf der

Majolikakunst, wenn es gestattet ist, innerhalb des Cinquecento von einer

relativen Verzopfung zu sprechen. Jedenfalls verlor diese Kunstweise ihre

stilistische Haltung über den Excessen jener ornamentalen Baulust, von

der oben bereits die Rede war. Auf solchem Wege musste unfehlbar

auch ihre Technik entarten und die Delicatesse ihrer Formengebung in

die Brüche gehen. _

Zum Theil wenigstens vollzog sich das Verhängniss des Stilverfalles

an der Majolikakunst aus dem Grunde, weil sie zuletzt das ihr gemäße

Decorationsprincip entweder aufgab oder ohne richtige

Empfindung verwildern ließ. Das eigenste, für das Colorit wie

für die Glasur der Terracotta völlig gerechte Ornament ist der Kranz,

aus saftreichen Stengeln und Blättern, vollen Bllithen und Früchten, denen

es gelegentlich auch an Buckeln und Striernen nicht fehlen mag, die

tretTlich der Modellirung in diesem Material sich fügen. Auch in der besten

Zeit der Robbia-Schule war es ein bedenklicher Fortschritt, dass diese

Kunstweise ihr specil-isches Umrahmungsmotiv gegen die nachgebildeten,

auf Präcision der Contour berechneten Formen des Marmorornamentes

umtauschte; als sie später wiederum zur Bekränzung zurlickkehrte, war

ihr inzwischen die Frische des früheren Stilgeftihles abhanden gekommen.

Beim Majolika-Otnament gehört der liebevolle Naturalismus zum Stil, ja

er bestimmt geradezu denselben. Am Ausgang der Kunstrichtung geht

der in Manierirtheit ausgeartete, copirte Marmorstil mit einem äußerlich

gewordenen, verwilderten Naturalismus Hand in Hand, um trotz einer

noch stark nachschießenden Erlindungskraft den Verfall jener so interessanten

Specialkunst zu besiegeln.

Luca della Robbia flocht noch seine Kränze mit fiihlender Hand;

er verwendete Früchte nur sparsam und dann verband er sie, rythmisch

gruppirend, mit entsprechendem Blattwerk, indem er zugleich die einzelnen

Gruppen durch Kreuzbänder von Bast an den Stengeln auf deutlich wirksame

 Weise trennte. Ein Musterkranz dieser Art ist derjenige, welcher

das früher besprochene Wappenmedaillon von Orsanmichele umgibt.

Sonst hält sich der Meister (namentlich bei den Lunetten-Umrahmungen)

vornehmlich an Blumen, die er ganz zierlich in die Blatthlischel hineinzustecken

 weiß. Weiterhin werden die Umkränzungen (zunächst die der

Tabernakel) gar zu buschig und wulstartig, und bei den Medaillonkränzen

 erscheint oft die pomologische Ausstellung aus dem Frucht- und

Gemüsegarten, so farbenfröhlich ihr Eindruck ist, doch etwas lastend und

überfüllt. Ich habe wiederholt versucht, die Majolikaflora genauer zu

bestimmen, bin aber auch nach eingeholter Berathung mit fachkundigen

Botanikern zu keinem sicheren Ergebniss gelangt. Der allgemeine Charakter

ist entschieden naturalistisch, aber die Einzelform nicht in allen Fällen

naturgetreu. Die Lilie hebt sich unverkennbar hervor, zwischendurch scheint

das Ciströschen, welches in den Mittelmeerländern auch wild vorkommt,
            
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