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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 8)

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dann der Hibiscus, die Heckenrose, wohl auch die gefüllte Rose, die

Mohnblume, die Granatenblüthe und die Primel aufzutreten. Piniennadeln,

vereinzelt auch das Blatt der Fächerpalme kommen der wechselnden Wirkung

 wegen hinzu; für die übrige Folie des Grüns dient das Weinlauh,

das Blatt der Erdbeere, das Feigenblatt u. s. w. Von Früchten findet sich

eine reiche Auslese: die Weintraube, die Citrone, der Granatapfel, der

Mohn, dann vielleicht die Quitte (oder sonst eine apfelarlige Frucht), die

Melanzana, die Gurke, der ziemlich häufig verwendete Pinienzapfen. Doch

sind dies -- wie schon bemerkt -- nur beiläufige Bestimmungen, besonders

 bezüglich der Blumenarten.

Kurz vor ihrem Ahblühen nimmt die Majolikaplasrik in einem vereinzelten

 großen Werke noch eine interessante Wendung. Sie wird da

wieder monumental, wie sie es im Anfange gewesen und tritt in einen I

Zusammenhang mit der Architektur, aber Inhalt und Charakter der Dar!

stellung ist allerdings ein wesentlich anderer geworden. Ich rede hier von

dem merkwürdigen Fries über der Halle des Ospedale del

Ceppo zu Pistoja und den Medaillons darunter in den Bogenzwickeln.

Die Halle selbst wurde 1514 errichtet, unter dem ersten Hospitalsvorsteher

 Messer Leonardo di Giovanni Buonafe aus Florenz, einem

reichen und freigebigen Karthäuser, welcher dieser Stiftung eine bedeutende

Dotation zuwandte '). Eines der Rundreliefs weist das Datum 1525 auf;

bis dahin wird der Fries mit den Medaillons in der Hauptsache fertig

gestellt worden sein. Man nennt meistens Giovanni della Robbia als den

Schöpfer dieses bedeutsamen Werkes; aber dasselbe ist von seinen beglaubigten

 Arbeiten so grundverschieden, dass wir uns mit dieser Annahme

kaum zufrieden geben können. Wilhelm Bode spricht die Vermuthung

aus, dass vielleicht Santi di Michele, genannt Buglione (t4g4-r576) der

Schüler des Florentiners Benedetto Buglioni, von welchem die schöne

Portallunette der Badia von Florenz herrührt, einen Antheil an dem Fries

des Ceppo von Pistoja gehabt habe").

Wer es immer gewesen sein mag, es war sicherlich ein origineller

Künstler, der der Majolikaplastik eine neue Seite des Ausdruckes abgewann.

 Die Werke der Barmherzigkeit, die in den inneren Räumen des

Gebäudes thatsächlich geübt wurden, sind hier im Zeitcostum dargestellt.

Die allegorischen Figuren der Tugenden, zwischen ornamentirten Pilastern

eingestellt, bilden die verticalen Abtheilungen der langgestreckten Friesbilder,

 gleichsam die Triglyphen zwischen jenen glasirten Metopen. Es

wird uns da ein Stück Sittengeschichte aus den ersten Jahrzehnten

des 16. Jahrhunderts vorgeführt: wir erhalten ein urkundliches Bild der

') Vusari, Ausgabe v. Milnneei. H. Bd. S. m7. -Commentario alla Vila di Luca

della Robbimu

") Burckhardfs lCiCGIOIIGI, 5. Auflage, bearbeitet von W. Bude. 1884. II. Theil,

z. Bd. S. 372.
            
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