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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 10)

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spange ebenso viele Denkmäler einer von Altersher überlieferten Textilindustrie.



Denn überall dort, wo wir heute noch die Stickerei, Buntweberei

oder Spitzenklöppelei in der Volkstracht von älteren Zeiten her verwendet

sehen, lässt sich auch eine ältere textile l-lausindustrie nachweisen. So

in den mährisch-slovakischen Ländern und der angrenzenden ungarischen

Slovakei, ferner im ruthenischen Ostgalizien, und namentlich in den von

YVallachen und Serben bewohnten Gebieten Südungarns. lhnen allen ist

der Umstand gemeinsam, dass ihre Träger in der geschichtlichen Entwickelung

 der neueren Zeit keineswegs im Vordergrunde stehen, daher

vom Strome der Culturbewegung, wozu auch der Wechsel der Kunststile

 zu rechnen ist, weniger berührt wurden, als die mächtigeren und

historisch bedeutsameren Nachbarn. So haben weder von den Czechoslaven

 die Czechen, noch von den Bewohnern Galiziens die Polen eine

eigenartige nationale Hausstickerei bewahrt, was dagegen ihren untergeordneten

 Stammverwandten - den Slovaken und Ruthenen - trefflich

gelungen ist. Dasselbe gilt von Ungarn: nicht die Magyaren, und auch

die katholischen Croaten nur in geringem Maße, sondern hauptsächlich

die orthodoxen Serben und Rumänen sind hier die Träger und Vererber

der alten l-lausstickerei. Analoges finden wir in deutschen Ländern. Wie

die ringsum von fremden Völkerschaften eingeschlossenen und daher ausschließlich

 auf ihr eigenes Volksthum angewiesenen Siebenbürger Sachsen

nicht nur auf textilem, sondern auch auf anderen kunstgewerblichen Gebieten

 ihre Traditionen bis in unser Jahrhundert bewahrt haben, ist wohl

zunächst aus der ethnographischen, und erst in zweiter Linie aus der

geographischen Lage dieses Colonistenvolkes abzuleiten. Dagegen ist die

Vererbung der Hausstickerei in den Elbmarschen ebenso aus der geographischen

 Abgeschiedenheit und der dadurch bedingten Zusammenhanglosigkeit

 mit der Außenwelt und ihren Händeln zu erklären, wie die

ältere und herkömmliche textile Hausindustrie des Bregenzer Waldes.

Mit dieser älteren und herkömmlichen Kunsstickerei hat die moderne

textile Hausindustrie des Bregenzei" Waldes nichts mehr gemein. Sie ist

auch nicht mehr auf das Thalgebiet der Bregenzer Ache beschränkt,

sondern erstreckt sich weit hinaus über das Rheinthal, ja so ziemlich

über das ganze Land vor dem Arlberge. Ihre Geschichte ist diejenige

der modernen Stickerei-Industrie von St. Gallen. Was den Textilforscher

an ihr interessirt, ist die eigenthümliche Verquickung von fabriksmäßiger

Maschinenarbeit mit einer häuslichen Productionsweise, die sonst alle

Merkmale einer echten Hausindustrie besitzt.

Freilich der reine Begriß" der Hausindustrie erfordert nicht blos,

dass ihre Erzeugnisse im Hause so nebenher - in den Mußestunden,

die die Haus- und Landwirthschaft übrig lässt - angefertigt werden;

es gehört vielmehr dazuxauch der Umstand, dass diese Erzeugnisse ausschließlich

 für den Gebrauch des Erzeugers selbst oder wenigstens seiner
            
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