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spange ebenso viele Denkmäler einer von Altersher überlieferten Textilindustrie.
Denn überall dort, wo wir heute noch die Stickerei, Buntweberei
oder Spitzenklöppelei in der Volkstracht von älteren Zeiten her verwendet
sehen, lässt sich auch eine ältere textile l-lausindustrie nachweisen. So
in den mährisch-slovakischen Ländern und der angrenzenden ungarischen
Slovakei, ferner im ruthenischen Ostgalizien, und namentlich in den von
YVallachen und Serben bewohnten Gebieten Südungarns. lhnen allen ist
der Umstand gemeinsam, dass ihre Träger in der geschichtlichen Entwickelung
der neueren Zeit keineswegs im Vordergrunde stehen, daher
vom Strome der Culturbewegung, wozu auch der Wechsel der Kunststile
zu rechnen ist, weniger berührt wurden, als die mächtigeren und
historisch bedeutsameren Nachbarn. So haben weder von den Czechoslaven
die Czechen, noch von den Bewohnern Galiziens die Polen eine
eigenartige nationale Hausstickerei bewahrt, was dagegen ihren untergeordneten
Stammverwandten - den Slovaken und Ruthenen - trefflich
gelungen ist. Dasselbe gilt von Ungarn: nicht die Magyaren, und auch
die katholischen Croaten nur in geringem Maße, sondern hauptsächlich
die orthodoxen Serben und Rumänen sind hier die Träger und Vererber
der alten l-lausstickerei. Analoges finden wir in deutschen Ländern. Wie
die ringsum von fremden Völkerschaften eingeschlossenen und daher ausschließlich
auf ihr eigenes Volksthum angewiesenen Siebenbürger Sachsen
nicht nur auf textilem, sondern auch auf anderen kunstgewerblichen Gebieten
ihre Traditionen bis in unser Jahrhundert bewahrt haben, ist wohl
zunächst aus der ethnographischen, und erst in zweiter Linie aus der
geographischen Lage dieses Colonistenvolkes abzuleiten. Dagegen ist die
Vererbung der Hausstickerei in den Elbmarschen ebenso aus der geographischen
Abgeschiedenheit und der dadurch bedingten Zusammenhanglosigkeit
mit der Außenwelt und ihren Händeln zu erklären, wie die
ältere und herkömmliche textile Hausindustrie des Bregenzer Waldes.
Mit dieser älteren und herkömmlichen Kunsstickerei hat die moderne
textile Hausindustrie des Bregenzei" Waldes nichts mehr gemein. Sie ist
auch nicht mehr auf das Thalgebiet der Bregenzer Ache beschränkt,
sondern erstreckt sich weit hinaus über das Rheinthal, ja so ziemlich
über das ganze Land vor dem Arlberge. Ihre Geschichte ist diejenige
der modernen Stickerei-Industrie von St. Gallen. Was den Textilforscher
an ihr interessirt, ist die eigenthümliche Verquickung von fabriksmäßiger
Maschinenarbeit mit einer häuslichen Productionsweise, die sonst alle
Merkmale einer echten Hausindustrie besitzt.
Freilich der reine Begriß" der Hausindustrie erfordert nicht blos,
dass ihre Erzeugnisse im Hause so nebenher - in den Mußestunden,
die die Haus- und Landwirthschaft übrig lässt - angefertigt werden;
es gehört vielmehr dazuxauch der Umstand, dass diese Erzeugnisse ausschließlich
für den Gebrauch des Erzeugers selbst oder wenigstens seiner